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Aus meinem Leben




Franz Seifert, mein Urgroßvater, den ich selbst nicht erlebt habe, hat diesen Bericht verfasst.






Am 12. 10. 1962 habe ich eine Schreibmaschine für 295, - DM gekauft. Um etwas Übung im Maschinenschreiben zu erlangen, will ich etwas aus meiner Vergangenheit aufzeichnen.

Am 21. Januar 1890 9 Uhr erblickte ich in Ranisch, Kreis Falkenberg, Oberschlesien, das Licht der Welt. Mein Vater soll gerade vom Getreidemarkt in Friedland nach Hause gekommen sein. In Friedland waren drei Getreidehändler Rieger, Klose und Görlich. Der Vater zeigte Getreideproben in Papiertüten vor, der Preis wurde vereinbart, am Lieferungstage fuhr der Vater seine 20-25 Zentner Hafer, Gerste der Roggen nach Friedland. Der Zentner Hafer brachte 56, der Zentner Roggen 78 Goldmark. Der Vater trug die Säcke auf seinem Rücken auf den Schuttboden des Händlers und erhielt dafür einige Zigarren als Trinkgeld, die er aber nicht selbst rauchte, denn er war Nichtraucher und trank auch kein Bier, sondern nur einen Kornschnaps. Die Mutter steckte die Goldstücke, Taler uncmarkstucke in ein graues, wollegestricktes, schmales Säckchen, schlang einen Knoten, nahm den Deckel von einem weißen Porzellankrug und legte den Geldbeutel hinein. Der Krug wanderte in den ja Glasschrank und stand mit den anderen Porzellangefäßen in Reih und Glied. Für uns Kinder war er ein "Rührmichnichtan!" Der Glasschrank stand in der guten Stube und war verschlossen.

Bei der nächsten Gelegenheit brachte sie 5e Taler in die Sparkasse nach Friedland zum Herrn Müller. Das war der Mann ihrer Schulfreundin. Das Geld vom Viehverkauf blieb auch nicht lange im Hause. Eine gute Kuh brachte 100 bis 115 Taler (1 Taler= 5 Mark). Ein halbes Pfund Butter kostete 65 Pfennig, ein Ei 5 Pfennig, ein Pfund Zucker 25 Pfennig, 1 Zentner Steinkohle 95 Pfennig, 1 Liter Petroleum 22 Pfennig.

Mein Vater, Karl Seifert, war am 14. Juni 1845 in Nußdorf, Kreis Falkenberg, meine Mutter, Helene, geborene Lux, war am 5. 5. in Ranisch, Kreis Falkenberg, geboren.


Mein Vater war das 6. von 7 Kindern (Franz, Eduard, Josef, Johann, Karl, Anton, Hedwig). Seine Eltern hatten eine Landwirtschaft von 40 preußischen Morgen (1ha= 4 preußi. Morgen). Mein Vater lernte das Maurerhandwerk. Im Kriege 1870 wurde er als Ersatzreservist einberufen, er ruckle nach Frankreich aus. Da sein Hauptmann erkrankte, mußte er als Offiziersbursche mit dem Pferd des Hauptmanns in die Garnison Neiße zurück. Er hat es immer bereut, daß er nicht bei der kämpfenden Truppe bleiben konnte. Er hatte jetzt das Pferd zu pflegen, im Pferdestall zu schlafen, wenn Gaste kamen, Speisen aufzutragen und im Haushalt zu helfen.

Nach einem solchen Gästeabend kam er in den Stall. Da hatte das Pferd sich losgerissen, die Zudecke zerfetzt, daß die Federn im Stalle herumflogen und das im Bett versteckte Kommissbrot aufgefressen. Da hieß es, schnell die Federn rein und zunähen. Der Vater betrachtete jeden, der nicht Soldat war, als Mensch 2. Klasse, Henn damals galt es als eine Ehre, des Königs Rock zu tragen.

(Auch mein Bruder Josef war stolz, als er bei der 2. Musterung zum Infanterieregiment 156 in Brieg einberufen wurde. Als Gefreiter entlassen, wurde er nach der 1. Übung Unteroffizier der Reserve. Im 1. Weltkriege wurde er als Unteroffizier zur Sanitätskompanie 20 der 12. Division kommandiert.)

Nach seiner Militärzeit arbeitete der Vater als Maurer in einer oberschlesischen Steinkohlengrube Er ersparte 400 Taler. Dazu erhielt er 400 Taler Erbteil und heiratete am 1. Mai 1877 die Helena Bertha Lux, Tochter des Gärtners Joseph Lux und dessen Ehefrau Maria, geb. Paul in Ranisch. (Der kleinste Besitzer hieß Häusler, der größere Gartner, dann gab es Viertelbauern, Halbbauern und Bauern. Der Erbscholtiseibesitzer war der frühere Erbschulze.)

Mein Vater übernahm nach der Hochzeit ein strohgedecktes Wohnhaus aus Balken und Leinn, eine ebensolche Schefoe und ein kleines Auszugshäuschen aus Lehm mit Strohdach, sowie 12 Morgen Acker und Wiese insgesamt. Er untermauerte das Wohnhaus, daß es massiv wurde, ließ aber das Strohdach, weil es wärmer sei, er bälute eine neue größere Scheune aus Fachwerk, kaufte 4 Morgen Acker und 2 Morgen Wiese dazu, 1895 eine Dreschmaschine mit Göpel, eine Wurfmaschine und eine Pleder (Getreidereinigungsmaschinen).

Von den Dachsparren des Strohdaches waren einige schwarz angekohlt. Das erinnerte daran, daß sie aus einem älteren Hause stammten, welches dem Brande um Opfer gefallen war. Meine Großmutter soll immer erzählt haben, daß 1813 während der Befreiungskriege die Russen, die als Verbündete der Preußen gegen die Franzosen kämpfte, in dem Dorfe Quartier hatten. Sie hätten sehr schlimm gehaust und immer mit den Stiefeln im Bett gelegen.

Auf dem Boden standen 2 Spinnräder, eine Hechel, eine Flachsbreche und eine große Fischtonne. Auf einem Spinnrad hatte die Mutter in ihrer Mädchenzeit fleißig gesponnen. Das ältere war von der Großmutter zurückgeblieben. An den langen Winterabenden gingen die jungen Mädchen jeden Abend in ein anderes Haus zum "Rocken". Sie spannen beim Herdfeuerlicht beim (1850) Kienspanlicht, Wachslicht oder beim Licht der trüben Öllampe. Sie erzählten Geschichten und sangen Lieder.

Der Hausvater und die Hausmutter erzählten aus ihrer Jugendzeit, von Kriegen Überschwemmungen, Feuersbrünsten, Pest, Hungersnot, von Feuermännern, Irrlichtern, Wasserjungfrauen, Fenismännchen und Gespenstern. Die S jungen Burschen stellten sich ein als Zuschauer und Helfer. Sie boten sich als Begleiter für den Heimweg an.

Die Fischtonne hatte meine Großmutter mitgebracht, ihr Vater hatte die Kinnesehe Bauernwirtschaft gepachtet. Zu derselben gehörte ein größerer Fischteich. Vor Weihnachten fuhr der Großvater meiner Mutter mit Karpfen nach dem 20 km entfernten Neustadt, Oberschlesien. Einmal im Herbst, als Borgens an seinen Fischteich kam, war der Damm durchstochen, das Wasser abgelaufen. Ein kleiner Rest von Fischen war noch in der schlammigen Pfütze zurückgeblieben. Die anderen Karpfen waren durch den. Beigrabenin den Mühlgraben Richtung Friedland davongeschwommen. Etwa 2 Schock konnten noch aufgefangen werden. & 50 Taler Erbteil, welche meine Großmutter zu ihrer bevorstehenden Heirat erhalten sollte, waren davongeschwommen. Man vermutete einen Racheakt eines verschmähten Liebhabers.

Hechel und Flachsbreche wurden von meinen Eltern nicht mehr gebraucht. Ein eiserner Tiegel mit drei Beinen, der früher einmal im offenen Herdfeuer seine Schuldigkeit getan halt, lag unter dem alten Eisen. Am Stallgiebel standen 2 Beuten. Das waren zwei Bienenstöcke, kurze ausgehöhlte Baumstämme, mit eingebohrten Fluglöchern. Mein Großvater hatte mehrere Bienenvölker.

Unter dem Schuppen stand ein alter Wagen mit hölzernen Achsen, die nur an der Unterseite einen Eisenbeschlag hatten, der Vater benutzte ihn nur in Notzeiten einmal zum Futterholen. Die Achsen wurden mit Holzteer geschmiert.
Der„Waonschmermaon" fuhr noch in meiner Kinderzeit mit einem Handwagen öfters durch das Darf, um seinen Holzteer als Wagenschmiere zu verkaufen.

Bei meinem Großvater, Josef Lux, wollten Diebe in einer stürmischen Nacht eine Kuh stehlen. Sie hatten schon eine Bohle aus der Stallwand herausgesägt, um den Stallriegel wegschieben zu können, wurden aber dann verscheucht. Aus seiner Jugendzeit wußte mein Vater zu berichten:
"Die Brüder meines Vaters gingen in mondhellen Winternächten auf Pelztierfang. Mit einer langen Stange stocherten sie unter die Strohdächer. Wenn Marder oder Iltisse zu Boden sprangen, wurden sie von dem scharfen Hunde gepackt. Einmal verfolgte der Hund eine Katze; diese sprang in ihrer Angst durch das Fenster eines Hauses, in dem die Leute gerade beim Abendessen um den Tisch herumsaßen. Der Hund sprang der Katze nach in die Stube. Die erschreckten Bewohner fuhren aus der Stube heraus, die Raubtierjäger ergriffen eiligst die Flucht.

Der Vater meines Vaters fuhr mit der Radwer einmal in den Wald, um Streu zu holen. Es war finster geworden. Auf dem Heimweg kam ein Irrlicht auf ihn zu. Er stürzte die Radwer um und kroch darunter. Das Irrlicht rieselte über ihn hinweg wie ein Wasser. Dann kroch er aus seinem Versteck hervor und fuhr nach Hause."



Oppeln/Opole, August 2015

In Nüßdorf ereignete sich zu meines Vaters Zeit folgendes:
Die jungen Burschen waren in Friedland zum Tanz. Als sie die Pappelallee durchschritten hatten, hörten sie ein geisterhaftes Geschrei. Jeder ergriff einen Knüppel, sie trafen eine weiße Gestalt und schlugen darauf los. Es war die Holitzner Hanne, die hatte sich ein weißes Hemd über die Kleider gezogen und rollte den jungen Leuten einen Schreck einjagen. Infolge der erlittenen Schläge wurde sie krank und starb.

Als mein Vater in Neisse Soldat war, trug sich folgendes zu: um die Stadt herum waren alte Festungswerk aus der Zeit Friedrichs des Großen. In den Werken am Jerusalemer Tor lagerte viel Munition. Büsche und Bäume versteckten die Bastionen. Tag und Nacht standen dort Militärposten. Die 2 Soldaten erzählten, dort gehe es um Mitternacht um. Mehrere waren schon vor einem Gespenst davongelaufen und wegen Wachvergehen bestraft worden. Niemand wollte mehr auf Posten an dieser Stelle aufziehen. Nur einer meldete sich freiwillig. Als zwölf Glockenschläge verhallt waren, hörte er Tritte auf sich zukommen. Er rief dreimal: "Haltwerda" Aber die Gestalt kam weiter. Da schoß er drauf los in der Dunkelheit. Die Gestalt Arach zusammen Der Unteroffizier der Wache eitle mit einigen Soldaten her bei. Es war der Offizier der Ronde, welcher die Posten revidiert, ein junger Lieutnant; er hatte sich ein Ziegenfell über den Kopf gezogen, um die Posten zu schrecken. Auf den ersten Schuß war er tot zusammengesunken.

Mein Onkel Eduard hatte in Grottkau bei der Artillerie gedient. Er stand in einer finsteren, regnerischen Nacht auf Posten. Da trappte etwas auf ihn zu. Auf seinen dreimaligen Anrufh blieb es nicht stehen. Er schoß. Als die Wache herbeikam, sahen sie, daß ein Pferd getroffen worden war. Es kam in der finsteren Nacht von der Weide zurück.

Inder Schlacht bei Königgrätz am 3sJuli 1866 war ein Fahne des Regiments 3Q verloren gegangen. In der Nacht gelang es dem Onkel Josef aus Groschowitz dieselbe zurückzuholen. ER übergab sie dem Feldwebel, welcher die Fahne dem Regiments überbrachte. Erfolg: der Feldwebel erhielt die Tapferkeitsmedaille I. s der ünkel, wecher die Fahne gerettet hatte, die Tapferkeitsmedaille II. Klasse.

Aus der frühen Kindheit

Ich trug bis ins 5. Jahr wie die anderen Knaben auf dem
Dorfe ein kariertes Kleidchen. Wenn meine Mutter in den Stall ging, die vier Kühe zum melken, rief sie mir zu. Ich holte dann ein Töpfchen aus der Küche und die Mutter schüttete mir die kuhwarme, geseihte Milch hinein, die ich gern trank. An einem schönen Julitage war ich im Garten hinter der Scheune. Auf der Straße spielende Kinder verlangten von mir Äpfel. Ich schlug die unreifen Apfel ab reichte sie durch den Zaun. Da trat die Mutter in den Garden. Sie rief mich ganz freundlich zu sich. Ich brachte ihr freudestrahlend eine Schürze vell Äpfel it. Als ich dann dafür Schläge erhielt, hatte das Vertrauen zur Mutter eine Schlappe erlitten. Ich konnte thr nicht mehr recht trauen. Zu unserem Garten gehörte etwa 1/4 ha Acker am Ufer des Mühlgrabens. Das Flußbett lag etwas höher am Rande eines Hanges. Am Ufer des Mühlgraste. nden Kopfweiden, sie legten sich schräg über das Wasser, daßfcann von ihrem Kopf aus an das andere Ufer springen konnte. Haselnußsträucher, eine Eberesche, ein Ahlkirschstrauch, zwei Eichen, Erlen, Birken und ein wilder Birnbaum hatten immer eine Anziehungskraft für Kinder. Am Ufer oder im Wasser schwebend fanden wir Enten und Gänseeier Alle zwei Jahre wurde das Wasser des Mühlgrabens abgelassen, um die verschlammten Stellen des Flußbettes zu räumen, denn bei dem trägen Lauf des Wassers setzte sich viel Schlamm ab. In den ganz seichten Pfützen blieben dann Krebse, viel kleine und darunter auch sehr große Tische zurück. Dann wurde von Kindern und Erwachsenen eifrig gefischt Ich hatte als Achtjähriger in einer seichten Teichpfütze eine 50 cm lange Anlraupe gefangen. Sie sah einer Schlange ähnlich. Der Mutter graute und sie mochte sie nicht schlachten. Ich setzte sie voi unserem ffof in den Mühlgrabens Als 2 Jähre später der Mühlgraben abgelassen wurde, fing ich die alte und 4 Junge, die auch schon wieder 50cm. lang waren.

An meine Großeltern kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich kenne sie nur von einer Photographie her, die in der guten Stube hing. Darnach war der Großvater groß und hager, die Großmutter war klein. Sie hat auf den. Bilde eine Bänderhaube.

Volksschulzeit
Mit 6 Jahren ging ich nach Friedland, Oberschlesien, in die Volksschule. Sie war sechsklassig. Der Schulweg betrug 2 km. Die ersten Tage ging ich mit meiner Schwester Anna, die schon das 8. Jahr zur Schule ging.

Die Lehrer waren: Rektor Zimmermann, die Lehrer Eisner, Hannich, Jäger, Eckert, Ringel. Der Lehrer Jäger des 2. Schülerjahrgangs war sehr gefürchtet. Die übrigen Lehrer mäßigten sich mit Prügelstrafen. Bei jedem Lehrer lag der Rohrstock im Schrank oder Katheder bereit. Die besseren Schüler erreichten die Abschlußklasse ein Jahr eher und so saß ich in der Abschlußklasse nicht wie normal 2, sondern 3 Jahre.




Die Lehrer der Volksschule in Friedland. Links der Lehrer Eckert. Dieses Bild wurde mir für diesen Bericht liebenswerterweise von seinem Enkel Wilfried Eckert aus Bissendorf zur Verfügung gestellt.




Der Mutter Wunsch war, daß ich Lehrer würde. Mein IdenH. war es nicht sIn unseren Knabenherzen stand arer als "Arschpauker"oder Steißtrommler" nicht sehr hoch.
Der Besuch einer Oberschule war meiner Muter zu teuer. Wenn ich also zur Schule wollte, dann konnte es nur das Lehrerseminar sein. Als mich der Rektor fragte, ob ich Lust hätte, zu werden, antwortete ich notgedrungen:" Ja. " Ich ging also Jahr zum Lehrer Eckert nach Friedland in die Geigenstunde etwa 1 Monat in die Klavierstunde. Meine Mutter scheute sich, ein Klavier zu kaufen, und so fehlte die Gelegenheit, zu üben. r der größte Fehler. Ich war sehr wenig musikalisch und auf dem Klavier kann ein Unmusikalischer mehr erreichen als auf der Geige. nem guten Zeugnis fuhr ich mit dem Hannich Max und dessen
dem Lehrer Hannich aus Friedland, zur Aufnahmeprüfung im :tenw Wagen oder "Plauwagen" nach Zülz 15 km von Friedntfernt.

In den Osterferien ging die Reise los. Der Tischler Holfmann. Friedland y hatte einen Schrank und eine Bettstelle sowie Stuhl, dunkel poliert, gefertigt; der Bauer Hiller tan, kam sinem Kastenwagen vorgefahren. Die Mutter bracht e einen inck, emen Reisekorb mit Kleidern und Wäsche dazu. Ich kletmit dem Vater auf den Wagen. Wegen der Leute, die herumstaden, schämte ich mich, deputier zum Abschied die Hand oder gar Kuß zugeben. Das hatte ich inden 14 Jahren niemals geübt,) brachte ich es erst recht nicht vor den Zuschauern fertig. Mutter war darüber ungehalten. In Friedland wurden ilc und Bettstelle dazugeladen.

Landleben

Der Roggen wurde in der Wassermühle zu Ranisch gemahlen. Ich fuhr als Knabe mit denn ich mußte die Kühe halten, während abgelairde. In einigen Tagen wurde das Mahlgut abgeholt. Jeäcs
versuchte ich etwas von der Mühleneinrichtung zu besichtigen. Ihle stand an der Straße am Ende des Dorfes Ausgang nach
an. Das Wasser stürzte über ein Wehr etwa 8m tief hinunter Hullgraben war von der Falkenberger Steine in Rennersdort lardsdttrf)abgezweigt worden. Er betrieb die Mühle in Ren3rf, ;1 km weiter die Holzmühle, 2km weiter die Mühle in RAsdann die Mühle in Friedland, Floste usw. Diese Mühlen
von deutschen Siedlern angelegt worden. Der Müller hieß rt. ER hatte 80 Morgen Acker und Wiese. Der Mühlgraben floß a durch seinen Hof. Er war durch zwei gemauerte Brücken über t. Im Dorfe gab es noch X 6 weitere hölzerne Brücken, wifes sich die einzelnen Bauern gebaut hatten, um den Mühlgra— a überqueren. In seinen Wellen wimmelte es von Enten und n., badeten die Kinder. In den Sommerabenden wuschen sich die Erwachsenen den Staub der Ernte ab. Die Frauen knieten auf
Holzrost über dem Wasser und schweiften die Wäsche. An eine breiten, flachen Ausbuchtung des Mühlgrabens ritten die Söhne mit ihren Pferden ins Wasser, um dieselben zu waschen. nter, wenader Mühlgraben unter einer Eisdecke lag, holten die Frauen auch regelmäßig das Wasser zum Kochens Wir Kinder n mit Schlittschuhen den Mühsligraben entlang unter allen en und Stegen hindurch bis nach Friedland und nach der entgegengesetzten Richtung bis zur Hozmühle. Rodeln eignete sich prächtig der hohe Steilhang ider Nähe Wassermühle. Langers Garten war nicht umzäunt. Da sausten chlitten Steil hinunter und liefen auf Hannichs Fischteich In Winter, wenn ein maihoher Schnee lag spannte einer der
n seinen Kastensschlitten an und fuhr uns Kinder zur Schule
i der Mühle auch am Wasser lag die Erbscholtisei. Zu ihr gehörten 3p 150 Morgen Acker und Wiese. Am Mühlgraben ragte schmal zweistöckige "Iiehmi s t "(Lehmhaus) empor. Es war von unten ;um Dachfirst aus Lehm, der nur schwach mit Stro durchwirkt)as Bach war doppelt, unten ein Lehmdach, darüber hing erst t richtige Dach mit Sparten, En. tten und Dachziegeln. Die Tür ius Eisen. Anstatt der Fenster waren nur s"hmale, ziegel— Öffnungen. Im Erdgeschoß wurden Pf erdegeschirre. Sättel und Riemenzeug für Pferde aufgehängt, geräuchertes Fleisch Wurst, Brät, Mehl, Eier, Kuchen usw. aufbewahrt. Auf der Treppe ging es auf den Getreideschüttboden. Das Lehmist war immer Lossen. Es war nicht angebaut sondern stand für sich allein teil stand es mitten im Hofe. Meiner Zeit gab es noch ein laltenes und benutztes Lehmist in der Mühle, bei Rinke, Ertelt, Michalke Josef, Michhalke Albert und Kinne. Das Lehmist lersicher und konnte nicht abbrennen.

Ranisch hieß in der Mundart nur "Ronsch". Das kommt aus dem Slawischen Runschka. Auch einige Flurnamen sind slawischer Herkunft, z. B. "Scharnteich" (schwarzer Teich, kein Teich mehr sondern eine moorige Wiese), die "Rude und der Rudeteich" (Ruda=Eisen).

Die anderen Flurnamen sind deutscher Herkunft: Die „Wustnie" (wüste Äcker, wo einmal Häuser gestanden hatten, die durch Krieg
sst Wüstenei wurden),

das Fluder (Flutwehr wurde bei Hochwasser auch zuletzt immer gezogen, damit der Mühlgraben das Dorf nicht überschwemmt. Das Fluder war eine Schleuse 1 km flußaufwärts).

Die "Pforte" (eine Furt, flußaufwärts des Dorfes, wo die Heuwagen durch den Mühlgraben fuhren),

"Beigraben" (ein Graben zum Ablassen des Mühlgrabens begann am Fluder),

die "Beibrücke" oder "Schwarze Brücke" (Holzbrücke
über den Beigraben, Anschließend sumpfige Wiesen),
die "Hofewiesen" (Ranisch soll zu einem Herrensitz in Klein-Schnellendorf gehört habn.

Das "Hofehaus" soll Spindlers Wohnhaus gewesen sein). Der Stillestand (ein Verbindungsarm zwischen Mühlgraben und dem alten Lauf der Falkenberger Steine an der Grenze zwischen Ranisch und und Rennersdorf, wo das Wasser still stand, weil es kein Gefälle hatte),

die "Grenze" (der alte Lauf des Steinauflusses, welcher die Grenze zwischen den Wiesen der Gemeinde Ranisch und der Stadt Friedland bildete,

der "Viehbig" (ein sehr breiter Viehweg en der Feldmark Ranisch und Friedland, auf welchem das Gemeindevieh zur Weide auf das Brachfeld getrieben wurde),

das "Lehmloch" (eine tiefliegende Wiese am Ausgang nach Schnellendorf, der Lehm zum Häuserbau gestochen wurde),

das "Hirtenhaus", welches nach dem ersten Weltkriege verschwand, stand in der besagten Lehmgrube und war für den Dorfhirten bestimmt),

die "Mühlteiche" (etwa 8 Morgen Wiese, die mit einem Damm umgeben war und der Fischzucht diente),

das "Wasserbett" (eine auf Pfählen
ruhende Wasserrinne über den alten Steinelauf zum Bewässern der herrschaftlichen Wiesen),

die "Irmerlache" und die "Langerlache" (tiefe Wassertümpel im Lauf der Falkenberger Steine).

Im Liber fundationis des Bistums Breslau wird Friedland 1223 zum ersten Male erwähnt. Deutsche Kolonisten dürften also bereits 1200 nach Ranisch gekommen sein. Deutsche Kolonisten siedelten nach deutschem Recht. Der Lokator oder Gründer des Dorfes wurde Erbschulze. Er erhielt das Recht, eine Mühle und ein Gasthaus zu betreiben. In Ranisch lagen Mühle, Erbscholtisei und Gasthaus nebeneinander. Der Name "Schulze" und "Gerichtsleute" waren bis zuletzt im Gebrauch.

Die Kinne Bauernwirtschaft hatte noch ein altes Backhaus. Es stand 50 m von der Scheune entfernt nach dem Felde zu. Das war eine alte Vorschrift aus der Zeit Friedrichs des Großen zur Verhütung von Bränden. Der große Backofen wurde auch nach jedem Backen als Flachsdörre benutzt. Pur uns Knaben war es an verregneten Sonnig ein beliebter Ruheort. Die um das Backhaus stehenden Sauerkirschbäume lockten nicht nur die Stare an.

Im Sommer legten wir uns in die Erbsenfelder und labten uns an den saftigen Schoten. Im Herbst, wenn die Bauern ihr Vieh durchs Unterdorf auf die Wiesen trieben, beschäftigten wir uns mit Jagd und Fischfang. Mit Ästen oder Stangen bewaffnet machten wir Treibjagd durch Busch und Wald. Hasen flüchteten ins Freie, Rehe sprangen über uns hinweg. Ermüdet lagerten wir uns um ein Feuer.

In der Karwoche zogen die Knaben mit Schnarrradwern und Hozklappern durch das Dorf. Bei jedem Kreuz wurde gebetet. Am Karfreitag erhielten die Teilnehmer Pfefferkuchen, gebackene Birnen oder getrocknete Apfelspalten.

Im März wurde der Tod ausgetrieben. Zwei Knaben wurden in eine Strohschütte eingepackt und durchs Dorf auf die Wiesen getrieben. Sie wehrten sich mit einer langen Rute. Draußen wurde das Stroh verbrannt. Als der Herzog Miesko im Jahre 1000 sich taufen ließ, soll er den Befehl gegeben haben, alle Götzenbilder zu verbrennen oder in den Sumpf zu werfen
Damit begründeten einige diesen alten Brauch.

Am frühen Morgen des Ostermontag gingen alle Knaben spritzen. Jeder füllte eine aus Holunderholz gefertigte Spritze mit Wasser r und jagte hinter kleinen und großen Mädchen her, um sie zu baden, bis er ein buntes Osterei erhielt.
Auf einen Sonntag im Herbst fiel die Kirmes. Mit Schweinschlachten Streuselkuchen, Mohnkuchen, Quarkkuchen, Apfel- und Pflaumenkuchen, Kaffee, Bier und Schnaps wurden die Verwandten überreichlich bewirtet. Ganze Berge von Kuchen mußten die Gäste mit nach Hause nehmen. Im Kretscham begann nachmittag der Tanz für das junge Volk. Das war immer ein Familienfest.

Am Pfingstmontag strömte alles Volk nach dem Städtchen Friedland. Um 2 Uhr war der Ausmarsch der der Schützengilde in ihren grünen Uniformen mit x Festwagen und der Hoheiselschen Stadtkapelle, Dem Zuge voran schritt der Feuermann mit der Schießscheibe. Der Festplatz war in der £ SEx tiefen geräumigen Schlucht am Windmühlhügel. In einer Nebenschlucht war der Scheibenstand aufgebaut. an Als Kugelfang diente der Windmühlberg. In den zahlreichen Buden wurden große Pfefferkuchenherzen und Torten verlost. Alle möglichen Verkaufsstände, warme Knoblauchwurst und warme Wiener mit Semmel, Bier und Kaffee wurden von dem Volk mas umlagert. Abends nach dem Einmarsch war Tanz in mehreren Sälen. Das Preisschießen der Schützengilde wurde am Pfingstdienstag fortgesetzt, bis der Schützenkönig ermittelt war.



Alte Ansicht von Friedland

Kindheitserlebnisse

Im ersten Schuljahr nahm ich das Wort des Lehrers als unbedingte Wahrheit. Aus der Geschichte von Adam und Eva entnahm ich, man dürfe keine Äpfel im Garten abreißen, sonst würde man von Gott bestraf Als ich in der Schule von Wundern hörte, betete ich gleich, Gott möge doch ja die Scheibe, die ich im Küchenfenster ausgeschlagen hatte, wieder ganz machen. Ich ging öfter sehn, ob sie schon ganz sei Als Zweijähriger lief eir(weites Stück am Mühlgraben entlang. Da kam mir ein großer, schwarzer Hund entgegen. Erschreckt lief ich zurück zur Mutter und schrie nur immer: "Krauses Hund, K kohlporz in
der Esse gehangen!"
Bier habe ich nur einmal zu kosten bekommen bei einem Leichenschmaus. Ich konnte es nicht trinken, es war mir zu bitter. Der süße Likör schmeckte mir sehr gut.

Rauchen habe ich als Fünfjähriger unter dem Schuppen, wo das Stroh lagerte, mit spanischem Rohr probiert, aber mir wurde sehr übel, und ich rauche auch heute noch nicht.
Als Sechsjähriger hackte ich mit der Sichel Maisstengel in einen Korb. Dabei schnitt ich mir den ganzen Nagel vom linken Daumen weg. Er wuchs aber sehr gut nach. Am meisten begeisterte uns das Militär. Zu meiner Schulzeit rückte das Feldartillerieregiment 57 aus Neustadt, Oberschlesien, Truppenübungsplatz Lamsdorf zum Scharfschießen. In Ranisch, welches 24 km von Neustadt entfernt war, wurde für 1 Tag Quartier bezogen.
Am nächsten Morgen sollte die Batterie (6 Geschütze) weiterrücken. Um 6.30 standen wir Schuljungen auf der Straße vor der Mühle.
Der Abmarsch verzögerte sich aber und wir kamen anstatt 7 Uhr erst um 8 Uhr in die Schule. Ich war in der "2. Klasse bei dem bösen Jäger. Da gab es sofort Schläge auf den Hintern. Am 1. September jeden Jahres begannen die Herbst-manöver. Da gab es allerhand Einquartierungen, InfanteriesArtillerie, in Kavallerie (Ulanen, Dragoner, Husaren) Pioniere und Train. An einem Kaisermanöver waren S größere Truppeneinheiten beteiligt.

Überschwemmung

Jedes Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze war Hochwassergefahr. Das Hochwasser brachte aber den Häusern keine Gefahr, denn das Dorf lag nicht am Flußlauf der Falkenberger Steine, sonderni km entfernt. Der Mühlgraben aber, der durchs Dorf floß, wurde bei Hochwasser durch Flutwehr abgelassen, so dass die größte Wassermasse durch den Beigraben ablief. Das Hochwasser trat auch im Sommer ein bei anhaltenden Regengüssen fn einer Sommernacht, als schwere Gewitter niedergegangen waren, rauschte es auf einmal- im Hofe. Das Wasser des Mühlgrabens war da, wir immer Wasser schöpften über das Ufer geströmt, das Ufer zerrissen. Im Hof ein Grafien A ausgewühlt, die flache Jauchegrube mitgenommen, so lief den Mühlgraben die Dorfstraße hinab auf die Wiesen! Mein Vater lief Mitten in/der Regennacht zum Müller. Derselbe lief zum "1km entfernten Flutwehr und etwa eine halbe Stunde später War die Gefahr beseitigt. Das Ufer wurde sofort ausgebessert.
Bei den sommerlichen Hochwassern standen die Wiesen und Wiesenwege unter Wasser. Das Wasser strömte iri die Dorfstraße. Wir Knaben legten alte Türen oder Bretter vom Kastenwagen aufs Wasser und ruderten fMit ä fangen davon.
1902 hatte das Hochwasser die Zollbrücke in Friedland überflutet. Das war eine Holzbrücke, welch über den Steinaufluß führte. Die Fuhrwerke, welche nach Lamsdorf fuhren, mußten hier anhalten und Zoll entrichten pro Kuh10, pro Pferd 15 Pfennig. Hinter der Zollbrücke standen der schwarzweiß gestrichene Schlagbaum und das Zollhaus. Nach Schulschluß Meten alle Jungen zu der Zollbrücke. Das Wasser war Inder Nacht durch Blickes Hof gelaufen, hatte 2 Holzstöße mit fortgerissen, war in den Kuhstall gedrungen. Die Kühe wurden eilig gerettet, die Kaninchen ertranken. Als wir auf der Brücke standen kamen Wagenbretter, Holzstämme, Bänke, Fässer, tote Schweine, tote
Rehe kamen in den Fluten geschwommen; auf einem schwimmenden Heu-y. häufen saß ein Hase. Die hölzerne Brücke war stark angeschlagen. Sie wurde im nächsten Jahre gebaut und trug das Wappen der Grafen Pückler- Burghaus.
Als in den enßiger Jahren die ersten Fahrräder aufkamen, fuhr der Drechsler Eichhorn aus Friedland mi-t seinem Wundertier, das Vorderrad 1, 60 m hoch, das Hinterrad ganz klein, beide mit Vollgummi, nach Neiße. Als er in der Nacht zurückkam, stürzte er über den geschlossenen Schlagbaum am Zollhaus und war auf der Stelle tot.
In Friedland war ein Totengräber Broda. Er fütterte seine Schweine mit Leichen. Einmal kam ein Nachbarskind in sein Haus und erzählte seiner Mutter, daß des Totengräbers Töchterchen mit der Puppe seines toten Schwesterchens spiele. Die Puppe war dem toten Kinde mit in den Sarg gelegt worden. Bei der Öffnung des Grabes S. stellte man fest, dass der Sarg leer war, man fand verschiedene Beigaben aus Särgen von Toten. Der Totengräber erhängte sich.

Eine Intrige(Ränkespiel)
Der Gastwirt Langer in Ranisch hatte einen Sohn und drei Töchter. Der Sohn sollte einmal das Gasthaus übernehmen. Für die jüngste Tochter Anna Langer hatte ihre Mutter den Josef Michhalke ausersehen. Er war der alleinige Erbe einer Bauernwirtschaft gegenüber des Gasthauses. Die alte Frau Langer begünstigte den Verkehr der beiden S. jungen Menschen in der Absicht, den fetten Bissen zu schnappen. Die redlichen Eltern des jungen Mannes wollten wenig davon wissen. Als das Gefürchtete eintrat und ein Kind in Aussicht war, betrachtete es die Michhalke als große Schande und waren ganz und gar gegen die Heirat. Sie wünschten sich eine anständige Schwiegertochter. Um die Eltern zu beruhigen, ging der BMichhalkd. Zu meiner Schwester einbder zweimal in die Heirat. Sofort kam der Langer Karl hinten herum durch den Garten des Abends geschlichen und täuschte Heiratsabsichten vor. Bei dem nächsten Kirmestanz wurde meine Schwester von der alten Frau Langer genötigt bei der Bedienung zu helfen. Etwa 2 Jahre ging das Spiel. Dann hörte meine Schwester von einer Seite, dass der Iinnger geäußert habe, die heirate er nicht. Da war das Spiel zu Ende. Der Michhalke hat seine Langer Anna nicht geheiratet. Er meldete sich freiwillig zu den Dragonern und diente 5 Jahre. Später heiratete er ein polnisches Mädchen aus Deutsch Müllmen, wie sein Vater
Die Langer Anna heiratete viel später den Schuhmacher Jahn in Friedland.
Meine Schwester hatte als ersten Lier einen Theodor Henkel aus Ranisch, einen hochanständigen Burschen aus Ranisch. Er ging auf die Unteroffizierschule in Marienwerder in Westpreußen. Es war eine reine Jugendliebe. Die Mutter hatte nichts dagegen. Ich war noch in der Volksschule und dachte noch nicht an Zülz. Mit 19 Jahren erhielt sie einen sehr frömmelten Abschiedsbrief. Er heirate gar nicht, er rate ihr auch ins Kloster zu gehen. Das hat meine Schwester tief erschüttert. Der Vater des Henkel war gelernter Brauer und Gastwirt in Ranisch. Er war ein ganz eigenwilliger Kopf bis zu seinem Tode. In die Kirche ging er gar nicht. En hatte 2 Söhne Theodor und Julius. Theodor war der strebsame Unteroffiziersschüler und spätere Zahlmeister. Julius war ein Filou (Taugenichts). Er lernte in der Schule nichts, spielte nur mit seinen Jahrmarktskram, von dem er alle Taschen voll hatte, er war der Verdruß seiner Lehrer. Der alte Plener ä führte ihn durch alle Klassen. Da mußte er seine Raritäten, Papierschlangen, usw. vorführen und rufen: „Ich bin der faule Henkel- aus Honsch!“ Genutzt hat alles nichts. Er hat bei dem Train (Bagage sFuhrkolonne f. Unhr gekient, die väterliche Besitzung übernommen, das Gasthaus kassiert, die Landwirtschaft betrieben und ehrlich gelebt.)

Für das Leben des Theodor habe ich mich interessiert. Als Zahlmeister war er ein sehr religiöser Mann, unverheiratet, so konnte ich es sehen, wennjsr inkjrlauls kams Während des 1. Weltkrieges habe ich seine Spur verloren. Er soll später in Westfalen geheiratet haben. Meine Schwester hatte dann einen Preußner aus Floste-as Er war Schreiner in der Maschinenfabrik Zierz in Iinmsdorf. Das paßte meiner Mutter nicht. Die Schwester sollte, so lange ich in Zülz war, die Wäsche für mich waschen und bügeln. Das war bis 1910. In diesen Jahre heiratete sie den Bauer Josef Langer in Dürr-Kunzendorf bei Ziegenhals. Eine Schulfreundin war dort Hebamme und hatte die Heirat vermittelt. Sie war 27 Jahre alt, als sie heiratete. Solange ich in der Volksschule war, hatte sie in Friedland nähen und bügeln gelernt. Unhr war sie beim Amtsrichter Kleiner in Friedland als Hausgehilfin, um den Haushalt und kochen zu lernen. Als das junge Paar auf dem Amtsgericht Ziegenhals den Kauf abschloß, legte der Vater 6 100 Mark in Geldstücken auf den Tisch. Die Hochzeit wurde im Elternhause in Ranisch ohne Tanz gefeiert. Es war am 14. Februar, eine Kälte von 18 Grad.

Haushalt
Meine Mutter buk das Brot selbst; nur wenn die Feldarbeiten keine Zeit ließen, fuhr eines der Kinder ein Säckchen mit 5 0 Pfund Mehl zum Bäcker Glatzel auf dert Töpfers fräße in Friedland zum Backen von 6 Broten. Am nächsten Tage holten wir die Brote mit der Kadwer ab. Zum Backen benutzte die Mutter einen runden, aus einem Baumstamm gefertigten Backtrog, den wohl schon ihre Eltern im Gebrauch hatten. Der große aus Ziegeln gebaute Backofen wurde vom Hause aus geschürt mit Reisig und langen Kieferscheiten. Mit dem Brot wurde meistens etwas Kuchen mitgebacken. Das letzte Brot geriet gewöhnlich sehr klein. Es hieß "Klebrutel" und war für einen Armen bestimmt. Hinterher wurden im Herbst Birnen abgebacken. Der viel angebaute Mohn wurde nicht gemahlen, sondern gestampft. Der "Mohnstampfer" war ein ausgehöhlter Eibenholzstamm 1 m hoch. Dahinein wurde der Mohn geschüttet und mit feinem hölzernen mit Eisen beschlagenen Kolben gestampft. Gebuttert wurde im Butterfaß. Das dauerte(gewöhnlich 5/4 Stunden. Die Milch wurde nach dem Melken in tönerne Näpfe und Schüsseln gegossen und blieb im x. Keller stehen bis sie "geschlickerfwilr. Mit einem großen Schöpflöffel wurde die gelbe Sahne abgeschöpft. Die "Schlickermilch" wurde zu Bratkartoffeln am Abend gesuppt. idder H heißen Erntezeit wollte mein0/? Mittagessen nichts anderes als eine Butterschnitte und kalte "Schlickermilch" Ständig war ein Leinwandsäckchen mit Schlickermilch gefüllt auf einem Holzrost. Die Molke tropfte in ein Schaff. k Nach einigen Tagen war der Quark fertig. Es gab Schnitten mit Butter und dick Quark daraufgestrichen, Quarkkuchen, Quarkklöße. Kleine runde Käse wurden geformt, an der Sonne getrocknet, öfter gewendet, in einen tiefen Bunzeltopf geschichtet, oft angefeuchtet, gewendet, immer den Topf zugedeckt, um Fliegen fernzuhalten. Nach mehreren Wochen ist er fertig. Er nennt sich gewöhnlich Harzer Käse und wird das ganze Jahr, hindurch gern gegessen. Der Arbeiter trinkt hinterher gern einen Kornschnaps. Jeden Winter wurde zweimal geschlachtet. Preßwürste, Leberwürste, Semmelwürste und Blutwürste und Würstfüllsell. gab es in den nächsten Wochen. Würste, Fleisch und Speck wurden geräuchert, das Fett ausgelassen und die Grieben wanderten in die Pfanne zu den Bratkartoffeln. Hinterher gab es abends gebratene Wurstfülle, gebratene Würste, dazu Pellkartoffeln, sonst Bratkartoffeln und
und Schlickermilchs In mageren Zeiten abends Knoblauchsuppe, Kartoffeln, Butter und Quark. Zu Mittag stand Erbsen-, Reis-, Bohnen oder Einlaufsuppe auf dem Tisch, dazu meist gekochtes geräuchertes Schweinefleisch mit roheurs Sauerkraut, gekochten gebackenen Birnen, Apfelspalten oder Backpflaumen, auch einmal liegelkuchen, Mohntunke, Quarktunke, Buttertunke oder Kartoffeln und Salzhering Sonntags wechselte Gehacktes mit Schmorbraten oder Rinderbraten. Nudelsuppe, GefIiügelf und Gänsebraten gab es seltener. Bier kaum nur ins Haus, wenn etwa einmal vornehmerer Besuch kam. Das Flaschen bay-Pisch hier kostete 10 Pfennig, die Flasche einfach Bier das Liter 5 Pfennig, das einfache Bier stellten sich die Hausfrauen oft selber her aus Jungbier und Hefe. Ein Liter 96%-iger Kornspiritus kostete 90 Pfennig, das gab Iiter Kornschnaps, als Butterbranntwein zubereitet. Wirkte er vortrefflich bei Verkältungen. Zu jedem Schweineschlachten und zu jedem fetten Essen gehörte ein starker Korn.

Landwirtschaftliche Arbeiten
Im Sommer ging es um 5 Uhr in den Stall, zur Erntezeit um 4 Uhr. Füttern, melken, ausmisten, Kühe Putzen, frühstücken. Dann zog das ganze Dorf hinaus aufs Feld, pflügen, eggen, walzen, säen und Kunstdünger streuen mit der Hand. Kleinere Landwirte hatten noch nicht einmal eine Walze, sondern zerschlugen die Ackerklumpen mit einem Holzschlegel. Ackergeräte: Einscharpflug, der Zwei scharpflug, die hölzerne und eiserne Egge, die Schaufel-egge, die Ackermaschine, die hölzerne Walze, die RingeIwalze, der Kultivator, die Sämaschine, das Jauchefaß, kleinere Landwirte stellten 5 oder 4 Heringstonnen auf den Wagen.
Gemäht wurde nur mit der Sense, Mähmaschinen gab es noch nicht. Feldraine und Wegeränder wurden mit der Sichel abgegrast- Größere -«re bechäftigten immer der Reihe nach 5 oder 6 Mäher. Das Getreide lag auf der Erde, wurde gewendet und dann in die Scheune gefahren. Erst 19oo machte es der Bauer den Gütern und stellte die Roggenbüschel in Puppen. Das Aufstellen von Weizen, Gerste und Hafer probierte der Bauer erst später. 1900 hatte jeder gößere und kleinere Bauer eine Göpe3Ldreschmaschine, nur um3a Bettstroh, Stroh zum Dachdecken m zu Strohseilen/für Kartoffel- und Rübenmieten zu erhalten, wurde der Roggen mit dem ßlegel gedroschen. Die Tenne war aus Lehm. Das Stroh wurde ausgeschüttel. t und in Schütten gebunden, von den Körnern das Stroh abgerecht, mit dem. Bolaerwisch die Spreu weggefegt, dann wurden die Körner mit der Wurfmaschine und der Pleuder gereinigt von deifepreu und den Unkrautsamen.

Erntezeit
Die Heuernte und die Getreidezeit sind dauernd vom Wetter bedroht. Meine Schwiegermutter, Johanna Pankalla, erzählt:
Viele Kleuschnitzer hatten Wiesen bei Hennersdorf an dem Neißefluß. Der Bauer x. aus Kleuschnitz fuhr mit dem Leiterwagen mit seiner Frau und dem kleinen Kind auf die Wiese nach Heu(l872). Ein schweres Gewitter steigt auf, der wind erhebt sich. Donner rollen in der Ferne. Die Frau breitet schnell eine Decke hinter dem Heuhaufen auf die Erde, setzt das Kind darauf. Der Bauer kehrt eilig den Wagen um und wirft den Wiesenbaumlangesstarke Stange) über den Heuhaufen, ohne etwas zu ahnen und trifft das Kind, welches auf der Stelle tot ist.
Nach dem 1. Weltkriege ereignete sich etwas Ähnliches in Ranisch. Der Bauer Kinne fährt mit dem beladenen Getreidewagen in die Scheune. Das kleine Töchterchen Xa kommttülm entgegengelaufen, fällt hin, das Vorderrad darüber hinweg, es richtet sich auf und dann wird es vom Hinterrade zermalmt.

Ich war ins Quartier zu der Familie Eichen eingewiesen worden. Der Hausbesitzer war der Klempner (Spengler) Scholz. Herr Eichen war ehemaliger Wirtschaftsinspektor. Seine Frau und die etwa 50 jährige Tochter Helene hielten eine Schülerpension. Wir waren 6 Schüler. In einer kleinen Stube standen zwei Schränke und zwei Selten. In der großen Stube waren 4 Schränke und 4 Betten. Die große Stube war gleichzeitig Studierzimmer. Ein Quartiergast aus der -s. 5. Präparandenklasse machte den Stubensenior.

Zülz
Zülz, Kreis Neustadt, Oberschlesien, war ein altes Ackerstädtchen. Es lag auf einem steil ansteigendem Lehmhügel. Unten floß das Zülzer Wasser, ein klarer Bach. Das Städtchen hatte ungefähr 4000 Einwohner. Es war eine alte Judenstadt, umgeben von einer hohen Stadtmauer. An der höchsten Stelle stand das Schloß. In diesem war das Königliche Lehrerseminar untergebracht. Die Mauern waren meterdick. Die Gänge gewölbt. In den Kellerräumen standen 2 Übungsorgeln, waren Baderäume, Kammern für Gartengeräte. Der Seminargarten war nicht zu groß. Es gab keinen Seminargärtner für die Unterweisung der Seminaristen. Das war ein
Nachteil. Die Präparandenanstalt war in dem gleichen Hofe neugebaut. Jeder Zögling besuchte 5 Jahre die Präparandi e und 5 Jahre das Seminare. Die Präparandenstehrer waren geringer bezahlt. Deshalb waren auch weniger tüchtige Kräfte darunter. Das war nachteilig für die Schüler.

Der Unterricht war von 7-12, nachmittags waren nur Turnen, Musik und Übungsstunden für Klavier, Geige und Orgel und Chorgesang. Während der Präparandenzeit war im Sommer Ausgangszeit von -s. 15-15, 50und von 15,30-18Uhr, um 15-15, 50 war Kaffeepause, von 18-18,30 Abendbrot, von 18,30-19 Uhr Putzstunde, anschließend Studierzeit bis 21, 50, im Winter eine kleine Verschiebung. Sonntag vormittag gemeinsamer Seminargottesdienst, nachher Studierzeit bis 12 Uhr.

Nachmittag mußte auch sonntags die Kaffeepause von 15-15, 50 eingehalten werden, damit nicht etwa ein Präparand in der un-teilten Freizeit zu weit sich entfernt hätte, denn Neustadt war nur 8 km von Zülz entfernt.

In dem Haus des Kirscheras Larisch am Zülzer Ring wohnten wir im Sommer 1906. Wir trugen wegen der Hitze Wurst und Butter in den Keller. Da staunten wir. Von dem Keller aus lief ein 1, 50m hoher Gangfois zur Synagoge, welche in der Judengasse stand. Ein zweiter Gang führte unter dem Ring hindurch. Die Gänge waren nur in harten Lehm gehackt. Ein solcher unterirdischer Gang soll auch vom Schloß ins Freie geführt haben. Während meiner Seminarjahre brach einmal mitten auf dem Ring das Pflaster ein. Ursache war einer der unterirdischen Gänge. In diesen Kellern waren die Warenvorräte der Kaufleute sicher bei Bränden und in Kriegszeiten.

Die meisten Spaziergänge führten auf den Schwedenßerg, 1 km vom Stadtzentrum entfernt. Es war ein Hügel, der ganz steil zum Zülzer Wasser abfiel. Ihn krönte ein tief eingeschnittener Ringgraben und auf der Kuppe ein geräumiger Trichter. Es war im Dreißigjährigen Kriege ein SA Schwedenlager gewesen.

Am Ostabhange des Schwedenberges war der Judenfriedhof. Zülz war eine alte Judestadt, jüdisch hieß sie Wokumzadek. Die Umgegend von Zülz war hügelig, aber außerordentlich fruchtbar. In diesem Raum gingen im Sommer häufig furchtbare Hagelwetter nieder. Mit Ausnahme der Dörfer Mühldorf und Riegersdorf waren die Dörfer der Umgegend meist zweisprachig.

In den Schülerpensionen war das Klima für das Lernen ungünstig. Wenn alle 6 oder 8 an einer langen Tafel saßen, fingen einige an zu erzählen, und so wurde oft die Studierzeit verbummelt, in der Freizeit mußte dann oft im Freien das Versäumte nachgeholt werden. Wie beneideten wir da die in Zülz wohnhaften Schüler. Sie saßen bei ihren Eltern und wurden von niemand gestört. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. besuchte öfter den Baron Tilly Winkler in Moschen. Dort fanden immer große Jagden statt. Bai ffinem solchen Kaiserbesuch fuhren wir mit der Kleinbahn bis Kujau und S sahen den Kaiser am offenen Fenster des Sonderzuges stehen. Nach dreijährigem PräparandBm iebesuch machten wir die Aufnahmeprüfung ins Seminar. Die Seminaristen trugen Schülermützen, der
Unterkursus blau, der Mittelkursus rot, der Oberkursus weiß, alle drei Klassen Godrand. In der Präparandie gab es in jedem Zeugnis Platznummern. Unter 55 Schülern hatte ich immer im Sommer die Nummer 7> im Winter die Nummer 5. An S. fleißige und bedürftige Wurden halbjährlich Stipendien verteilt. Ich erhielt durchschnitlich im Halbjahr 70 Mark.

In dem Mittelkursus der Präparandie saß ein Gastwirtssohn aus Zülz, Otto Heisig, groß, stark, übermäßig dick. Ein 13-jähriges Schulmädchen erwartete von ihm ein Kind. Er wurde sofort von der Schule entlassen.

Ein 15-jähriger Schüler Anton Marschke wohnte bei seinem Onkel in Steinsdorf. Sein Vater hatte eine Farm in Nord-Dakota in Amerika. M. machte die Onanie unter den Schülern bekannt. Er selbst kam infolge des Lasters mit seinen Schularbeiten nicht nach und sein Vater holte ihn bald nach Amerika.

Alfred Hannich aus Ranisch, Sohn des Gemeindevorstehers, starb nach dreijährigem Präparandibesuch an Tuberkulose. Er war sehr schwach begabt und wurde überanstrengt.

Am 20. Januar 1910 legte ich in Zülz die 1. Lehrerprüfung ab. Zum 1. Pebrunr hatte ich meine Lehrerstelle in Pilzendorfi., Kreis Tarnowitz. anzutreten. Die rein deutschen Kandidaten kamen an zweisprachige, die weisprachigen Kandidaten an rein deutsche Schulen. Diese Methode gehörte zur "Germanisation"der zwei sprachigen Ostgebiete«
Pilzendorf, ein Dorf von etwa 1200 Einwohnerfa, lag an der Südspit des Kreises Tarnowitz. Die Einwohner waren alle Bergleute, die meisten von ihnen hatten ein Haus und mehrere Morgen Acker. Am Ort waren 2 Gasthäuser, 1 Bäcker, 1 Fleischer, 2 Kaufläden. Die Schule war vierklassig. Der Hauptlehrer Völkel stammte aus dem kreise Frankffnstein. Er war zugleich Gemeindeschreiber und verwaltete die Darlehnskasse. Die anderen Euehrer waren: Euxa, Kle— patsch und ich. In einer Klasse waren 70-75 Kinder. Von den Schulanfängern waren nur 2 deutschsprachig, die anderens sprachen kein Wort deutschs Der ReligiQ. nsunterricht wurde in deutsch Sprache erteilt. Injiier Kirche wude abwechselnd polnischer und deutscher Gottesdienst gehalten. Bis 1872 wurde ig. derjSchulen deutsch und polnisch unterrichtet, derfeeligionsunterricht wurde in polnischer Sprache erteilt. Bis dahin gab es in Oberschlesien keine polnische Propaganda. Es herrschte tiefer Friede. Erst durch die Germanisations-bestrebungen 3aka; bekam die pol nische Propa. ghda Auftrieb. Heri ölkel nahm mich sofort mit injden katholischen Lehrerverein
nach Mikultschütz. 3& gMiy Mikultschütz war das Nachbar
dort on Pilzendorf, 5 km entfernt, es war Bahnstation nach Beuthens
ersn -sien. Die Versammlung war immer im Gasthaus Pawlik. Nach Beendigung der Vereinssitzung begannjäer gemütliche Teil. Da wurde das Bankspiel gemacht. In vorgerückter Stunde wurden Karten bis 20 Mark gekauft, dann kam das große Los mitf O Mark heraus. Das war s]2]asaiüüCBXKiüa:£mmgxschon unvernünftig.

Z/t
In Mikultschütz war die Donnersmarkhüttengrube, Abwehr grübe genannt. Bei der Anlage des Schachtes stieß man auf Wasser. Da hat man das Wasser erst einfrieten müssen, ehe man weiterbauen konnte. Die Anlage dieses Schachtes kostete 11 2 Million. Mit dem Steiger Kirsch fuhren wir$6 4 Ijshrer in die Grube hinunter zu einer Besichtigung. Eine Soh e war 400m, die andere 800 m tief. Die Kohlenflöze dieser Grube warfin 5-4 m mächtig. Damals Würde die Kohle noch gesprengt und von den Häuernt losgehackt. Die Bergleute erhielten damals Spitzenlöhne. Ein Häuer rühmte sich, daß er in weicher Kohle manche Schicht schon 20 Gold-mark verdient habe.
Als ich im Februnr 1910 das erste Mal nach Mikultschütz kam, wunderte ich mich, daß das Wasser im Gemeindebach dampfte.
Injder Kohlengrube wird nämlich das angesammelte Wasser mit starken Pumpen nach oben befördert und fließt in den Darfbach. Unten in der Grube ist immer einejhöhere Temperatur al-s über Tage, besonders im Winter. Bei. je 50 Grad Tiefe steigt die Temperatur um 1 Grad.
Als ich am ersten Abend zum Fenster hinaus schaute, und lauter Feuerscheine sah, glaubte ich, es brennt. Es waren die aus den Hochöfen schwelenden Flammen.
In den Gruben arbeiteten viele ausländische Arbeiter. In der Nacht waren die Straßen nicht ganz sicher. & 5fis. km von K Pilzendorf entfernt war Hindenburg (Zabrze). Nach Gleiwitz hatten wir Enndstraße 10 km, ebenso weit ungefähr nanh Tarnowitz. In Tarnowitz war eine Bergschule. Sehr schön gelegene waren nicht weit von P. Rokittnitz, Broslawitz im Dramatal. Ich hatte für die 2. Prüfung als Wahlfach Französisch gewählt. Meine französischen Arbeiten waren hinfällig, weil das Wahlfach kurz vor meiner Prüfung abgeschafft wurde. Die 2. Prüfung legte ich an der Schule Pilzendorf im September 1913 ab.

Am 1. Oktober 1913 trat ich beim Infanterie-Regiment 23 (2. oberschlesisches von Winterfeld) in Neiße als Stantseinjähriger ein.

Als Einjährigfreiwilliger hätte es etwa für mich 2 500
Mark gekostet. Das war meiner Mutter zu viel Geld. Ich hätte dann in er Stadt wohnen müssen und mich selbst verköstigen müssen.

Als Staatseinjähriger lebte ich in der Kaserne 5 am Wilhelmsplatz wie die anderen Musketiere. Ich. kam zuerst auf eine Stube mit 12 Mann. Als aber am 15. Oktober die Rekruten einrückten, kam ich in eine Doppelstube mit 24 Mann. Die eisrnen Betten waren dreistöckig. Sie waren mit Strohsäcken und Decken ausgestattet. Jeder Mann hatte ein Spind, eine Hälfte für die Uniform, eine Hälfte mit Fächern für Eßware, Wäsche, Helm usw. Oben auf dem Spind stanid eine tönerne Wasserschüssel und ein tönerner Wasserkrug. Ander Decke hing eine große Petroleumlampe. Große hölzerne Tisch und hölzerne Schemel waren die einzige Ausstattung. Durch die ganze Kaserne ging ein langer Korridor, bei Regenwetter trat die Kompgnie auf demselben an.

Zuerst ging es auf die Kammer Sachen empfangen: Leinwandhemd, Leinwandunterhose, Drillichjacke, Drillichrock, blauer Uniformrock mit rotem Kragen, roten Patten, gelben Schulterklappen mit der Regimentsnummer 25, alle Knöpfe aus Messing, schwarze Tuchhose, Halbstiefell, Schnürschuhe, Lederhelm mit Messingspitze, Reichsadler und Sturmriemen, Tornister aus Kalbfell, ein schwarzer Tuchmantel, Halsbinde, Fußlappen und Socken, Feldmütze, Spucknapf genannt, Kochgeschirr aus Blech, Feldflasche aus Glas in schwarzem Lederfutteral, Trinkbecher Zeltbahn, Zeltstäbe, Gewehr 98, Seitengewehr mit Koppel, lederne Patronentaschen. Die Löhnung war aufgebessert worden von 22 auf 33 Pfennig pro Tag. Davon mußte Putzzeug, Nähzeug, Rasieren und Haarschnitt bezahlt werden. Als Verpflegung gab es früh schwarzen, bitteren Kaffee, zu Mittag Eintopfgericht, abends Kaffee oder Tee, Käse, Wurst, Hering, auf den Mann 750 Gramm Brot. Ich zahlte pro Tag 1 Pfennig zu und konnte zu Mittag im Unteroffizierspeiseraum essen. Da gab es Suppe, Braten, Sose Kartofflen usw.

Die Staatseinjährigen erhielten zusammen mit den Einjährigfreiwilligen die ersten 10 Wochen eine Sonderausbildung. Von da ab machten wir allen Dienst in der Kompagnie mit. In der roten Kaserne (Kaserne 5) lagen 8 Kompagnien. Unten war die Kasernenwache(1 Unteroffizier, 6 Mann, davon 1 Hornist oder 1 Trommler). Im Sommer war um 10 Uhr Zapfenstreich, um 5 Uhr Wecken, im Winter um 9 Uhr Zapfenstreich und um 6 Uht Wecken. Von Zapfenstreich bis Wecken war die Kaserne verschlossen.
Wer herein oder heraus wollte, mußte durch die Wache gehen. Der Zapfenstreich wurde vom Hornist geblasen: "Sodaten sollen schlafen gehn und nicht solang bei Mädeln stehn, der Hauptmann hats gesagt." Beim Wecken wurde geblasen:"Habt ihr noch nicht genug geschlafen?" War nur ein Trommler auf der Wache, dann wurde nur getrommelt. Beim Zapfenstreich wurde zweimal geblasen, um 3/4 10 und um 10. Wer später nach der Kaserne kommen wollte, mußte einen Urlaubsschein vom Kompagnieführer haben.

In den ersten Wochen war der Dienst so ungewohnt und anstrengend, daß sich der Muskelkater einstellte. Von 5-6 nachmitag war fast jeden Tag Gewehrreinigen oder Putz-und Flickstunde. nr Ausbildung gehörteh: Exerzieren, Turnen, Fechten mit Bajonettiergewehren, Esgradieren, Felddienst, Wachdienst, Parademarsch, hrenbeZeugungen und Schießausbildung, auf Schießen wurde der größte Wert gelegt. Schwimmunterricht erhielt nur ein kleiner eil. Am ersten September begannen die Herbstfelddienstübungen n Gelände sa Manöver genannt. Kaisers Geburtstag am 27. Janunr urde mit Partie der gesamten Garnison auf dem Wilhelmsplatz}ge-eiert. Dazu gehörten: das infanterieregiment 25, das Fußartil-erieregiment 6von Di kau, das Feldartillerieregiment 21 von sewitz, die Kriegsschule, der Divisionskommandeur Charles de a-ulieu und der Generalmajor von der Heyde. Zu Mittag gab es bestes Essen und abends einen Kempagnienbend mit Tanz in dem Sanle ies Gasthauses.
c Rekrut Rieger meiner Kompagnie kam einmal von seinem Nachtur-nb sä betrunken in die Kaserne, daß er sich die Kleider xS. Ligemacht hatte. Der Kompagniefeldwebel Rösler ließ ihn im Kelle]
einem der Waschtröge mit kaltem Wasser und Wurzelbürste abrei-
n, damit er von dem Rausch erwache.

Die Kompagnie hatte eine Friedensstärke von 120 Mann. Das Regint 25 rekrutierte sich zu 90 Prozent aus zweisprachigen Oberschlesiern. Im Februar war eines Nachts der Rekrut Kawa verschwunden. Er hat seinen Wachposten mit Gewehr und 5 scharfen Patronen verlassen. Derr Sergant Schönbrunn und der Kammerunteroffizier Iwan machten sich auf die Suche. In Riegersdorf erfuhren sie, daß dort ein Soldat gewesen wäre. Die Spur in Schnee führte zu einer Feldscheune. Bei ner Durchsuchung der Scheune hörten sie ein Schnarchen, das von oben kam. S. stieg vorsichtig eine Leiter hinauf, I. sicherte unten. Da lag Kawa im Stroh und schlief. Neben ihm lag das geladene Gewehr.
S. erst das geladene Gewehr nach unten, dann weckte er Kawa. Als sie unten waren, fragten sie Kawa:" Was hättest du gemacht, wenn du uns gesehen hättest?" "Ich hätte Sie erschossen, war die Antwort. Wenn der Soldat 7 Tage von der Truppe entfernt lieb, so war es Fahnenflucht und wurde mit Festung bestraft. Das war gleichbedeutend mit Zuchthaus und 2. Klasse des Soldatenstandes. Kawa war nur 4Tage von der Truppe entfernt, er erhielt 10 Wochen strengen Arrest. Die Sache war also noch glimpflich abgelaufen.

Im Sommer 1915 ließen sich vor Mannsdorf zwei Soldaten vom Zug überfahren. Das hatte folgende Vorgeschichte:
Der Brigadekommandeur der 24. Infanteriebrigade in Neiße hatte wei Burschen, einen Pferdeburschen und einen Burschen für seine Person. Er schikanierte die beiden in jeder Weise. Frühmorgens prügelte er sie mit der Reitpeitsche aus dem Bett. Die beiden faßten einen Plan. Als er am nächsten Morgen wieder die beiden prügeln wollte!., zogen sie ihre Säbel und zerschlugen ihn mit en flachen Klingen. dermaßen, daß er bewußtlos liegen blieb. ie waren wohl- der Meinung, er müsse tot sein, deshalb liefen iie auf die Eisenbahnstrecke und ließen sich vom ©ppelner Zug [herfahren. Der Brigadekommandeur wurde nach Ostpreußen versetzt, . m. Frühjahr 1915 kamen wir nach Neuhammer bei Sagan in Niederschlesien zum Infanteriescharfsehießen. Neuhammer war ein sehr großer & Truppen-Übungsplatz, wo es endlos viel Sand und Heidekraz }ab. Es war schon reiner Flugsand. [m Mai 1915 hatten wir noch eine Nacht-Übung mit einem Scheinwer-
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Zustand drohender Kriegsgefahr

Am 28. Juni 1914 wurde das österreichische Kronprinzenpaar von einem serbischen Studenten bei einem Truppenbesuch in Sarajewo ermordet. Der Mörder gehörte einer G-eheimarganisation, welche den Mordplan aufgestellt hatte. Die ÖsterreichAsche Regierung verlangte die AusMferung des Mörders. Als die serbische Regierm die Auslieferung verweigerte, erklärte Österreich den Krieg an Serbien.
Am 28. Juli wurde mg ganzen Deutschen Reiche der Zustand drohend« Kriegs-ge hr erklärt. Ich stand gerade als Wachposten beim Stabsquartier des Divisionskommandeurs -


or dem Stabsquartier des Divisionskommandeurs war ein fabrikähn-iches Gebäude mit langen Reihen h von hofeen Wandschränken, i-g. n den Pächernidieser Schränke lagen die Mobilmachungsakten. Jetzt ing es an, in diesen Hallen lebendig zu werden. Ganze Bündel-ona. ktitHx Akten wurden durch Ordonnanzen herausgetragen. -m 2. August war Mobilmachung. Ein Offiziei und ein Hornist er-ichienen vor dem Rathaus. Nach einem Ho-rnsignal verlas der Offizier S die Mobilmachungsorder. Ja. des jahr im Frühjahr und im hHerbst anden Kontrollversammlungen statt, wozu jeder ehemalige Soldat zu irscheinen hatte. Nach diesen Kontrollen berichtigte loder änderte i-as Bezirkskommando seine Stammrollen. Jäder ehemalige Soldat erhielt darauf sEine Mobilmachungsorder. Darauf stand z. B. Der Jnteroffizier Josef Seifert meldet sich am 5. Mobilmachungstag bei der Sanitätskompagnie 2e in Neiße im Restaurant "Zur Erlo-lung" um 9 Uhr vormittag. Mein Bruder hatte diese ©rder injseinen Kilitärpaß einzuklebena und die alte Order zu verbrennen. Als Die Mädax Mobilmachung verkündet war, ä. hatte ei sich am 5. Mobilmachungstag in Neiße um §: 9ühr in der "Erholung" zu melden. Dort hing schon an einer Tür die iftufschritt "Schreibstube der Sanitätskompagnie 20. Ein Kompagnie-feMwebel. und ein Schreiber aren auf dieselbe Weise am gx 2. Mebilmachungstag eingetroffen. Jniformen und Ausrüstungsstücke wurden von den Bekleidungskammern der Bezirkskommandos abgeholt. In Neiße, wurden in den Mobilmachungstagen 66 000 Mann eingekleidet. Dfi?Inchricht von der Mobilmachung wurde von den Soldaten freudig auf genommen, als finge jetzt ein neuels Leben, an. Jeder erwartete abenteuerliche Pahr-ten in fremdeländer,. jeder wallte dabeisein.
Es war Aleymbereitschaf t, unabgemeldet durfte keiner die Kaserne verlassen. Ich ging aber doch in die Stadt zu meiner laute Wimmer auf der Zollstraße. Als ich zurückkam, war ein Antreten gewesen, und das Donnerwetter vom Feldwebel Fuchs brach los:"Du Schwein, Dir werde ichs beibringen. Morgen früh um 4 Uhr mar-säshierst du mit 2 Mann nach Mösen 3 5 km von Neiße und holst 56 Pferde, 6¥agen und 10 Ersatzreservsten ab!" Ich marschierte am 5. August19U nach Mösen mit zwei Mann. Dort hatte eine MusterungI von Pferden und Bauernwagen stattgefunden. Wir übernahmen am späten Nachmittag S? Pferde und Wagen, & spannten an jeden Wagen 2 Pferde, hängten ;je4 Pferde an einen Wagen, auf jeden Wagen einige Reservisten und fuhren Inder Abenddämmerung los. unter den Pfer-1 den war ein Hengst. Der kletterte hinten in einen Wagen, sodaß diel


inner (Schuster und. 3chneider)hera, ussprangen. Inp-er Nacht kamen Lr mit dein Iransport durch Ottmachau, ein altes Städtchen. Auf ?m Ring rißsich ein Pferd los und galoppierte durch die Stadt. sr Nachtwächter half es auffangen. Nach kurzem Aufenthalt fuhr Le Kolonne weiter. G-egen Mitternacht kamen wir an Davidshöh, 2 n vor Neiße vorbei. Dort hatte die Feld-artillerie 21 aus Neiße Lieger-abwehrgeschütze auf ge stellt. In kurzer Entfernung von der Straße donnerten sie plötzlich los. Durch das Mündungsfeuer und en Kanll wurden alle Pferde wild. 6 Pferde rissen sich von ihren tricken los und stürmten auf der Straße in die Stadt Neiße. Gegen Morgen waren sie wieder aufgefangen und standen vollzählig auf dem Wilhelmsplatz. Gegen 10 Uhr vormittag kam erst ein Kommando der Feldartillerie und nahm uns die Pferde ab. Damals sah die Bevölkerung überall Gespenster. Man sperrte da und dort die Straße mit Wagen.

Angeblich sei ein Auto unterwegs it einem Goldtransport ins Ausland. Da nahm man verdächtige Personen als Spione fest.
Die Geschützbedienung bei Davidshöh hatte in der sternenhellen Nacht auch Gespenster gesehen und 2. "feindliche Flieger" geschosen, die nicht da waren.

Am 2. August rückte die 6. Kompagnie aus und kam mit Eisenbahntransport nach Mettlach im Sanrgebiet zur Sicherung der Eisenbahn, Ihsere Kompagnie machte jeden vormittag einen Marsch in den neuen itiefa. n. Nach Rückkehr PußappeIS- und. ftventucll Umtausch der Stiefel so lange, bis alles klappte.
"eden Nachmittag ging es auf die Kammer äußern Boden der Kaserne.)a wurde die &a-e erste Garnitur ausgegeben:alles nagelneu, £ eidgraue Uniform Neue Helme aus. Beder mit otoffüberzug, Stiefel
mii
und Schnürschuhe ungefärbt aber Zweäken, "2ünterhosen, 2Hemden, ? Socken, Feldmütze, Mantel feldgrau, Tornisteraus Kalbfell, Seitbahn grau, Zeltstäbe, Kochgeschirrlaus Aluminium, Feldflasche aus Alumini um, Koppel mit Patronentaschen, 1 Eisrne Portor Kilo-grammdose mit Schweinefleisch oder Rindfleisch, 1 Beutel-mit Zwie-back 1 Büchse mit Bosnnftnkaffee, 1 Beutel- mit Salz), 2 Verbanpack-chen, Erkennungsmarke, Soldbuch, 150 Stück scharfe Patronen. Die
Seitengewehre kamen in die Waffenmeisterei zum Schleifen. Am 6. August abends wurde der Rest des2. Bataillons, die 5. s7.
und S. Kompagnie mit Bataillonsstab und Pahrzeugen und Pferden
verladen. Den ganzen Nachmittag herrschte ein Höllenlärm mit Trommeln und Klappern und Singen, eine Hochstimmung.

Ausgang war für alle gesperrt. Abends 8 Uhr marschierten wir zum Bahnhof, Fahrzeuge und. Pferde waren schon am Nachmittag verladen worden, sodaß nur die Soldaten einzusteigen brauchten. Wir fuhren in Güterwagen. In jedem Wagen 6 Pferde oder 48 Hann. Iri[den Wagen standen Bänäe it Rückenlehnen gegeneinander gestellt. Vor den Wagentüren waren nerstangen. Bei Tagesanbruch fuhren wir schon durch Liegnitz. Die Transportzüge rofciten in Abständen von einer halben Stunde nach dem Westen. Überall ein begeistertes Winken. In Dresden drängten sich viele aus Neiße gebürtige Zivilisten an den Zug. Von Thüringen hatten wir den Eindruck von einem anmutigen mit Obstbäumen bedeckten Hügellande. Am schönsten war die Fahrt durch die Weinberge des Maingaues Kulmbach, Frankfurt, Mainz. Über Saarbücken ging es nach Merzig, wo wir in der Nacht ausgeladen wurden. Wir marschierten nach Luxemburg. Die Luxemburger hatten die Eisenbahngleise an der Grenze aufgerissen. Der Schaden war durch unsere Pioniere in kurzer Zeit behoben. Die 66 Gendarmen Luxemburgs konnten keinen Widerstand leisten. Für etwa entstandene Schäden und für Einquartierungen wurden die Luxemburger reichlich entschädigt. Das kleine Luxemburg war neutral. Seine Bewohner sprachen zum größten Teil deutsch. ein kleiner Teil an der Westgrenze Französisch. In Luxemburg stellten wir schon Vorposten auf und kontrollierten die durchfahrenden Autos. Am 14. August marschierte das ganze 6. Armeekorps Korpskommandeur Genersi von Pritwitz an der Kirch der Stadt Luxemburg vor-bei. Der Vorbeimarsch des ganzen Armeekorps dauerte von 6 Uhr früh bis 12 Uhr mittags. Wir Kamen durch Arlons tin Luxemburg. Etwa am 16. August überschritten wir die luxemburgisch-belgische Grenze. Die Grenzbewohner erzählten, vor 2 Tagen wären 2 französische Ulanen anher Grenze gewesen, sie wollten aus den Deutschen "chourcoute"(Sauerkraut) machen. auf belgischem Gebiet waren kilometerweit die Straßenbäune gefällt und lagen quer über die Straße. Pioniere kamen mit Motorsägen. Die Infanterie marschierte neben der Straße durchs Feld. Am 16. August erschien ein französischer Flieger über der 8 Vorlarschstraße und warf kurze Eisenpf eine herab, aber ohne Erfog.
Dann erschien ein deutscher Flieger, die beiden beschossen sich in der Luft mit der Pistole.
Im 18. August kamen auf Bauernwagen die ersten französischen Verwundeten und Gefangenen vorbei. Am 18., August J uhr unsere Feldartillerie plötzlich links der/"ormarsdhs fräße hinter einem langgestreckten Hügelrücken in -8 -Stellung. Unser Bataillon entfaltete sicn, ri. h. dieJKompagnien
z?
)gen sich auseinander,. jede in ihren Gefechtsstreif en. Nach einiger Zeit hieß es, der Feind sei zurückgezogen, das Bataillon biwaJcier ir die IMacht in seinem Gefechtsstreifen. Die Küchenleute req. ui-Lerten in den Dorfe einen schlachtreifen Bullen. Das wilde Tier rannte seinen Begleitern davon und ließ sich nicht mehr fangen. 3. legte einer der Soldaten sein @ewehr auf den vor ihm haltenden j. sreißer an und "beim ersten Schuß fiel er zu Boden. Auf freiem Felde ausgeschlLachtet m und in vier Teile zerlegt, trugen die äche jeder sein Viertellzu seiner Feldküche. Für die Nacht wurden Zelte aufgeschlagen.

Am nächsten Tage marschierten wir bis Neufchatenu(Neuche. tenu), ein leines Städtchen in Südbelgien. Hier hatte am Vortage das 8. rmeekorps(rheinische) ein Gefecht gehabt. Von mehreren Geb äu-en wehte die Rote Kreuz-flagge. Auf der Straße lagen tote Pferde niformstücke und Tornister französischer Soldaten. Die Fenster nd Türen der Häuser waren geschlossen. Das Gasthaus am Eingang es Städtchens war m ausgebrannt. Davor s lag ein totes Pferd ines deutschen Ulanen und ein erschossener Zivilist. M an erzähl e, 2 der Gastwirt habe den deutschen Ulan aus dem Hause heraus rschossen. Daraufhin sei das Gasthaus angezündet worden und der. erauskommende Wirt erschossen worden. Es w.. r schon Mittag gewor-en. Am Ausgang des Städtchens stellte diejKompagnie Vorposten, uf und quartierte sich intien Häusrn ein. Die Bewohner waren in. en nahen Wald geflüchtet. Die Häuser waren verlassen. Das Mit-
;agessen stand unberührt auf dem Tisch. Von den Sodaten -mochte
-BeWoh iief/ liemand etwas essen, weil sie meinten, die belgischen Kotinten es
ergiftet haben. Um so mehr durch-wühlteen die Soldaten die ichränke und Schubladen und ehe jemand einschreiten konnte, lagen fäsche und Kleidungsstücke auf dem Pu-ßboden umher. Sie suchten reld. Keiner konnte etwas mitnehmen, denn susx. nächsten Tage ging
s in las erste Gefecht. Nach einigen Stunden kamen die ersten Zivilisten zögernd aus ihren Verstecken im Walde zurück. Sie aben an, sie häten sich gefürchtet. Sie waren entsetzt über die iurchwühlten Sachen. Im letzten Hause nachjder Feindseite lag der Jnteroffizierposten der 5. Kompagnie. Am Abend schickte mich ier Hauptmann Weber mit 2Mann auf der Straße 1 km vor als stehende ?atrouille& («Spähtrupp), wir legten uns im Straßengraben auf die [inuer. S Espieß, die Franzosen hätten sich zurückgezogen. Aflf ganzen Front der Vorpostenlinie des 2. Bataillons fielen andauern Schüsse. Die Truppe hatte nasch nicht die Feuertaufe erhal-ten und somit fieberte alles« Es herrschte starker Nebel. Imjschwachen Win-


rauschten die Zweige. Die Tautropfen raschelten von den Bäumen Sträuchern. Wennjsich die Zweige bewegten, 8 schienen sich füllen zu bewegen. Wir fielen demallgemeinen Fieber zum Opfer
zogen uns über die Wiesen neben der Sma Straße zurück. In Dunheit und Nebel- plumpsten wir in einen Bach, schöpften die ätie-
vollX Wasser und kühlten unsere Erregung etwcs ab. Der Unter-izierposten rief uns an& ; S. "Han. tweÄda- Parole!" Trotz unser wort;"SAint Privat!" St schoß er sofort drauf los, ffi hat aber mand getroffen. Nach der Meldung, daßjauf der STraße äGeräusche
hören seien, &. schickte uns der Hauptmann wieder vor. Ein Ulan «
t in einiger Entfernung hinter uns, um eventuell schnelle PIel-g zurückzubringen. Erst mit Tageshelle hörte allmählich die ner-e Schießerei auf.
6. Armeekorps gehörte zu der Armee des Kronprinzen von£ Preu-. Am Morgen traf die Meldugng ein, starke französische Kräfte hten einen Flankenangriff. DEr Armeestab des Kroprinzen sei egriffen wofden.
6. Armeekorps änderte sofort dem Vormarsch nach Westen und schierte nun Süden, um den gefährlichen Angriff auf die deutsch" nke abzuwehren. Die Gegend war sehr waldig. Das 2. Bataillon te in der Nacht Vorposten gestellt. Es marschierte heut an letzstelle. MÜnsere Kompagnie war zugweise aufgeteilt und in die onne der Felänrtillerie verteilt. Eine Ulanen-patrouille erhiell en Auftrag, zu erkunden, ob der große Wald und das dahinterlie-de Doff Rossignol vom Feinde frei sei. Die Patrouille der Glei-zer Ulanen ritt durch den Wald hindurch und kam in das Hon interliegende Dorf Rossignol. Vor dem üasthause stie g einer. Da erhielten sie plötzlich Feuer. Ein Reiter war tot, die sren S. galoppierten zum Dorfe hinaus wieder durch den Vald meldeten:. -Das Dorf Rossignol ist vom Feinde besetzt, der Wald vom Feinde frei. "
3 jüngste Regiment der Divisionmmjiäxxx das Infanterieregiment aus Brieg marschierte anjder Spitze. Der Leutnante, welcher & Spitze führte ging mit seinen Soldaten im Straßengraben. a brüllte ihn der Major Jahn an, was ihm einfalle, er müsse der Straße gehen, um die Leute zu schonen. Als das Gros des Lments auf der Straße marschierte, bekam es vonjallen Seiten r. Es war aber kein Feind zujseiten.

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l hieß Axs es:"Seitengewehr aufpflanzen und. den Wald. durch ämp-n, " d-ie Franzosen s. ßen auf den Bäumen mit Maschinen-gewehren id. hatten sich auf den Bäumen festgebunden. Sie hatten die Rciter-patrouille nicht "beschossen und das Feuer erst eröffnet, als die ifanteriekolonne auf der Straße marschierte, ohne zu wissen, was ir drohte. Auf französischer Seite kämpfen das 1. und 2. Koloninl -sgiment.
s war der 22. August 1914. Unsere Fcldartillerie konnte nicht u. s dem Walde heraus, denn die Franzosen hielten den Waldausgang nter Maschinengewehrfeuer und Artilleriefeuers Die Pioniere alten Wege durch die Büsche gehauen, nun schlepptien die Kanonie-e ihre Geschütze ohne Pferde aus dem Walde heraus. Sie griffet n äen Kampf ein.
Als wir an die Überfallstelle kamen, lag der Straßengraben voll toter Franzosen. Das waren die, welche von den Bäumen geschossen hatten. Einen Franzosen hatten die Pioniere an einen Baum gebunden, er hätte sich totgestellt und dann hinterrücks wieder geschossen. Sie wollten ihn auch zuletzt erschießen. Wir lagen jetzt die Kompagnien zugweise geschlossen im Walde und warteten auf unseren Einsatz. Die französischen Infanterie -r und Maschinengewehrgeschos 30 pfiffen durch die Äste der Bäume und surrten als Querschläger über unsere Köpfe. Ab und zu schlug eines der verirrten Geschosse auf unsere Tornister, denn wir lagen flach am Boden, um ein kleines Ziel zu bieten. Musketier Holeczek traf eine französische Kugel neben mir in die Brust. Der Sanitäter machte seine Brust frei. Da steckte die Kugel nur mit der Spitze im Fleisch. Sie wurde herausgezogen und die Wunde zugeklebt. Das Geschoß war von weit her ausgelaufen und hatte keine Durchschlagskraft mehr. Unsere 98ger Gewehre trfcugen 4 400 m. Das Regiment 157 hatte bei dem Waldkampfe 1OOOm Mann Verluste, darunter 250 Tote. Das Regiment 25 schwärmte nun in ti-ie vordere Linie ein, um den Angriff weiter vorzutreiben. Ich wurde zum Bataillonsstabe, Major Graf von Keller Kommandierte Am Waldrande stand der Brigadekommandeur Generalmajor von der Heyde. Er fragte den Major: "Was kommt noch hinter uns?" "Nichts. "antwortete der Major. "Wir sind die Letzten. ?) "0 Weh!", seufzte der alte Afrikakämpfer-".
Zwei von vorn kommende Soldaten gingen am Brigadekommandeur vorüber. Er fragte sie: "Wohin wollt ihr?“ Wir haben die Nase voll“, gaben sie frech zurück. Als sie zwei Schritte hinter ihm waren fielen einige Pistolenschüsse. Der Generalmajor hatte die beiden umgelegt, nnx in der vordersten Linie seine Kameraden im Stich zu lassen, Feigheit vor dem Feinde und der Ausreißer konnte von jedem Offizier auf der Stelle niederschossen werden. wa um ;$ Uhr Nachmittag S. schwärmten die 25ger in die vordere Linie -der 157ger ein. Ich lag mit dem Bataillonskommandeur auf dem Geländerücken 200 m vor dem Dorfe Rossignol. Auf dem Felde stand der Roggen in Puppen. Die französische Artillerie empfing uns mit. tendem Schrapnellfeuer. Die Granaten kamen angeheult und spritzten bei der Detonation in geringer Höhe die etwa 500 Baileikugeln. einem Strahlenkegel auf den Feind. Französische Soldaten schossen aus den Häusern am Dorfrande. Auf den Wiesen rechts der Straße. ng das 1. Bataillon verstärkt durch Schwere Maschinengewehre
der Maschinengewehrkompagnie Die französischen Maschinengewehre schossen ganz langsam, Btwa wie ein Wecker tickt. Unsere schweren Maschinengewehre ratterten in der Minute schon ihre 500 Schuß heraus. Als der Major merkte, daß der Widerstand im Dorfe üh nachließ sah er auf seine ;/und ließ blasen: Seitengewehr aufpfl-an-n! Das Signal ging durch die vordere Linie der ganzen Division. e vordere Linie pflanzte das Seitengewehr auf schoß, was sie nur)nnte. Nach einer längeren Pause, während a-ls rückwärtigen Truppen LchH vorarbeiteten, gab der Major den Befehl: "Zum Sturm blasen!" j. f der ganzen weiten Front bliesen die Hornisten aller Kompagnien:
Geht langsam vor, geht langsam vor, geht langsam und bedächtig, -vor, vor, vor! Die Trommler schlugen ununterbrochen. Die Hornsignale auf einer 2 Front von mehreren Kilometern zu hören war ein erhebender Eindruck und erfüllte jeden mit neuem Mut, weil- jeder merkte, alle auf der weiten Front stürmen netzt auf den Feind. Wir
stürmen nicht allein. Dem Feind nahm da s Gefühl der Sicherheit
und erschütterte seine Widerstandskraft. Die Franzosen intien Häuser r-a Dorfrandeii. ließen die Tornister liegen und waren verschwunden.
4it aufgepflanztem Seitengewehr und schußbereitem Gewehr ging es äurch das Dorf. ä Die Zivilisten steckten verängstigt in A ihren Häusern, nur der alte, weißhaarige Dorfpfarrer ging durch die Straßen. Französiche Soldaten hatten das Dorf geräumt, nur französische Sanitäter waren In der Schule sim Estaminetfi (kleines Gasthaus) und Schloß, auf welchem die Rote Kreuzflagge wehte. Wir tarnen ins ;ewerk, das noch unter feindlichem Feuer s lag, nur eine alte Frai i. ein alter Mann schritten über den Hof, beide verwundet. Es wurde r immer noch geschossen. Ba gab ein Leutnant der 9. Kompagnie i Befehl;. Häuser durchsuchend" Wir gingen durch alle Räume, durch-;hten die Betten, der Franzose mußte mit dei petroleumlampe voraus den Keller gehen. Anles umsonst. Das Schießen geht weiter.
3 können nur Franktireure (Zivilisten sein), so glaubten die Sol-tiäu er ten. Also hieß es : " Häuser anzünden. " Das Durchsuchen der/ffcTrre]:
a meisten nicht geheuer. Ein Bündel Strohsund das Haus brannte. e Bewohner stürzen heraus. Eine junge Frau mit einem kleinen Kin-
auf aem Arme sieht o-ie blanken Bajonnette der o&ldaten und hlägt ohnmächtig zu Boden. Das nächste Haus brennt, das Vieh im alle fängt an zu brüllen. Es verbrennt mit, die Soldaten rufen:
ört auf, das Vieh verbrennt!" Das Schießen geht weiter, ßie &
Kompagnie kommt an die Parkmauer. In Park sind Franzosen. Keiner n den Soldaten will über die Mauer. Da sagt der Ljeutnant Schulz, n Jüngling wie Milch und Blut:"Hebt mich hoch!" In der rechten, nd die Pistole, in der linken Hand den Degen, wehrt er sich gegen. e Franzosen. Er erhält einen Streifschuß am linken Arm, sein Fg kommt nach, der Park wird im Sturm genommen. Das Schloß im Park. standen Franzosen als itf Lazarett eingerichtet. Das Rote Kreuz ward von den deutschen Soldaten respektiert und das Lazarett nicht treten. Als ich mit Soldaten der 9. Kompagnie zum Parkeingang kora-1 liegt vor dem Eingang ein totes Pferd. Man ruft mir zu;" Im irk sind noch Franzosen! Es kribbelt mich, doch endlich mal an ien Feind zu kommen. Ich schleiche durch die Büsche. Da höre ich Afen: "Hilfe deutsche Kameraden, Hilfe! i$" Ich renne über den Park-sg in jder Richtung. Da erhalte ich einen Schuß in den rechten Oberschenkel, das Rufen verstummt. Al-s hätte ich einen Schlag mit inem Knüppel erhalten, stürze ich hin, Ceine Schmerzen, aber das echte Bein ist gelähmt. Auf allen vieren krieche ichjan die Park-auer heran und klettere x darüber. Auf der Straße adidie Park-auer gelehnt, das geladene Gewehr in der Hand, bleibe ich sitzen. in Sonneck aus Pilzendorf, deiti-eicht verwundet ist, kommt vorbei. ch über-, schaue das tiefliegende & Dorf und das Gelände bis an en durchkämpften WaSd von Rossignol. Aus dem Walde kommt eben in geschlossener Zug mit entfalteter Fahne hervor. Auf einmal
annhftn

. ichen an der Parkmauer eine Reihe französischer Käppis auf und ließen auf den aus dem Walde marschierenden Zug. Eine Abteilung r Grottkauer Feldhaubitzen kommt aus dem Dorfe heraufgefahren an der Parkmauer entlang. Die Käppis verschwinden, um sich nicht zu verraten. Kaum ist die Artillerie vorbei erscheinen die Käppis sder an der Mauer sum zu schieioen. Ich konnte mir letzt denn, woher die iP fortwährenden Schießereien kamen. s Feldhaubitz-abteilun fuhr hinter dem Park aufs Feld. Die französische Artillerie, die bis zuletzt den Rückzug gedeckt hatte, fuhr gerade auf der hochliegenden Straße ab. Links und rechts der Straße waren tiefe Böschungen, zum Teil auch steile Hänge. s war der rechte Augenblick. Die Grottkauer fuhren sofort in Peuer eilung. Die ersten Granaten lagen vor der abfahrenden Kolonne. e Pferde stürzten, sprangen wild durcheinander. Die Straße war verstopft. Die Soldaten suchten Deckung im Straßengraben. Im rkungsfeuer der Feifcdhaubitzen 10, 5 wurde die ganze Kolonne zusammengeschlagen. Geschütze undPferde türmten sich in wirrem euela übereinander. 800 tote Pferde mußte der Bürgermeister von ssignol igi den nächsten Tagen begraben lassen, denn es verbreite—
sich in curzer Zeit ein fürchterlicher Gestank. r Tag des &et Gefechtes von Rossignoll war ein Samstag. Als es dun— Ite, kroch ich über die Straße in einen gegenüberliegenden Stall. s dann die 5. Kompagnie ins Dorf zurückmarschierte, rief ich sie. Auf einer Zeltbahn nahmen sie mich mit bis in das Estaminet in il Mitte des Dorfes. Da lingen lauter venwundete Franzosen und nur ei Deutsche. Wir lagen auf dem £ blanken Fußboden wie die Heringe nebeneinander. Hinter mir lag ein Bergmann aus Rybniklin Oberschlesien. Ein Granatsplitter hatte ihm die Brust zerrissen, er stöhnte und phantasierte von seiner Frau und verstarb kurz dar— f. In dem Estaminet wimmelte es von französischen Sanitätern. Sie brachten hin und wieder einen Trinkbecher Tee oder eine Marmeladeschnitte. Das war ihre ganze Arbeit. Mein Bein hatte ich mit dem rbandspäckchen selbst verbunden. An den schwer verwundeten Bergmann legten sie keine Hand an. Draußen im Dotfe ging die Schießerei die ganze Nacht hindurch. Man erzählte, das Pferd des Hauptarms sei wild geworden und durch die Gewehrpyramiden hindureh— rannt. Am Sonntagvormittag begann wieder eine wilde Schießerei r HHSKmxunserem Estaminet. Die Kugeln schlugen afif unseren. Fußboden/auf. KlazxxBtaxaüäfxx Wir trugen die Estaminetmuttel, was was da los sei.
Sie antwortete: " 0 nix, Äroplan. " Gleich darauf kam der Kompagniefeldwebel Riedel von der 6. Kompagnie durch das Estaminet gestürmt und antwrtete uns nurikurz :" Die Schweine haben geschossen, wir haben sie erwischt. " Die roten Bindenwurden ;yanan«fci-5 ö s". to t abgenommen und sie kamen nach Arlons in Luxemburg vors Kriegsgerich Ich wurde jetzt der Sicherheit halber in die Dorfschule gebrachts Dort lagen französische und deutsche Verwundete zusammen auf Stroh. Deutsche Sanitäter hatten die PflegeDie Franzosen ri5fen immer:
"dem lenu, "(Wasser)! Die deutschen Verwundeten erzählten uns:
" Hier kamen am Samstag französische Soldaten herein, sie zerrissen eine rote Decke und hefteten sich ein rotes, Kreuz auf den Arm, lachten und gingen hinaus. Sonntag nachmittag wurde ein schwerverwundeter französischer Hauptmann in die Schule gebracht. Er hatte sich 9 mit 9Soldaten im Schloß, das die Rote Kreuzfingge trug, verborgen und in der Nacht undsonst geschossen. Auf einer Wiese vor dem war der HauptverbaEndplatz eingerichtet. Unter großen Zelten war das Feldlazarett, v/o eilige Operationen ausgeführt wurden. Obgleich die Front schon Weit vorgegangen war, Pfiffen am Kontag noch immer Kugeln über den Hauptverbandsplatz. Bei den deutschen Sanitätern war der Jesuitenpater Frie "drich Muckermann. Ihm hatte der 2 französische Dorf farrer erzählt: 2 S. "Heu"tfhaben die Deutsch/zwei meiner besten Leute erschossen. Sie sollten faststellen, wieviel Pferde zujbegraben. sr-ir-n. Si wurden von deutschen Ulanen angerufen. Man hielt sie für Leichenfledderer. Sie blie-ben nicht stehen, sondern liefen davon. Sie wurden von den Ulanen erschossen.
Die Schwerverwundcten wurden zuerst abtransportiert. Die anaeren kamen in Bauernhäuser. Wir lagen6 Mann in einer Bauernstube auf Stroh. Mitten Inder Stube war eine Falltür, die in den Keller xP führte. 2 STufen tiefer kam man in den Kuhstall. Der Kuhstallgeruch drang indie Stube. Ta-ge nach meiner Verwundung inng es mit großen Autos nach Arlons zum Bahntransport. In Scherfede in Westfalen wurden wir ausgeladen. b. x Wir kamen in ein Dorfkrankenhaus
mit Klosterschwestern. Vor uns. lag der Teutoburger Wald. Deifc[a-
me des Dorfes ist mir entfallen. Die Verpflegung war damals sehr gut. Neu waren die süßen Suppen und Sosen. Sonntags gab es auch V/i Id. Wach etwa % 4 lochen war die Wunde Verheilt und ic h kam nach Heiße zum Ersatzbataillon.


Das Drama von Rossignol

Nach dem 1. Weltkriege kam die Kriegsschule sowohl die von Paris als auch die von Brüssel alle zwei Jahre nach Rossignol, um den Verlauf eines Bennungsgefechtes an Ort und Stelle zu studieren. Deutsche Stabsoffiziere haben uns darüber Vortrage gehalten. Der Nachfolger
des greisen Dorfpfarrers aus dem Jahre 1914 ist der Pfarrer Josef Hubert geworden. Er hat die Berichte der Dorfbewohner gesammelt. Ehemalige Offizere, Unteroffiziere und Soldaten haben ihm ihre Erlebnisse vom 22. August 1914 mitgeteilt. Er hat alles zusammengefaßt in einem Buch mit dem Titel "Les Drames de Rossigol". Ich habe mir das Buch gekauft, um die französische Ansicht über das damalige Kampf geschehen kennen zu lernen.

Dem schlesischen 6. Armeekorps standen 2 französische Armeekorps gegenüber. Der Flankenangriff auf die Kronprinzenarmee war abgeschlagen. 4500 Gefangene blieben in deutscher Hand. Der Feind setzte seinen Rückzug fort. Als am 5. Tage nach dem Gefecht das Schießen im Dorfe nicht aufhörte, wurden alle Männer des Dorfes auf einer Viehkoppel zusammengetrieben. Sie wurden nach Arlons in Luxemburg in Viehwagen transportiert, um vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Der Major von Heringen sagte:" Wir haben keine Wagen zu einem Transport nach Deutschland, die werden alle erschossen. 108 Zivilisten aus Rossignol und 8 aus dem Hachbardorf wurden reihenweise an den Bahndamm gestellt und abteilungsweise erschossen. Der Jüngste war 17, der Älteste 81, auch 2 Frauen waren darunter. Der Pfarrer des Dorfes fürchtete sich vor der Bekanntgabe. 2 Stunden nach der Exekution traf ein Telegramm des Kronprinzen ein:" Keine Erschießungen mehr ohne Kriegsgerichtsverhandlung! Als der greise Pfarrer nach 2 Monaten die Nachricht bekannt gab, brach in der Kirche ein lautes Weinen und Schluchzen aus.

Im Jahre 1940 hatte ich Gelegenheit an einem Sonntage die Kampfstätte von 1914 zu besuchen. Auf einem Soldatenfriedhofe nahe der Straße, aber mitten im Walde ruhen 250 Angehörige den Infanterieregiments 157 aus Brieg in Schlesien. Auf der anderen Seite der Straße
liegt der französische Soldatenfriedhof mits etwa 150 Gräbern. Im Estaminet des Dorf es, in dem ich die erste Nacht als Verwundeter zubrachte, erzählte man mir, daß nur ein Bursche im Dorf zurückgelassen wurde, welcher buckelig war.

Die beiden Koloninlalregimenter 1 und 2 hatten viele Fremdenlegionäre. Sie waren kampferfahren im hinterhältigen Buschkrieg. In einer tiefen Sandgrube hinter Rossignol nahmen Neißer Pioniere einen französischen General gefangen. Weinend fiel er dem Pionieroffizer um den Hals und sagte, 16 Gefechte habe er in Afrika, mitgemacht und hier geratet er beim ersten Gefechte in Gefangenschaft. Die französischen Soldaten waren angewiesen, sich durch die deutschen Kampflinien durchzuschlagen und besonders die Stäbe hinter der Front zu beschießen.

2 Monate nach dem Gefecht hatten sich im ganzen 200 französische Soldaten über die belgische Grenze nach Holland geflüchtet. Die Gräfin von Tintigny hielt 8 sodaten versteckt. Der Lehrer von Rossignol schreibt, er habe sich in einem Backofen versteckt. Ein franfösischer Soldat schreibt, er habe nach dem Gefechtstage hinter einer Feldkapelle gelegen. Deutsche Ulanen hätten auf der Straße ein französches Maschinengewehr auseinandergenommen. Das hätte ihn so in Wut gebracht, 2 daß er sie unter Feuer nahm. Unteroffizier Künzel von der 5/23 erzählte mir, er hätte am 22. August den Autrag gehabt, mit seiner Gruppe den Divisionsstab zu decken, welcher auf einem Hügel, stand. Der Divisionsstab erhielt andauernd Feuer. In der Schußrichtung lagen auf einer Wiese verwundete Franzosen. Sie hatten keine Waffen. Unteroffizier K. hatte die Verwundeten zu durchsuchen.

Als der Divisionskommandeur von neuem Feuer erhielt, gab er den Befehl, die Verwundeten auf der Wiese zu erschießen. K. gab erregt an;„Ich möchte das in meinem Leben nicht mehr tun. Bei dem Gewehrknattern kann niemand unterscheiden, ob das Geschoß aus 500 m Entfernung kommt oder aus viel weiterer Entfernung. Ich habe die Schützen an der Parkmauer gesehen und weiß, wer die Heckenschützen waren. Diese "Partisanen tätigkeit der Soldaten brachte die Zivilbevölkerung in Gefahr. Etwa 8 000 Zivilisten sind während des l. Weltkrieges in Belgien unter dem Verdacht der Heckenschützen (Franktireure) erschossen worden.

Ahnliche Fälle wiederholen sich in allen Kampfgebieten. Im April 1945 während der letzten Kampftage erschossen die Russen in Fuchsferg/Plieschnitz an der Südspitze des Kreises Falkenberg O.S. 30 Männer aus den Reihen der Flüchtlinge, weil angeblich ein russischer Offizier erschossen worden sei. Unter den Erschossenen war ein Gabriel aus Kleuschnitz. Er ging an zwei Krücken und war ein Schwager der Johanna (Neumann) Pankalla, die auf dem Nördlinger Friedhofe ruht.

Unteroffizer Loch der 5. Kompagnie 25 hatte im Walde von Rossignol einen Querschläger eines Infanteriegeschosses erhalten. Bieser hatte ihm die Lunge zerrissen. Er lag ausgeblutet regungslos am Bo. den. Die deutschen Sanitäter gingen an ihm vorbei, weil sie ihn für tot hielten. Die ganze Nacht lag er, ohne die geringste Bewegung ausfüh—
t
ren zu gönnen. Er sah den Mond durch die Bäume schimmern« Sonntag vormittag begannen die deutschen Sanitäter mit dem Begraben der Toten. Als ä sie ihm die Erkennungsmarke abnehmen wollten, sahen sie, daßjsr die Augenlider bewegte. Sie verbanden die S fünf mark s tue k— große Wunde und brachten ihn ins Feldlazarett. Trotzdem er ganz ausgeblutet war, kam er mit dem Leben davon. Ein halbes Jahr später traf ich ihn in Neiße, wo er mir iämnxsein Schicksal erzählte. Er war im Zivilberuf Postbenmter.
Ein Soldat von 157 erzähltd mir im Lazarett, er war im Walde von RcBssignol, am Bein sehr schwer verletzt, in einen Bach gestürzt und im Schlamme stecken geblieben. Es war niemand da, der ihm aus dem kalten Bach geholfen häte. Mehrmals £ kamen Franzosen an ihm vorbei. Jedesmal stellte er sich tot. Der Arzt sagte ihm;rl Ein Glück, daß da, s Bein so lange im kalten Wasser lag, sonst Wäre Brand eingetreten. "
In dem Buche "Los Drames de Rossignifal konnte ich Fälschungen feststellen. Während derPfarrer dam&. la -in -b, di3 IIänner wären auf den Anruf nicht stehen geblieben, hieß es im Buche, die Ulanen hätten "Kehrfbefoxilen, damit es so aussähe, als wären sie auf der Flucht erschossen worden.
Von dem Treiben der französichen Sanitäter wird in dem Buche geschwj gen. Es ist auch nichts zu lesen von einem Hauptmann, der mit 9 Mann sich im Lazarett verbarg und von da aus seine Schießereien hinter der Front organisierte. Dieser Mißbrauch des Roten Kreuzes war nur möglich, weil die Deutsche so hach achteten, daß es ihnen gar nicht in den kam das als Lazarett eingerichtete Schloß zu durchsuche Daß oadaten hinter der Front lustig weiter kämpfen, war für Deutsche undenkbar, für Franzosen war es leicht, weil sie in ihrem lande waren und bei ihren Lands leuten jede Unterstützung fanden.


3 lege s Stimmung
Im lazarett verfolgten wir eifrig den Vormarsch unserer Truppen in Frankreich. Wir hatten nur eine Sorge, der Krieg könnte zu Ende gehen, ohne änß wir dabei wären. In Neiße sollte ich als Schreiber zum Bezirkskommando. Ich wäre dann nie mehr ins Feld gekommen, denn das Bezirkskomma. ndo wechselt sein Personal während eines Krieges nicht. Ich se. gte aber dem Oberstabsarzt, da. ß ich wieder ins Feld will. Noch etwa ein Viertelj-ihr mußte ich hinken, weil der Nerverletzt war.
Als Unteroffizier hatte ich Truppen mit auszubilden. Alsm ich wieder richtig laufen konnte, meldete ich mich freiwillig ins Feld. Ich habe von da an Tagebuch geführt. Wenn ein Bogen väll war, einen Gruß darunter und als Feldpostbrief an die Eltern geschickt, damit nichts verloren geht. Leider sind alle diese Briefe heute bei den Polen. Ich muß alles aus der Erinnerung schreiben. Die Daten kann ich deshalb nur ungefähr angeben, manche Namen sind
mir entfallen. Lorettohöhe Etwa am I. Juli 1915 kam ich bei der 5. Kompagni ejde s Infanterie-re-giments 25 a, n. Leutnant Kattner war Kompagnieführer, Schönbrunn Kompagniefeldwebe]!. Es waren alles Bekannte von meinem ersten Diens, ] ahr.
Am meisten wunaerte ich mich über die Verpflegung. Als ich das erste Mal mit in A Stellung ging, gab es gekochten Schinken, Schokolade, saure Bonbons, Zigaretten, Zwieback und Fleischkonserven. Esjwar die sogenannte Großkampfverpflegung. Die Soldaten nannten es. Henkersmahlzeit.
Es ging in die Stellung an der heißumkämpften Lorettohöhe, Welche i3 damals in der Handtier Franzosen war. In den späten Nachmittagsstunden fuhren wir mit Lastautos biso-n die Stadt lens. Es ist eine
Industriestadt., m finsterer Nacht ging es im Fußmarsch nach
Angres. Das war ein völlig zerschossenes Dor£. Die Kohlengrube die ses Ortes lag still. Die beiden Fördertürme ragten noch unbeschädigt in die Luft. AmDorgfrand begannen die Laufgräben. W, g des andauernden Gewehrfeuers mußten sie benutzt werden. Das war in der Finsternis ein Stolpern und Stürzen über Telefondrähte eingeschossene Grabenstellen, über im Laufgraben herausragende Wurzeln, Bretter und Balken. Der dicke Landsturmmann Fe?st, ein jüdischer Student blieb an einer schmalen Stelle hängen. Vom ersten Graben

za
Von der vordersten Stellung -her trommelten die explodierenden Handgranaten und stiegen ununterbrochen weiße Leuchtkugeln hoch,. um das Gesände zwischen dem deutschen und dem französichen Schützengräben abzuleuchten. Wir lösten eine Kompagnie vom Regiment 25 ab. Vor uns lagen die Schwarzens Die Franzosen hatten ront-stellen, wo sie angreifen wollten, meistens Neger eingesetzt. Als diejrrste Nacht vorbei wars S. hien-ten wir vorsichtig Umschau. Vor unserem Schützengraben lagen noch Leichen von Negern unbeerdigt Sie waren schon in Verwesung übergegangen. Die feindlichen Schützengräben waren 200m, an anderen Stellen 5QO m entfernt. An einigen Stellen hatten die Feinde Sappen vorgetrieben. Unser Schützengraben war etwa mannstief, Unterstände gab es nur für den Kompagnieführer und den Zugfürer, Aber nur splittersicher. Als der Kompagnieführer Leutnant Biedermann mit uns in STellung ging, sagte er zu Feldwebel; Schönbrunn:& "Ich gehe heut gar nicht gern in Stellung, ich habe eine böse Ahnung. " Am ersten Tage schlug eine Granate seinen flachen Unterstand zusammen, er war tot. Um 11 Uhr des ersten Tages begannen die Franzosen mit der Beschießung unseres Grabens. Die französischen Geschütze schössen von der Lorettohöhe aus uns direkt in die Flanke, weil unsere Stellung weit vorgeschoben lag. " Von 11-15 Uhr hagelten die 18 cm-Granaten auf unseree Graben nieder. Es- waren Steilfeuergeschütze. Die Granatenjsteigen höher als 2000 m und kommen in sm steilem
Bogen herunter. Jede Granate sieht man in der Luft als großen achwarzen Punkt herabkommen. Das Fauchen in der Luft ist mehrere Sekunden zu hören. Niemand Weiß, wo die Granate einschlagen wird, so daß es qualvolle Sekunden sind. In der Ungewißheit zieht sich der Körper zu-sammen, die Nerven sind aufs äußerste angespannt. Beim Einschlag wird die Erde Ac erschüttert. Der Graben stürzt ein, A auch wenn der Einschlag einige Meter vor dem Graben oder hinter ihm liegt. Wir hatten uns nur Kaninchenlöcher in die Hinter-oder B Vorderwand des Grabens gebuddelt, um wenigstens vor Splittern sicher zu sein. Als eine Granate nahe am Graben einschlug stürzte. mein "Kanickelloch" ein und ich zuckte nur mit Kopf und Oberkörper her aus, um nicht verschüttet zu werden. Bei einem der nächsten Einschläge sahen wir nach dem nächsten "Kanickelloch", in welchem 4 Soldaten hockten. Sie waren vershüttet, sodaß die Stiefe3inur herausragten. Wir gruben sie sofort heraus mit verein-


ten Kräften. Die drei ersten kamen heraus, fahlgelbe Gesichter und zitternd m am ganzen Körper. Der vierte war schon erstickt« Manche liefen während der ganzen Beschießung im Graben aufgeregt hin und her. Ich xblieb in meinem "Kanickelloch"kauern und betete den Rosenkranz. Das machte gefaßt und ruhig. h Nach der Beschießung legte ich mich auf der Grabensohle lang hin, um wieder zu Kräften zu kommen. Von 18-19 Uhr kam der Abend-segen
;
So nannten wir die letzte Beschießung des Tages. m In der Nacht wurden die Schwer verwundeten zurückgeschafft und die eingeschossenen Grabenstellen ausgebesserts Verpflegung nach vorn zu bringen, x war bei der lebhaften feindlichen Artillerie-fäfc tätigkeit nicht möglich. Wir lebten von der Eisernen Fortion. Mit Hartspiritus konnte sie warm gemacht, werden. Wir bieben immer nur drei Tage im vordersten Graben. Während dieser Zeit haben wir ganz wenig gegessen, sondern fast nur getrunken, denn der starke Leichengeruch verdarb jeden Appetit. Die Leichen, dieklicht hinter dem Graben verscharrt worden waren, wurden durch Granaten wieder herausgerissen. Sox ragte aus der hintaren Grabenwand hier ein Stiefel, dort der in Verwesung übergegangene Arm eines Toten heraus. In der heißen £ Julihitze ging die Verwesung sehr schnell.
In drei Tagen der vordersten Ste3ilung hatte die Kompagnie 27 Tote.
Kurz vorher, ehe ich bei der5. Kompagnie eintraf, wurde die 7. Kompagnie 25. nach heftigem Trommelfeuer von den Schwarzen angegriffen und Platte 75 Tote. Die Neger hatten mit ihren feststehenden Messern allen Verwundeten die Hälse durchgeschnitten. Unteroffizier Neumann, ein Lehrer riegelte damals den Graben der 5. Kompagnie ab, indem er sich unerschrocken mit Hand granaten gegen die den Graben aufrollenden Neger verteidigte. Die Verluste bei diesen Kä-jampfen waren so groß s«feil die deutsche Taktik anjier starren Verteidigung festhielt, w m Verluste eintraten, wurde der Graben wieder aufgefüllt. Jeder Meter Boden sollte gehalten werden, als ob davon der Ausgang des Krieges abhinge. Erst Ludendorf hat 1916 die bewegliche Kriegführung eingeführt.
Arras
Von der Lorettohöhe ging es in die Gegend von Arras. 1915 war der große Vormarsch inK Rußland. Die Westfront war deshalb nur schwach besetzt. Sie hatte nur die Front zu verteidigen. Sie hatte nur unzureichend Artillerie und mußte mit unition sparen. Die Franzosen benutzten diese Lage, um in einer großen Offensive die schwache deutsche Westfront zu durchbrechen. Im Osten wurden große deutsche Siege erfochten. Im Westen konnte der Heeresbericht keine Erfolge melden. Scherzhaft sagte man: "Im Osten stürmt ein tapferes Heer, im Westen kämpft die Feuerwehr. "
Im Stellungskampf an der Westfront klügelte man immer etwas Neues aus. Die Franzosen trieben von ihren Gräben aus Sappen vor. Ihre Sappeure trieben unterirdische Stollen vor. Damit wollten sie die deutschen Gräben in die Luft sprengen. Auf deutscher Seite taten die Pioniere dasselbe. Gegenseitig horchten sie sich ab. Die Köpfe der Stollen füllte man mit Dynamit. Wer zuerst sprengte, quetschte den anderen ab. Die Orte, vor denen die die vorderste Stellung verlief, waren Loos, Hulluch, La Bassee, Montauban, St. Albert, Amiens, Arleux.

In der Stellung vor Hulluch stand vorderste Posten der Kompagnie in einer Sappe, als die Franzosen sprengten. Seine Mütze flog indie Luft. Er hielt sich an dem Gleis einer Feldbahn fest, welches über dem Graben lag, sonst wäre er verschüttet worden. Von großen Sprengungen blieben Trichter zurück, in die man ein Haus hineinstellen konnte. Bei großen Angriffen begann der Feind mit einem heftigen Trommelfeuer. Während des Trommelfeuers erfolgte die Sprengung. Unter der Feuerglocke ging die feindliche Infanterie zum Angriff vor. In der Gegend von Hulluch und La Bassee reihte sich ein Sprengtrichter an den ändern.

Arleux

1915 war das Dorf Arleux einige Zeit unser Ruhequartier. In dem Dorfe war ein Schloß mit einem größeren Park. Der Besitzer hatte wegen des Krieges das Schloß verlassen. Sonntags fand in dem Park immer Feldgottesdienst statt. Unter den hohen Bäumen gedeckt gegen Fliegersicht stand der behelfsmäßige Altar. Der Divisionspfarrer celebrierte, zwei Soldaten als Ministranten, die Regimentskapelle von 25 begleitete mit ihrer Blasmusik die Choräle. Von der etwa 10 km entfernten Front donnern dieKanonen herüber. InderLuft kreisen Beobachtungsflieger. Die Gedanken lösen sich von der Erde, in der Kommunion streben sie ihrem Gölte entgegen. Die Anwesenden treten geschlossen zum Tisch des Herrn.


Wegen der vielen Kopfverletzungen wurde der Stahlhelm an der Westfront eingeführt. Er schützte gegen Granatsplitter, Handgranatensplitter und herabfallende Erdklumpen.
In Stellungskrieg ersann man immer neue Nahkampfmittel. Das erste waren die Stielhandgranate und die Eierhandgranate. Dann bauten unsere Pioniere den Albrechtswerfer, eine hölzerne Gleitbahn, die einer offenen Dachrinne ähnlich sah, Unter einem Winkel von 45 Grad wurde ein Marmeladeneimer it Sprengstoff in den feindlichen Graben geschleudert. Daraus entwickelte sich der Granatwerfer, der Minenwerfer und die Stalinorgel.

Septemberoffensive vor Arras

Mit einem Trommelfeuer von 2 Tagen begann die Offesive. Die vorderen und rückwärtigen Gräben sowie die Artilleriestellungen lagen unter dauerndem Artilleriefeuer. Vor Tagesanbruch traf unsere Ablösung in der vordersten Stellung ein. Gruppenweise sucnten wir nach hinten durchzukommen. Die Laufgräben waren schon ziemlich eingeschossen. Eben kam wieder eine Salve von Granaten angeheult. Ich warf mich schnellizu Boden. Die 7, 5o n Granaten krepierten an der gleichen Stelle und überschütteten mich mit Erde. Beim Weiterlaufen merkte ich, daß etwas Warmes im Gesicht herunterlief. Ein Granatsplitter war am Lederschild der Mütze heruntergeschlagen und hatte die Schläfe gestreift. Im "Felsenkeller" einem Sanitätsunterstand wurde ich verbunden und kam ins Etappenlazarett nach Valanciennes, denn alle Kopfverletzungen wurden ins Lazarett geschickt. Ich war für die Zeit es Großkampfes hinter der Front. Am nächsten Tage begann nämlich
der französische Angriff. Die Stellungsgräben waren durch das ArtilleriefeuerE eingeebnet, ä die Handgranaten in den Unterständen verschüttet, die Gewehre versandet, die Grabenbesatzung stark gelichtet und demoralisiert, sodaß die erste deutsche
Stellung überrannt wurde. Es setzten deutsche Gegenangriffe ein.

Bei einem der ersten Gegenangriffe fiel Leutnant Funke von der 4. Kompagnie. Er hatte beim Vorgehen einen Soldaten, der sich weigerte, vorzugehen, mit seiner Pistole erschossen. Beim weiteren Vorgehen, so erzählte man, sei er durch eine deutsche Handgranate zerrissen worden.

Ich war 14 Tage im Lazarett von Valanciennes. Der Bahnhof von V. war vollgepfropft von Munitionszügen. Französische Flieger überflogen den Bahnhof, warfen niedrig fliegend Bomben. Sie trafen einen mit Munition beladenen Wagen, der sofort brannte. Vom Fenster des Lazaretts konnte man den Bahnhof übersehen. Trotz der dauernd explodierenden Granaten und Handgranaten der Ladung gelang es den Eisenbahnern einige Wagen weiter den Zug abzukoppeln und auch die anderen beladenen Züge wegzuziehen, sodaähur etwa 6 Wagen verbrannten.

Nach 14 Tagen kam ich zur Kompagnie zurück.
Im 2. Weltkriege habe ich mehrere der alten Schlachtfelder besucht. In Frankreich hat man nach dem 1. Weltkriege Sammelfriedhöfe angelegt. Auf dem Friedhofe von Arras liegen 40 000 deutsche Soldaten begraben. Auf dem Soldatenfriedfofe der Lorettohöhe ruhen 50 000 deutsche Soldaten. Auf der Lorettohöhe steht heute eine Kapelle. In dieser steht die polnische Nationalfahne. Polen und Frankreich waren jahrhundertelang durch enge Freundschaft verbunden. Von der Lorettohöhe schaut man hinab auf das im 1. Weltkriege heißumkämpfte Souchez. Heute noch erzählen die Franzosen, daß das Estaminet von Souchez an einem Tage sechsmal seinen Besitzer gewechselt habe, d. h. einmal von Franzosen, dann wieder von Deutschen erobert wurde. Von der Lorettohöhe herab strahlt jede h Nacht in regelmäßigen Abständen ein Scheinwerfer über das Land, um zum Frieden zu mahnen. In Verdun sind die Knochen von 500 000 Deutschen und Franzosen in einem Beinhause gesammel-t. Von einem Turme herab strahlte nach dem 1. Welt kriege ebenfalls ein Scheinwerfer cichts. Im Herbst 1915 wurden die Stants-einjährigen zu Offizersanwärtern ernannt. Von jetzt ab wurden wir mehrere Male abkommandier zu Offiziersawärterkursen. Die Btantseinjährigen, die wir nicht auf eigene Kosten gedient hatten, hattet aktiv gedient und wäre:
normal ausgebildet, wir hatten auch schon Kriegserfahrung. Wir waren immer noch Unteroffiziere. Schüler der Oberschule mit
a i ur Seminristen vom Lehrerseminar, zum Teil erst 18 oder 19 Jahre alt, wurden während des Krieges Soldat. Sie waren beim Eintritt sofort Offiziersanwärter. Sie erhielten eine Ausdung von 8 Wochen in der Garnison. Im Warthelager oder Sennelage:
machten sie einen Offizerskursus von @ oder 10 Wochen mit und kamen als Leutnant ins Feld. Sie waren nicht nur mangelhaft ausgebinldet, sondern hatten auch keine Kriegserfahrung.


Mein Freund, der Lehrer Kürzel aus Groß-Schnellendorf, Kreis Falkenberg 0. S. hatte vor dem Kriege als Stantseinjähriger gedient, er hatte eine Reserveübung gemacht. Er rückte mit dem Oppelner Infanterieregiment 65 ins Feld und wurde verwundet als Unteroffizier der Reserve. Als er das zweite Mal ausrückte, er war 24 Jahr alt und hatte vieles mitgemacht, erhielt er einen solchenAstmskH? achtzehnjährigen Leutnant a s Kompagnieführe r. Als er einmal eine andere Meinung äußerte wurde er von dem jungen Leutnant "angeschissen" und mit 5Tagen Arrest bestraft. K. wurde deshalb bei der Beförderung wieder zurückgestellt. 2msm Vielen Soldaten erging es ähnlich. Sie hatten sich bewährt als tapfere Kämpfer, wurden verwund et und kamen nach ihrer Genesung zu einer fremden Truppe. Dort wußte man nichts von ihren bisherigen Leistungen und woltfte nichts davon wissen. Bei Beförderungen und Auszeichnun-wurden sie übergangen, weil manjäie noch nicht genügend kannte oder weil sie nicht "kriechen"konnten. Anständige Soldaten i fühlten sich auf diese Weise zurückgesetzt und wurden unzufrieden. Während des vierjährigen Krieges wurde die Zahl der ungerecht behandelten leider sehr groß.

Unser lieber Förster, ein 28 jähriger Landstürmer, von Beruf Lehrer, machte sich zum Sprecher wegen der schlechten Verpflegung im Schützengraben. Ft. war ein furchtloser Soldat. Der junge Kompagnieführei hörte auf seine Schmeichler und benuftragte die Unteriffiziere, F. zu beobachten. Im Winter wurden Offensiven nicht gestartet. Dann wurde die Zeit benutzt, um die Schützengräben auszubauen. Der Graben wurde vertieft, Holzrostel wurden auf die Grabensohle gelegt. Unterstände wurden mit einem 2. Ausgang versehen. Die Stolperdrähte und Schnellhindernisse Wurden zu Brahthindernissen ergänzt. Ein 2. und ein 3. g Graben je mit 50 m Abstand wurden angelegt. Im 5. Graben war der Unterstand für den Kompagnieführer. "Zwei Züge lagen im "1. Graben, ein Zug dahinter. Der Kompagnienbschnitt in einer ruhigen Stellung war 500bis 5 00 m. Am Tage Genügte im Kompagnienbschnitt 1-S 2Posten, In äer Nacht stellte jede Gruppe(8 Mann) einen Doppelposten. Der Unteroffizier vom Grabendienst ging mit der Leuchtpistole durch den Zugabschnit, ein Zugführer vom Grabendienst durch den Kompagnienbschnitt.

Jeder Kompagnieführer hatte jeden Tag seine Morgen-und Abendmeldung und dzv/ischen oft noch Sonder-meldungen zu machen. Da mußte
£ gemeldet werdend a : § Gefechtstätigkeit des Feindes, Verluste der eigenen TruppesBestand an Munition, Skizze der eigenen Stellung, Urlauber, Kommandierte etc. Jeden Tag wurde von der Division eine andere Parole(Erkennungswort)ausgegeben. Manchmal wurde auch Die Farbe der Leuchtzeichen geändert. Gewöhnlich war weiß zum Ableuchten des Geländes vor der Stellung, rot zur Anforderung von Sperrfeuer und grün bedeutete :"Eigene Artillerie schießt zu kurz. " Ins ruhiger Stellung wurden ach die Toten bis zur Feldküche und vondieser mit zur Unterkunft & gebracht. In einem Sarg aus rohen Brettern wurde der Tote beerdigt. Gewöhnlich spielte die Regimentskapelle dabei das Lieä vom guten Kamäraden. Der Kom-
pagieführer und einige Soldaten aus dem Schützengraben nahmen daran teil.
"2 oder 5 km hinter der vorderen Stellung verlief die 2. Linie. Sie wurde von den Armierungs. Soldaten ausgeh/oben und mit einem Drahthindernis versehen, Unterstände in dieser Verteidigungslinie wurden auch von Armierungssoldaten gebaut. . Venn der Feind S den Angriff auf die erste Linie vorbereitete, besetzten die Reserven die 2. Linie. Die 5. und 4. Verteidigungslinie waren meistens nur auf dem „"Papier vorbereitet. Die hintersten Verteidigungslinien hießen die Wodanslinie und die Siegfriedslinie. Sie waren für einen eventuellen Rückzug gedacht und lagen10-20 km hintereinander. Auf der Feindseite waren Stellungen ebenfalls nach der Tiefe gestaffelt; Deutscherseits hatte man nicht mit einer langen Dauer des Krieges gerechnet und deshalb B keine neuen Munitionsfabriken gebaut. Erst 1916 stellte man sich auf größeren Munitions bedarf um. Im Winter listen die Stm Soldaten weniger durch Kälte, denn in Frankreich ist das Klima milder. Schlimmer sind die häufigen Regengüsse. Oft steht an vielen Stellen kniehoch Wasser in den Laufgräben und in den Verteidigungsgräben. War der Boden lehmig, so rutschten die Gräben ein und es gab einenbähen Teig. Bie Soldaten ließen ihre "Knobelbecher in dem Schlamme stecken. Einen Mann mußten wir im Laufgraben stecken lassen bis früh. Dann gingen einige Mann mit Spaten und gruben ihn aus. Die Uniform, Stiefel und Gewehr waren voller Lehm. Die Gewehrte mußten erst wieder in Stand tu gesetzt werden, damit man damit schießen konnte. Für die Unterstände gab es kleine eiserne Öfen, welche mit Kohle oder Holz geheizt wurden, um sich bei Nässe aufzuwärme Bei Tage durfte nicht geheizt werdenm, um nicht i ie Besatzung des Grabens zu verraten, und nicht das Artilleriefeuer auf sich zu ziehen. Zwischen der Lorettohöhe und Reims lernten wir alle Stellungen kennen.

Im größten Teile Frankreichs fängt der Frühling bereits im Februar an. Es stimmte immer wehmütig, wenn es hinter der Front in den verlassenen Gärten anfing zu grünen und blühen, in der vordersten Stellung aber der Tod seine Ernte hielt. Am 1. Juli 1916 begann die französische Offensive an der Somme. Nach einem 72 stündigen Trommelfeuer begann der Infanterieangriff. Wir wurden sofort armiert, um die Reserve-Stellung zu besetzen. Von der Front her rollten die feindlichen Artilleriesalven. Der Divisionspfarrer kam mit dem Fahrrade, legte es um. Die Kompagnie trat von der Straße auf das Feld, die Soldaten nahmen den Helm ab und der Pfarrer erteilte allen die Generalabsolution. Vor dem Dorfe Maurepas besetzten wir die Reservestellung. In dem Graben lagen tote Soldaten in Frack und ZyLynder andere /Braut-kl eid und Brautschleier, andere verkleidet als alte Frauen oder Mädchen mit Damenhüten usw. Das Dorf M. hat bei der ersten Beschießung überstürzt die Häuser verlassen. In den verlassenen Häusern haben sich die Schweidnitzer vom Infanterieregiment 10 mit den herrenlosen Sachen belustigt. Bei einem unerwarteten Feuerüberfall der feindlichen Artillerie blieben viele von ihnen infaer Verkleidung tot liegen. Bx ä et Die vorderste Linie hatte Das Thronwäldchen beim Angriff verloren. Die Division befahl, E as Wäldchen im Gegenstoß zurückzuerobern. Das Regiment 25 sollte Freiwillige stellen, welche mit einem Offizier der Vordersten Linie den Sturm durchführst Um mich als Offiziersanwärter To zu-stellen, meldete ich mich als Unteroffizier freiwillig. Mit a Anbruch der Dämmerung zogen wir nach vorn. Die vorderste Kompagnie vom Regiment 10 lag in einem Feld mit hohen Disteln etwas eingegraben. Wir meldeten uns beim Kompagnieführer-. Derselbe sagte;
"Die Sache ist aussichtslos, wir unternehmen nichts, wir sind

froh, daß wir vor der feindlichen Artillerie etwas Ruhe haben.
Geht nur zurückJ" Da man uns nicht wollte, gingen wir natürlich gern wegen der dicken Luft zu unserer Kompagnie zurück. Ich muß
um diese Zeit zum Vizefedwebel(Unterfeldwebebel)befördert worder-sei5cn. Die vordersten Linien wurden schrittweise zurückgenommen. Unsere Sodaten waren damit su-frieden, denn da wurde ein Dorf nach dem ändern von den Zivilisten geräumt, Diese ließen nicht nur viel dobilar und machen, sondern auch Lebens-mittel zurück, dnnsie wurden während der ganzen Zeit durch die Amerikaner reichlich mit Lebensmitteln versorgt, hauptsächlich mit Fett, Speck Dosen und Weizenmehl. Als in dieser Zeit Wieder einmal die Kompagnie rückwärts zog, kannich mich noch erinnern, wie der
n
Kompagüipfeldwebel Schönbrunn in Frauenkleider ein Tuch um den
Kopf, eine Ziege anjeinem Strick hinter sich nachzog unter dem Gelächter der gp. nzen Kompagnie.
In dieser Zeit hörte ich, daß die Sanitätskompagnie 20 dort inä Nähe lag. Ich nahm mir einige tunden Urlaub und fand auch wirklich meinen Bruder als Sanitätsunteroffizier. e Er hatte die nicht beneidenswerte Aufgabe, in dem. heftigen Artilleriefeuer mit einem Trupp von Sanitätern aus dervorderen Linie Schwerverwundete abzuholen. Ich kann nicht mehr sagen, wo wir überall eingesetzt wurden. Ewa in der 2. Augusthälfte waren die Engländer bei Longeval durchgebrochen, und wir gingen nachts indie vordere Linie Es war finster, denn es herrschte dichter Nebel. Das Gelände lag uter FeindlichemA Artilleriefeuer. AD-e Weile 1Iman volle Deckung nehmen. Das war injdera Trichtergelände sehr leicht, denn ein großer Gran törichter war am anderen. Wie ich in einen Trichter gprang, sänteK lageen vier Soldaten darin. Ich wollte sie fragen nachfder vordersten Linie. Dalwaren es vier S tote Engländer. Beim Weiteren Vorgehen kamen wir imporgengrauen injden Wald von Longeval. Das Dorf war trüget unser Ruhequartier hinter der Front gewesen. Der Wald gehörte zu dem Schlosse Xvon Longeval. Wir hatten auchschon vor dem Dorfe in Stellung gelegen. Wie sah es jetzt in dem Walde aus? Dicke Bäume lagen kreuz und quer. Zersplitterte Stämme ragten inyiie Luft. Ein Granattrichter am anderen.
Einen Schützen-Graben, auszuheben, war unmöglich wegen der vielen Wu eeln. Nur kurze Grabens tücke hatte die Truppe ausgehoben. Vor uns lagen Engländer. Sie legten heftiges Schrapnellfeuer auf unsere vorderste Linie. Ich ging gerade daran, mit einem Mann ein Loc;
auszubuddeln, s da platztet wieder ein Schrapnell 15 m über unseren Ä. öpfen. Ich erhielt ein Schrapnellkugel in den linkeh Unterarm. Ich nehme ein Geweht und probiere, ob ich schieüen. kann.
Es geht noch. Ich bleib e in Stellung und schicke nur den Mann zurück, der mit mir zusammen verwundet wurde. Kurz darauf erhalte ich noch zwei Schrapnellkugeiin in den rechten Arm und Rücken. Jet & (glaubte ich doch, a es könnte das Ende sein. Ich legte mich
t
lang auf den Rücken und wartete, ob die Kräfte sich erholen oder nachlassen würdens In diesen Augenblicken sah ich dem Tod ins Auge. "Mach deine Rechnung mit dem Himmel!" Trotzdem die Soldaten neben mir lagen, schien ich ganz allein zu sein. Alles war v/eit weg von mir. Nach einiger Zeit erholte ich mich von dem Schreck, ich ließ mich verbinden und ging nach hinten. Der Nebel war so dicht, daß bei 20 m die Sicht zu Ende war. Geradeaus zu gehen war unmöglich wegen der umgestürzten Bäume und Baumwipfel. Auf einmal erhielt ich Maschinengewehrfeuer. Ich war nämlich auf die Engländer zu gelaufen. Jetz"dwunte ich gleich, wojder Feind lag und. welche Richtung ich einzuschlagen hatte. Ich war wieder einmal aus der dicken Tunke heraus und kam in das Lazarett Birken bei Düren im Rheinland. Die . /unden heilten schnell zu, aber der linke Unterarm entzündete sich und wurde knallrot. Ich wurde ins Hauptlazarezt nach Düren geschickt. Der dortige Chirurg steckte eine Glasröhre mit Löchern in den Wundkanal. Nach 8 Sagen verschwand die Entzündung, die Glasröhre wurde herausgezogen und die Keilung verlief glatt. Darauf entzündete sich der rechte Oberarm. Wieder ging es ins Hauptlazarett Der Chirurg sagte sofort:"Da muß noch etwas in der Wunde sein. Er fühlte und fand, da3 noch eine Schrapnellkugel darin steckte. Sie wurde in der Narkose herausgeschnitten und die Wunde von s3S S tot fetzen gereinigt. Nach etwa 6 Wachen kam ich zum Ersatzbataillon nach Münsterberg. Als Peld-webel lag ich im Privatquartier beim Bäcker Tippold. Dort wohnte dieJLehrerin Elisabeth Stein in einem möblierten Zimmer. Auf einer Fahrt nach Dürr-kunzendorf zu meiner Schwester i fuhr Ste-mit bis Ziegenhals. In der Unterhaltung hörte ich, wie sie beim Rupfen eines Huhnes Fleischstücke mit herausgerissen habe. Ich ä glaubte in ihr kein Interesse am Haushalt zu erkennen und ließ die Bekanntschaft einschlafen.

Die Soldaten nen Ersatzbataillons lagen auch im Gasthaus Teichmann in der Wallstraße. Die Tochter war einer Bekanntschaft nicht abgeneigt. -" -. " h;. t-. f. s-ce Absicht zu heiraten. Sie war aber sieben Jahre älter als ich. Sie hatte schöne Ringe zur Verlobung gekauft. Sie war mir doch zu alt. Heut sehe ich es ein, 3Üx daß es nicht gut ist, wenn die Frau älter ist als der Mann. Der jüngere Mann ist in seiner i£ Laufbahn gewöhnlich noch nicht fertig, wenn die
beiden heiraten. Die Frau altert viel eher als der Mann.

Ein krasses Beispiel ist in Nördlingen der Lehrer M... Er hat eine wohlhabende, aber wohl mindestens 10 Jahre ältere Witwe geheiratet. Er mag sich mit seiner Frau kaum sehen lassen, geht mit ihr in keine Gesellschaft, er ist seelisch ganz zermürbt und muß den Nervenarzt schon längere Zeit in Anspruch nehmen, er ist schon grau geworden.

BA Denke liefert Ziegenfleisch in Breslauer
Hotels
In Münsterberg wurde seiner Zeit der Meßner der evangelischen Kirche verhaftet. Durch die Stadt ging die Schauernachricht, er habe Menschen geschlachtet und das Fleisch nach Breslau verkauft Nahrungsmittel gab es damals nur auf Marken.

D. wohnte am Stadtrand in einem Häuschen mit Garten. Er hatte eine Stellenvermittlung eingerichtet. Er ließ den Stellungsuchenden sein Inmen unterschreiben. Dann ergriff er eine Spitzhacke aus seinem Schrank und schlug damit sein Opfer zusammen. Die Haut zog er ab, das Fiel Fleisch zerlegte er, die Knochen vergrub er im Garten. Ein Wanderbursch sah zufällig in den Wandspiegel - und sah, wie D. aus dem Schrank eine Spitzhacke herausnahm. Er sprang von seinem Stuhl auf und die beiden führten miteinander Ringkampf. Auf das Poltern und Schreien hin eilten Leute herbei. D. wurde überwältigt und ins Gefängnis im Rathaus gebracht.

Bei einer Haussuchung fand die Polizei eingesalzenes Fleisch im Keller in Pässern, im garten vergraben Menschenschädel. Im Schrank hingen Kleider von Ermordeten. Man fand Ausweise des Toten. Aus Menschen aufgeschnittene Riemen hingen im Schrank. Das Menschenfleisch hatte er als Ziegenfleisch in Breslauer Hotels verkauft. Auf diese Weise war aus Friedland ein alter Malermeister Becher verschwunden.



Fassade am Breslauer Marktplatz, August 2014




Aus Krelkau, Kreis Münsterberg war ein Mädchen im 2. Kriegs jähr verschwunden. Ein Metzgermeister ausB>chena, Kreis Neisse wurde bezichtigt, das Mädchen im Walde ermordet zu haben. Er muste dem l Mädchen in der fraglichen Zeit begegnet sein. Das Gericht
verurteilte den Fleischer zu Zuchthaus. Seine Prau mußte das Geschäft schließen. Jetzt fand Tie. n auch einige Sachen der Ermordeten bei D. Der unschuldig verurteilte Fleischer hatte schon ein Jahr im Zuchthaus gesessen. S. hatte sich die erste Nacht im Getan nis erhängt.
Mein freund imbon Paul hatte mit mir zusammen in Zülz das Lehrerseminar besucht- Nach seiner Verwundung iin ersten Weltkriege wurdf-:-E er als nicht faSx felddienstfähig entlassen und kam nachNeisse a, ls Lehrer andie Stadtschule. 1 9fc 3r war in Neisse der Grauens ehreck ein Messerstecher, der in den Dunkelstunden sein Unwesen auf der Straße trieb. Frauen wurden mit einem Messer in die Brust gesto— stocü-en. Nach langen Forschen stellte die Polizei deriBäckerlehr— ling Herbert K. aus Neisse fest. Als die Nachricht bei den Eltern eintraf, bekam der Vater einen Herzanfall. Der Junge ist wohl kurze Zeit fort gekommen, ?am in einePeldbäckerei. Nach äem Kriege kam er mit semen Eltern nach Erlangen. Er ist normal, hat geheiratet hat ein eigenes Haus init Bäckerei. Als Feldwebel und Offiziersanwärter rnetdete ichmich im Oktober 1916 wieder zur Truppe. Bein. Ersatztruppenteil wurde niemand. zum Offiziere befördert.

Im Dezember 1916 wurde das Regiment 25 nach Rußland verladen. Die Fahrt von Frankreich über Bremen, Mecklenburg, Ostpreußen in die Gegend von Dünaburg. Bei der Fahrt an der Küste entlang war noch alles grün. In Mecklenburg waren die klaren Seen ohne Eis.

In Ostpreußen trafen wir von 18 Grad Kälte an. Die Stellung vor Dünaburg lag im Walde auf einem steilen Hügel. Wir lagen oben und konnten in den russischen Graben hineinsehen. Die deutschen Grabenposten standen in Filzstiefeln und Schafspelzen. Eine Wasserquelle im Schützengraben war eingefroren. In den Unterständen wurde tüchtig geheizt. Die Drahthindernisse wurden in stürmischen Nächten elektrisch geladen, nachts gingen wir in Schneehemden durch das Stacheldrahthindernis, um das Vorgelände zu erkunden.

Mit Ausnahme des steilen Hanges lagen die feindlichen Linien etwa 500 m entfernt. Hinter der Front wurden Soldaten im Skilaufen ausgebildet. In der Nacht hörte man die Dampfer auf der Düna tuten Es war ruhige Stellung, in weicher sich die Truppe erholen sollte.

Im Frühjahr 1917 sollte nämlich das Regiment die Offensive in Italien mitmachen. Im Westen brauchte man inzwischen Offizersnachwuchs. Mit einem Trupp von 16 Offizersanwärtern mußte ich wieder nach dem besten zurück.

In Berlin machten wir einen Tag halt. Ich suchte meine Verwandten in der Albrechtstraße auf. Infolge des Krieges war in Berlin für uns nichts los.

In Phalampin in Nordfrankreich meldete ich den Transport beim dortigen Generalkommando. Wir kamen zu einer Neuformation, dem Infanterieregiment 397.

Mein erster Auftag war, einen Trupp von 83 Vergeltugsgefangenen aus dem Vergeltungslager abzuholen. In England wurden in einem Gefangenenlager deutsche Kriegsgefangene schlecht behandelt. Deshalb hatte man hier die gleiche Zahl Engländer in die Kasematten einer alten Festungsanlage gebracht. Sie mußten aus dem Stahlhelm essen und
erhielten dieselbe Hungerverpflegung wie die deutschen Gefangenen in jenem englischen Lager. Sie erhielten Papier und Bleistift, um nach Hause zu schreiben, daß ihre schlechte Behandlung so lange anhält, bis die deutschen Gefangenen normal behandelt werden.

Die Engländer hatten furchtbareten Hunger. Als sie durch die Straßen von Phalampin zur Bahn geführt wurden, brachten ihnen französische Zivilisten Brot auf die Straße heraus. Die deutsche Bewachung mußte das abwehren.

Ich war nun bei der 7. Kompagnie 397. Wir lagen in verschiedenen Gegenden Nord frankreichs. Ende April ging es nach St. Quentin in ein Waldlager. Dort begann Hindenburg eine Offensive. 2 Jahre vorher hatte er dort die deutsche Stellung zurückgenommen. Alles wurde vorher gründlich dem Erdboden gleich gemacht, In die Brunnen wurde Pferdemist geworfen, das and war vorher genau vermessen worden. Nun hatten die Franzosen viel Arbeit, alles neu anzulegen. Sie haben die Stellungen neu ausgebaut.

In diesem Raum begann jetzt die deutsche Offensive. Unser Regiment war als 3. Welle eingeteilt. Die ersten drei Stellungen waren überrannt. In einem Hohlweg lag eine Reihe toter Pferde. Weiter hinten waren in einem Barackenlager Pferdeställe gewesen. Da lagen unzählige tote Pferde. Man sah, der Feind war vom Feuerschlag der deutschen Artillerie überrascht worden. Auf einer Front von 30 km war ein Durchbruch von 15 km in die feindliche Front gelungen. Die Franzosen hatten überall doppelte Drahthindernisse angelegt. In den hinteren Stellungen hatten sie Unterstände von 4-6m Tiefe. Die Maschinengewehre konnten sie in einem Schacht auf und abbewegen. Da ein Durchbruch durch die feindliche Front wegen der großen amerikanischen Reserven nicht möglich war, wurden die Truppen der 3. Welle bald wieder zurückgezogen.

Es ging von dort an eie Ayette. wo die Franzoseneinen Durchbruch plaren. Das war dort ein M heftiger Kampf und eineSS schlammige ü-egend.
Dann ging es in die Gegend von Ypern. In Menin lagen wir in Reserve. An der Front von Ypern trommelten die Engländer. Wir zogen uns langsam an die vordere Stellung vor. Am 1. Juli Wurden wir 2 Uhr morgens inhen Unterkünften von englischen Fliegern bombardier
Infolge S. aes heftigen Feuers an der Front Waren wir schon vorher alarmiert worden. V/ir waren gerade fertig zum Ausrücken, als die Bomben fielen und sie richteten keinen Schaden an. Die Lage anfder Front war noch unklar, i-ra Morgengrauen marschierten wir nach riouthem. EsÜ-ag hinter einem Kanal. Als englische Flieger auftaucht ging es im Gänsemarsch (Reihe zu einem)-eiter. Die englischen Fl-ieger beschossen uns mit Maschinengewehren. Es raschelte neben uns im Getreide, wurde aber niemand getroffen. Die Brücke über den Kanal lag unter dem Feuer der schweren Artillerie. Gruppenweise ging es im "Sprung aufsmarsch, marsch!" über die Brücke. Vor der Brücke warfen wirjuns auf einer tiefliegenden Wiese nieder. Eine Salve schwerer Granaten k schlug zwischen uns ein. Doch, oWunder, die Granaten bohrten sich tief in den weichen Wiesengr-ond. Aus der Luft hagelten Erdklumpen auf uns herab. Nicht einer von uns erhielt einen Splitter. -Die Splitter hatten sich Inder Erde verfangen oder sausten kegelförmig in die Höhe, In Reihe zu einem ging die Kompagnie durch das lrichtergelände nach vorn. x Zuerst ging es an einer Batterie 21 cm-Mörser vorüber. Sie stand verlassen hinter einer Kopfweidenreihe. Eine Batterie der Feldartillerie fuhr auf der Wiese auf. Einige Augenblicke, da wurde sie von der englischen Artillerie unter Feuer genommen. Sie Pferde bäumten sich kerzengerade auf. Sie kam nicht zum Feuern, sondern mußte abrücken. Das wütendste Feuerder englischen mittleren Geschütze richtetesich auf uns. Beim Heranheulen der K einzelnen alven warfen wir uns inhie Trichter. Nach jeder Detonation ging es weiter. Oft tauchte die Spitze oder die Mitte der Kompagnie unter den Rauch-und Staubwolken der ein schlafenden Granaten unter. Man fürchtetessie seien zerfetzt in tausend Stücäe. Nach einer kleinen Weile tauchten sie wieder auf und zogen weiter. Wir durchschritten die Linie der ;15 cm-Geschütze, auch verfassen. Dann ging es durch die Stellung der 10, 5cm- geschütze bisiin die Linie der deutschen 7, 5 cm-
4~ geschützeX Die Engländer hatten 4Uhr morgens einen Bataillonsab-
schnit in die Luft gespregngt und hatten durch diese Lücke durchgestoßen. Das. Regiment 397 sollte diese Lücke schlier3en. Der Reginentskomnandeur Oberstleutnant von Hertel ging mit seinem Adjutanten, Oberleutnant Nitzer bis in die vorderste Linie. Der KompagnieführersLeutnant Schulz, sein Stab und die Sanitäter benutzten einen flachen Unterstand mit einem Betonbeobachtungsstan welcher von derArtillerie erbaut wordenlwar. Wir lagen mit unseren Zügen in Granattrichtern. Wir lagen unter dem Feuer von 18 cm-Gra-naten und - ufschlagschrappnell. In einem Granattrichterm lag ich mit drei Mann. Die mittleren Granaten lahmten mit ihren Exülosione

+ Zusatz
Wir lagen also zwischen den deutschen 7, 5 cm-Geschützen. Weil in Flaxil (lern schon bei, einein halben Meter das Grundwasser kommt, so hatte die Artillerie nur ausWellblechbogen sichteinen Unterschlupf gegen Regen geschaffen. ;>0m vor uns war ein Wass-erl. och, wo die Soldaten trir n gingen. Die feindliche Beobachtung lenkte sofort da-s Artilleriefeuer auf unsl. Ein leichte G-ranate schlug 5 m neben mir ein. Ich H hatte die Rocktasche voller Leuchtkugeln steCken. Ein größerer iitieys schlugin meine Rocktasche, Die ieuchtkugetox In drehten sichp-n der Tasche und gaben dem Splitter eine andere Richtungs Der Splitter zerfetzte Tashe und Rockschöße und verletzte mich nicht. Einer der Sodaten wurde verwunndet.

die Nerven der jungen Soldaten. Ein Schrappnell schlug auf unseren Trichterrand und Verwundete einem Mann Mund und Zähne. Ich sprang mit meinein Putzer in einen anderen Trichter. Eine Granate schlug 2 m neben dem Trichter ein und schüttete uns leicht mit Erde zu. Der heftigen Explosion war meig. 19 jähriger Putzer nicht gewachsen. Sein G-e sieht wurde fahlgelb und erjzitterte am ganzen Körper, unfähig nur das Gewehr zu halten. Ich schickte ihn nach hinten. Als es dunkel wurde, ging ich- mit meinem Zuge etwa 300m vor ziemlich nahe an die englische Linie heran. Ich hatte nämlich gesehen, daß ie Engländer etwa 4-500m von uns entfernt lagen, sodaß sie nicht durch Ihre Granaten gefährdet wurden. Wir mußten intien Trichtern verborge bleiben, um nicht entdeckt zu werden, hatten aber auf diese Weise keinen einzigen Verlust. In der Kompagnielinie +5 00 mhinter uns
lag Vizefeldwebel Weigel mit einer Zahl seiner Leute tot übereinander. 2Tage hielten wir uns so schadlos, während hinter uns die englische Artillerie wütete, um einen neuen Vorstoß ihrer Infanterie vorzubereiten. "Dann wurde das Regiment zurückgezogen. Es hatte den Durchbruch verhindert und der RegimentBkommandeur erhielt den Pour-
,. lt-
lemeri t. Die Verluste warengroß . äs war aber nochgelungen, die Geschütze in der 2. Nacht, als die Engländer eine Feuerpause machten fa; zurückzuholen. Die leichten Feldgeschütze 7s5 cm blieben allerä-dings stehen. Vom Bataillon sHauptmann Schaff er, erhielt ich den Auf trag, mit einem schwer&fiMaschinengewehr und 8 Infanteristen als Nachhut im Bataillons-abschnitt zurückzubleiben und solange als möglich den Feind aufzuhalten. Die Kompagnie zo-g zur ück. Ich ä ging mit meinem Zuge c. uch zurück ioden s! flachen Unterstand mit dem Artillerie-beobachtungsstand. In dieser Stellung erhielt icSi die H achricht von meiner Beförderung zum Offizier. Man schickte mir auch von der Kompagnie Achsel-stücke mit. Ich lag also mit Qm§. " j hri -n Ir-f rifa. nteristen und der Bedienung des schweren Maschinengewehrs in dem Unterstand allein. SinPosten stand in dem Betonbeobachtungsstand. Inder Nacht stand das 8 schwere MG oben auf dem Unterstand. Abends erhielten wir reichlich Verpflegung. &ßBixkmsma:KXMXsx In der Nacht war es etwas lebendig im Vorgelände. Da gab das MG seine Feuerstöße ab und wir blieben unbehelli Weil die £ feindliche Artillerie anfing, unseren Unterstand systematisch zu beschießen, ging ich vor Tagesanbruch inldenm 400 m hinter uns liegenden Betonblock. Dort hatten uns die feindlichen Beobachter auch erspäht und nahmen den Betonbunkerp. uch unter Feuer. Sie S setzten mehrere Voltreffer auf den Bunder, daß derselbe ordentlic schaukelte und die Explosionen im Innern ischa/erlich v/iderhs. llten.
o, -
Wir gingen wieder in den Vrderen Unterstand zurück. Am nächsten Tag

+ Zusatz:
Vor drim Morgengrauen gehe ich mit dem Zuge zurück. dp. hat mein Bur-Mantel und Mütze im Trichter liegen lassen, also wir "beide schnell zurück, ehe es hell wird. Es war inzwischen heller geworden und der Engländer hat uns erspäht. Mit seinem Levisgewehr(leichtes MgG-. schießt er auf uns in kurzer Entfernung. Jetzt heißt es springen ums Leben, beide auseinander, sojdaßle r auf jeden extra zielen Mmuß, Zickzacklinie einschlagen, erimuß sein MG jedes Mal neu einrichten, ganz kurze Sprünge und schnell Deckung!Weit aus einander gezogen ist unser AbseTzen gelungen.

r
c °. -v c. -
f-


+ + Zusatz:
Ich sehe noch heut den Führer des 5. Bataillons 397 Hauptmann Eggeis, auf seinem Pferde kurz vor dem Einsatz, erster Justizrat in Göttingen, 65 Jahre alt, Kriegsfreiwilliger, sehr dick und schwitzt in der Julihitze fürchterlich. Er ist bei diesem Einsatz gefallen. Ich kann die deutschen Verluste nicht angeben, weiß nur, daß da auch eine Anzahl, von Offizieren
gefallen ist.

beobachteten wir, wie dür Feind einen knietiefen Graben ausgehoben hatte und uich-tiMannx an Kann besetzt war. Unser schweres MG nahm den Graben unter S: aufliegendes euer und die zu einem Angriff bereitgestellten Truppen verschwanden. Wir lagen aber jetzt auf der Lauer. In der Nacht wurde das schwere MG zurückgezogen, weil die MG-Xompagnie abrückte. Dafür erhielten wir vom Regiment 54 S ein leichtes MG! Wir sollten auch am nächsten Tage nach hinten gehen. Ich fragte die . $4ßiger, ob sie schießen können, denn ich wußte, daß die Soldaten am leichten MG nur kurze zeit ausgebildet waren und nicht Erfahrung der Leute einer Maxchinengewehrkompagnie
SCfV rt. /
hatten. Ich hätte sie erst /-s-c-nießen lassen, aber auch das hätte sinr nicht tüchtiger gemacht. Ich hatte Jede Leuchtkugel ausprobiert. Als ich sah, wie Engländer gruppenweise Verstärkung nach vorn schick ten, ä gab ich Meldung nach hinten. Englische schwere Artillerie mg legte sehr schweres Feuer nach hinten. Kachmittag begann das Trommel teuer auf unseren Bunker. Wir machten uns alarmbereit. Ich ging in den Beobachtungsstand. In dem langen nach hinten offenen Gang spritzte mir dastPeucr der auf den flachen Unterstand aufschlagenden Granaten leichten Kalibers um diejohren. Im Beobachtungsstand j fühlte ich mich sicher. Vor uns eine Staub-wand der einschlagenden Grana-ten Als die Einschläge vor uns aufhörten, wußte ich, daß die Feinde jetzt d;. -. s(Peuer weiter legen und die Infanterie Jetzt zum Sturm vorgeht. Also alles raus, MG in Stellung!Ich schieße 15 rote Leuchtkugeln hintereinan, der ab. Unsere Artillerie gibt einzelne Granaten
d&r f nQ. i£i/ dsjK-/ ins Hintergelände/äD, aBer ein Sperrfeuer kommt nicht, denn sie wird
von dem Übergewicht der englischen Geschütze vollständig zugedeckt, wie ich nachher gehört habe. Die Engländer gehen in Kompagnie stärke vor. Jetzt fehlt unser schweres MG, das mit seinem rasenden Feuer den Angriff leicht abgeschlagen hätte. Aber - das seichte Mg g3s gibt ein panrs Schuß ab- Ladehemmung, wieder ein Schuß, dann krie-ä sie den Patromengu-rt nicht vorwärts und rückwärts. Währenddessen
hat das englische leichte MG sich ;100m vor unserem linken Flügel aufgestellt und eröffnet das Feuer auf uns. Ein Handgranatentrupp stößtjaußerhalb unseres linken Flügels vor und versucht uns den Rückzug abzuschneiden. Nichts anderes bleibt übrig, als :"MG zuerst zurück!-Abwechselnd - die Hälfte schießen und die Hälfte zurück!" Im dem Trichter gelände ist das gut möglich. Wir kommen sehr nahe anJdie feindliche Feuerglücke heran und ms die Engländer bleiben zurück. üie stürmen injden verlassenen Unterstand hinein. Unser Gefrei-Grzimek hat am Anfang der Absetzbewegung einen Bauchschuß erhalten und wir konnten ihm nicht helfen. Andere Verluste hatten wir nich.

Nach einem Rückmarsch vonetwa 1 km trafen/ rof den (Deutschen besetzten Schützengraben der Resergestsllung. Sie war regelrecht besetzt. Ich meldete dem aortigen Bata-illonskan-aommendeur die läge in der vorderen Linie. Dann suchte ich mein Bataillonvon 597 zu er reichen. Es warjschon auf dem Marsch nach einem Ruhe-quartier. Ich traf es erst einen ii halben Tag später bei der äxersten RAst. Mit von unten bis oben aufgeschlitzten Hosenbein, mi-Üzerfetztem Rock rcit feinem Vollbart und voller Dreck meldete ich ü nS kommandeur Hauptmann Schäffer zurück. Gleichzeitig meldete ich meine Beförderung. Obgleich 27 Jahre alt, rangierte ich gemäßder Beförderung als jüngster Offizier, d. h. ichiwar mit Auszeichnungen noch nicht
an der Reihe, ich mußte bei Vertretungen einspringen. Wenn ein Konwa
, g“9j-
gnieführer inürlaub -nätte ich öfter die"Ehre", aSs stellvertretender Kompagnie führ er mit dessen Kompagnie in vorderste Stellung zu gehen, Während ich normalerweise Ruhe gehabt hätte. Auf diese Weise kam ich fast das ganze Regiment durch.
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Am Xemmel
Im zeitigen Frühjahr }9 Q S. pendelten wir zwischen Zillebeke und Hollebe], :« umher. Das war nördlich vomKemmel. Das war ein Berg, der mitten aus der flandrischen Ebene Kaufragte und deshalb strategisch Bedeutung hatte. Der einarmige Generalmajor Höfer führte selbst die äturmtruppe an. Der Kemmel wurde auch erstürmt. Die Soldaten fanden injäer englischen Kantine einen größeren Vorrat an Seckt und fielen darüber teher. Der Anfangserfolg wurde nicht ausgenutzt und die Engländer holten den Verlustwieder auf- Wir lagen nördlich vom Kernmel und waren an dem Unternehmen nicht beteiligt. Wir rückten dauernd hin und her, so daß wir nicht zur Ruhe Icamen. Kaum hatten wir vom Hin-undHerziehen müde, einen neuen Abschnitt übernommen und gedachten etwas zu verschnaufen, so kam schon ein Husarenleutnant von der Division, X ade wir sollen erkunden, ob der Engländer vor unserer Front zurückgezogen ist. Ich kochte vor Wut und sagte:
"Wir gehen sofort, kommen Sie mit, da können Sie selbst sehen. " Es war 10ühr vormittag, kein Nebel-, ein Vorgehen muß da zu 90 schei fern. Weil es aber sein mußte, sagte ich meinen Leuten. Der Engländer hat die Stellung geräumt, wirisollen erkunden, ob er alles aufgegeben hat. Sofort meldetensich Unteroffizier
;
ein Gsf-ei er ui- - vi- Kann. Auch Leutnant Strauchmeier, der jüngste Offizier ging mit. In Schützenlinie gingen wir vor bis ans Drahthindernis. Dasselbe war etwa 10 m breit und unbeschädigt. Hinter dem Hinder-nis waren zwei Betonbunker in einem Zwischenraum von 50 m. Unteroffizier lag neben mir. Mit der Zigarette im Munde schnitt er mit der Drahtschere die Stacheldrähte durch. Ich beobachtete, konnte aber von meinem Platz aus nichts sehen. Auf ein— malk knallte ein Schuß, Blut spritzte mir ins Gesicht. Unteroffizier war in die Schläfe getroffen. Die Engländer schössen Leuch kugeln hoch, d. h. sie forderten Sperrfeuer an. Also zurück, die Hälfte springen, die Hälfte schießen. An meiner Stelle waren die G-ranattrichter voll% Nasser. Die Engländer warfen Handgranatenich zog den nassen Rückzug dem sicheren Tode vor und verschwand im dahinterliegend-in Trichteribis zum Hals im Wasser. Als Kompagnieführer wollte ich beim Rückzug der Letzte sein. Die Leute waren gerade noch idden Betonunterstand geschlüpft. Das setzte das englische Sperrfeuer ein. Ich konnte es nicht wagen, in de 4ß m entfernten Bunker zuispringen. Ich mußte hinter einem Ziegelschutthaufen eine Hhalbe Stunde liegen bleiben. Da der Schutthaufen hin-einem Hange lag, zischten die kleinen Graneten iruetwa 4mHöhe über meinen Kopf hinweg. Leutnant St. lag noch höher am Hange. Über ihm ging der G-ranatenregen 1-2 mhinweg. Als das Sperrfeuer

s
nachließ, kam ich pudelnaß inb-an Betcn-unterstand. Ich zog mich splitternackt aus, wickelte mich in Deckeft und legte mich ins Draht— bett. In den eisernen Ofen Feu-r und die Sachen trocknen. Ein Melder geht zum Bataillon. Nach etwa 1 Stunde ERscheint der Kommandeur Major xxxhx von Günther im Unterstand. Ich entschuldige mich, daß ich inider vordersten Linie nicht gefechtsbereit bin. Er sagt aber:
"Bleiben Sie nur liegen!" In aer folgenden Nacht lasse ich den toten "Unteroffizier zurückholen. Zu seiner Beerdigung. kann ichleider nicht gehen. Erm ist in Korslede begraben. Am nächsten verlangt die Division wieder, daß wir einen Erkundungsvorstoß maciien. IchA verlange aber, daß uns unsere Artillerie unterstützt. Ein Feldtelefonist mit Apparat muß mir zur Verfügung stehen. «Ein MG. soll uns überschießen vom Bataiiällonsunterstand aus, dersehr hoch 2 liegt. Am späten Nachmittag geht es los. leut-nant Strauchmeier bleibt zurück, Damit eig. Offizier bei der Kompagnie ists Wir gingen vor mit einem reichten MG und Handgranaten. Zwei Geschütze begannen zu feuern. Ich gab die Peuerlenkung zum Bataillon und/das Bataillon gab die Korrekturen weiter an die Batterie. So lagen die Schüsse nach kurzer Zeit im& Ziel. Das MG feuerte? mitten hiein in 2 uns und mußte das Feuer einstellen. Am Hindernis angekommen, war vom Feind nichts zu merken, £ die Artillerie drängte, sie könne die Peuergeschwindigksit nicht mehr lange halten. Ich mußte also als Erster durch das Hindernis - sollte die Sache weitergehen. War der Betonunterstand besetzt, so blieb ich im Hindernis hängen. Ich kam durch unbehelligt und die anderen folgten. Ich schickte den Gefreiten mit den leichten Mäsofort zum anderen Bßfcs Betonbunker. wW¥ Wirlstellten Posten auf und sicherten- xx Da fielen auch schon beim anderen Bunker Handgranaten. Maschinengewehr ratterte. Es war inzwinchenä dundel geworden. sex Ein englischer Offizier und Soldaten mit einem Lewisgewehr und Handgranaten wollten die beiden Unterstände für die Nacht bexsetzen und am Tage wieder auf die Hauptkampflinie zurückgehen. Als sie unsere leute vorfanden, warfen sie sofort Handgranaten. Der alte Gefreite hatte aber noch die P. uhe, sein MG aufzustellen und zu
feuern. Daraufhin warfen sie ihr MG weg und liefen davon. In der
So/nidtei, i / , Nacht hörten wir ein Gequake; Es muBoe ein Verwunde tero-ort liegen. Ich meldete telefonisch dem Bataillon. Durchs Telekfon sagte Major Xx von Günther sich solle lieber zurückkommen. Der Führer der Nachbarkompagnie, / onI ußland gekommen sei, sei mit seinem Burschen allein vorgegangen. Er sei in den verlassenen Unterstand eingetreten und habe seinen Burschen geschickt, die Kompagnie au holen. Der Bursche sagte dem Leutnant, er höre Stimmen, schon kamen die Engländer. Der Bursche verkroch sich unter die Wel bleche, die am BunaLker lehnten. Die Engländer nahmen d-n Offizier mit. Als die Engländer gegen Morgen zurückgingen, ging der Bursche zu seiner Kompagnie zurück. —Ich blieb aber auch am Tage in dem
Bunker. Die Engländerte hatten inidsm Bunkere lege n lassen ägroße
i Käse, Weißbrote, wollene Ufisrhosen, Pelzwesten und Gummistiefel.
Gegen Morgen ging der Sanitäter mit der roten Panne ins Vorfeld und holte den englischen Offizier herein. Br hatte einen Beinschu und konnte nicht laufen. Weiter holten die Soldaten das englische Maschinengewehr, weggeworfene Gewehre und Lebensmittel herein. Der Offizier hieß Leutnant Stark. Er konnte nicht deutsch, er steckte mir dauernd Dollarscheine hin, Als ersieh gar nichts abbringen ließ, sagte ich, er solle sie dem Sanitäter geben. Leutnant Strauchmeier und zwei Soldatentrugen ihn in einer Zeltbahn mit einer Stange zum Bataillonsunters fand. Major v. Günther lud ihn zu einer Tasse Kaffee ein und bot ihm Zigaretten an.
Beim weiteren Rücktransport fiel der englische Offizier dem Haupt-
y}ci irn_, mann Pabst von Oheim in die Hände. Dieser em Verwundeten die
schönen englischen Schnürstiefel ab und gab ihm dafür ein Panr Kon mißstiefel. !!! In der Stellung lag noch ein tofer Engländer, der am Vortage bei unserem Rückzugsgefecht gefallen w ich nahm seine Briefe und Fotos an mich. Von dem Leutnant Stark behielt ich desser Trommelrevolver mit etwa15 Schuß 12 mm Kaliber. Ich hatte den Revolver in Buchengrund immer im Nachttischchen liegen.

ra
-er erste Tanänngriff 1917
-Die Engländer hatten schon 1916 in der Somneschincht Tankst (Panzer) eingesetzt. D lese blieben wegen itjres groben Gewichtes in dem lehhimigen Boden stecieen. Ich erlebte den ersten Ts. nkangriff 19t7Jin der Gegend von St. Quentin. Als Führer der 9. Kompagnie lag ich in einem tiefen Schützengraben, Kreideboden, aber keine Unterstände. Der Kompagnieführerunterstand befand sich 200m £ dahinter in einer tiefen Schlucht. Zwei Züge lagen im vordersten Graben, ein Zug zur Unterstützung in der Schlucht« Der Feind machte immer noch seine Offensives Nach dem schweren Artilleriefeuer, das einen ganzen Tag anhielt, erwartete ichlfür den nächsten Tag einen Angriff. Morgen. um 5 Uhr stand ich schon imx vordersten Graben. Wir hatten neben unseren 4-leichten MG. s auch 2 schwere MGs der Maschinen - -. lirko-i-
Y Äi. -. A..
pagnie im Graben. Um 6TJHr(5 Uhr fra. nzösischer Zeit) setzte ein

Feuerschlag ein. Vor unserm Graben £ platzten Granaten, auddenen Feuerregen und eine dicke Rauchwolke hervor-quoll. Die Soldaten riefen :"Ganas!&" Ich kannte aber diese Nebelgranaten von Flandern herMx und- K kommandierte:"Gasmasken ab! Maschinengewehre Sperrfeuer schießen!" Alle 6 Maschinen-gewehre ratterten durch die Nebel-wand hindurch. Hach einiger Zeit zogen die Nebelschwaden. nach unserem Rücken ab. Als die Sicht nach h vorn frei wurde, schri " iSie kommen, der Kompagnie-fuh. rer auf dem Pferde!" Es waren 5 Tanks, s die hinter einem Hügel heraufkamen. Die Infanterie hing wie eine Traube hinten daran. Durch das MG-teuer war die feindliche Infanterie abgewehrt worden. Die Panzer fuhren zurück, um die Infanterie heranzuholen. Am reGhten Flügel derrKompagnie kam ein Tank in einer Schlanke gedeckt bis SaMsöc 50m an den Graben heran.
Die Infanteristen woHten an dem Panzer vorbei in den Graben springen. Im Flankcnfeuer unserer MGs brachen sie zusa, mmen. Zwei Schwär ze liefen über, umBich zu retten. Der Agriff war auf diese %msx Weisejabgeschlagen. Leutnant Herbig von der Maschinengewehrkompagnie hatte die Führung derx im Bataillonsabschnitt zugeteilten MGs. Links von uns la das Regiment 165. Bei dieser Truppe gelang
es dem Feind durchzubrechen. Die Tanks kamen bis zutien Bataillonsunterständen. Die englische Artillerie zog sofort ihre Feldgeschütze vor. ¥ Wir sahen sie, wie sie mit Pferdebespannung vorrückten. Ein Offizier stand oben auf der Böschung mit
einer großen Karte. Ich gab mit Visis" 1900 einen Gewehrschuß ab. Er verschwand sofort. Der Schuß muß also ihn gefährdet haben. Nachdem das Kachbarregiment zurückgegangcriwar, 6 schauten wir
dem Feind in fm Flanke und Rücken. Die zurückgehendent65er hat-

4&
in der neben uns liegenden Kompagnie von 597 eine Panik ausgelöst. oie rannten durch ineine Kompagnie durch und rissednoch einen Zug meiner Kompagnie fort. Mit meinen schneidigen gX Cref reiten Hohlbach und Hunmel gingen v/ir durch den Grabenabschnitt der Nach barkompagnie. G Schreck. Der Graben war leer, Gewehre und Mgs stan den verlassen. Im Graben kein Feind ! Ganz am linken Flügel waren Schwarze eingedrungen. Mit schußbereiten Gewehr stehe ich an der Schulterwehr. Hummel hinter mir schleudert eine Handgranate über meinen Kopf hinweg, s Sie liegt zu kurz und xanaxx rollt kurz vor mir herunter. Im letzten Augenbick reißt mich der Gefreite H. zurück. Die beiden äoldeten riegeln den Graben nach linäs A ab. Ich hole die Leute wieder in den Graben. Alles hatte sich in die Schluc. geflüchtet. Sie geflüchtete Nachbar-kompagnie mit 2 Offizieren mußte auch wieder heran, der Kompagnieführer erklärte mir, es sei doch alles verloren, er mache nichts mehr. Sein Zugführer, ein junger Leutnant/folgte seinem Beispiel. Nachdem ich die Lage dem Bataillon gemeldet hatte, kam Leutnant Günter mit seiner Kompagnie und löste marodierende Kompagnie ab. Ber Bataillonsabschnitt wurde mir unterstellt.
In einem feindlichen Graben vor uns legten sich die Schwarzen zumSturm bereit. Wir schössen mitMG inihre Flanke. Am an£Jan a;g. e sahen wir, wie der Feind sich an einem Eisenbahndamm in großen häufen zum Sturm bereitlegte, wir sahen auf unserem vorgeschobenen Posten dem Feind in den Rücken. Da die Telefonleitungen alle gestört waren, hatten wir einen Brief taubensjlldatenbei uns. Ich hatte die Meldung auf ein kleines Zcttelchen geschrieben: " Feind legt sich am Eisenbahndamm bei Pun&t g in dicken Haufen zum Sturm berei
Sie Brieftauben kreisten einmal injder a Luft, itann flogen sie geradenus nach hinten. In einer Viertelstunde schlugen die ersten i schweren Granaten A am Eisenbahndamm ein, ]0 Minuten später K käme die mittleren Granaten und wieder etwas später die kleinen. Die Franzosen legten ach noch Sperrfeuer auf den Eisenbahndamm. Wahrscheinlich vermuteten sie einen deutschen Gegenangriff. Das ganze g Gelände war in Rauch und Staub gehüllt, den der Windlüber uns hinwegtrieb. Deutsche Flieger flogen über uns und schössen Leuchtkugeln herunter. Wir antworteten mit Leuchtkugeln. -lls die Leitungen schnell geflickt waren, fragte der Batlns. Kom
naneur an, was denn eigentlich los geweSen sei. Weil vorn eine Ruhepause eingetreten war, hatte ich mich in meinen Unterstand begeben, um die Meldungen zu machen. Alle 4 Brieftauben sind fort.


+ZTJsatz:
Ein. 3?ranzose kommt im G-raben entlang, wo der Gefreite Hßhibaum a"b-
H-
riegelt. ma£ntB; lauert mit schußbereiten Gewehr. Der Franzose erhält einen Brustschuß, springt an der G-rabenwand hoch und stürnzt dann. tot in den Graben zurück. H. zieht dem Toten nur die Schokol;
de aus der Tasche,

Vorn. im Graben sind der Kompagnie führ er Leutnant Günther, Leutnant Herbig von der MGK. Zwei Tage vorher habe ich ein Panzerabwehrgewelr erhalten. Die Geschosse haben 2cm Durchmesser und sollen Panzer durc schlagen. Durch Handschlag mußtöich mich verpflichten, das Gewehr nicht in die vordere Stellungx au nehmen, damit es nicht in Feindeshand falle. Es bleibt also in meinem Unterstand. Auf einmal setz ein Artillerie-feupr ein, Die Schlucht liegt unter starkem Feuer.
Der Gefreite Hohlbaum mit dem Tankgewehr und ich nach vorn. In den Kronen der Bäume rasen die Salven der MGs der feindlichen Tanks. 2. Tanks bra-usten auf den Kompagnie abschnitt los. s. Ein Tank erhielt einen Treffer durch ein Panzerabwehrgeschütz seinen Panzer erledigte der Gefreite Hohlbaum mit seinem Tankgewe r. Der Minenwerferoffizier hatte seine Werfer ohne Deckuvg frei aufgestellt. Einige Schuß gab er ab. Da fiel er im MG-teuer mit drei seiner Leute. Die Tanks kamen diesmal ohne Infanterie, fuhren quer über den Graben und schössen aus ihren M s den Graben entlang. Einige wurden verwundet. Die t«ute liefen im Graben hin und her. Dann retteten sie sich in iie Schlucht. Ich habe den vordersten Graben wegen des rasenden Mg-feuers nicht mehr erreicht. Wäre ich mit
vc -dem Tankgewehr im vordersten Grab. enx gewesen, so hätten/vielleicht
uns nicht überraschen lassen. Rl r. ei. -"-" von der Lohn, welcher gerade das Bataillon führte, machte mit einem Zug INfanterie einen Gegenstoü gegen die Panzerserhielt 2 Beinschüsse und geriet in Gefangenschaft. Auch der marodierende Kompagnieführer kam in Gefan-fenschaft. Wir hatten uns ein Stück rückwärts fest-gesetzt anidem hohffn Rande der Schlucht. Am nächsten Morgen wurden wir zurückbefohlen. Das Tankgewehr war nicht in Feindes-hand gefallen, aber aus übertriebener Sorge war es zu spät zum Schuß gekommen. Das war ein großer Fehler.


Von Oktober 1917 an war ich immer Kompagnieführer und erhielt auch 550 Mark Sana; Sold monatlich. Es fehlte an Schützengrabenoffizieren. Die aktiven hatten das Eiserne Kreuz l. Klasse. Dannjleiteten viele von ihnen s inen Ausbildungskursus hinter der Front. Sie wurden zu Stäben kommandiert oder waren Bataillonskommandeure.

Ich selbst wurde zu drei derartigen Kursen kommandiert, als Unter Offizier zum Offizieranwärterkursizs nach Moilainsfi. (Somme), 191 S
k
als Feldwebel zu einem gleichartigen Kursus und 1917 zu einem Kompagnieführerkursus nach Neuenburg am Rhein. Das war die schönste Unterbrechung des Prontlebens. Neu hinzu kam hier der Reitunterricht. Neuenburg in Baden war ein kleines Städtchen mit Weinbau. Ein gelber Markgrafler wurde hier ausgeschenkt. Unser Quartier war ein Hotel.

Während der Nacht wurde das Gesicht von umherschwirrenden Schnaken zerstochen. Räucherkerzen waren machtlos. Nur ein Gagenschleier über dem Bett hielt die kleinen surrenden Mücken etwas ab. Der Kursus dauerte vier Wochen.

Zu einem Herrenrenreiter habe ich es in den vier Wochen nie gebracht. Bei einem gestreckten Galopp mit Sprüngen über Straßengräben hatte ich gerade Mühe. nicht abgewesen zu werden. Das schwierigste war, dem Pferde die richtigen Hilfen zu geben, um es mit den Schenkeln zu leiten. In dem reißenden Wasser des Oberrheins haben wir auch gebadet. Leiter des Kursus war Hauptmann von Sommerfeld, dessen Ansicht war, er verstehe nicht, warum das Vok Hindenburg so verehre, Majestät sei doch die Sonne. Damals hatte noch der Adel seine Vorrechte.

Am Schluß veranstaltete der Leiter einen geselligen Abend. Zwei der verheirateten Offiziere brachten ihre Frauen mit. Sie wurden mit Handkuß, wie es damals die Etikette erforderte, vom Hauptmann und seinem Adjutanten empfangen. Der Abend verlief harmonisch und gemütlich. Die eine Dame, eine Lehrersfrau, trug Lieder vor, die ihr Mann begleitete. Eines Sonntags fuhren wir von Neuenburg aus mit der Bahn durchs Höllental an den Titisee. Im Höllental ist ein schmale Stelle. Sie heißt der Hirschsprung. Einmal besuchten wir Freiburg im Breisgau.

Ein Scheinangriff

Anfang März 1918 lagen wir in Nordflandern. Im Süden der Westfront sollte ein deutscher Angriff erfolgen. Um den Feind zu täuschen, sollte ein deutscher Angriff im Norden vorgetäuscht werden. An unserer Front schoß sich die Artillerie auf immer neue Ziele ein. Sie wechselte dauernd ihre Teuerstellungen. Am 18. März deckte sie die feindlichen hinteren Linien mit Gasgranaten ein. In jedem Kompagnieabschnit wurde ein Scheinangriff befohlen. Ein Zug meiner Kompa—

gleich darauf die Posten, revidieren. Weil das Grabenstück voll Wasser ist, gehe ich oben entlang. "Haltwerda!" und schon kracht der
Schuß. Glücklicherweise vorbei und ich Tute:2 "Kompagnieführer!2 "
ich - Bei der weiteren Runde stehe ei unserem Posten am Rande eines
riesigen Sprengtrichters. Zur Erkundung;_ -e. i. s ich ein Stück vö. m Trichterrand nach unten. Da leuchtehdrüben 2 Flämmchen auf und 2 SchüJ-se krachen. Die englischen Posten vom anderen Trichter-rande schießen. In der nächsten Nacht befiehlt das Bataillon einen Spähtrupp gegen den englischen Graben vorzuschicken. Freiwillig meldet sich niemand. Der Offizieranwärter Feldwebel Stein, ein Student. sagt mir, er sei der einzige Sohn, er könne A es seinen Elltern nicht antun. "Da gehe ich, " sage ich. "Wer geht mit?" Sofort meldet sich Unteroffizier 0. mit 2 Mann. Es ist nicht ganz finster. Wir kommen an den englischen Graben heran, ohne daß der Engländer etwas merkt. Mein Nebenmann flüstert mir zu: "Da steht der englische Posten. " Ich höre den Posten husten, kann aber von meinem Platze aus nichts erkennen. Wir werfen unsere Handgranaten nach der Stelle und ziehen uns dann zurück. Wir verschwinden in einem tiefen Trichter.

Der Engländer wirft uns Handganaten nach, die uns nicht treffen. Ergebnis: Die vordersten Gräben sind tagsüber unbesetzt, in der Nacht stehen Posten darin. Der Bataillonsführer erteilt eine Belobigung. Er ist im Zivilberuf Amtsrichter, nervö und ich renne mit ihm auch manchmal zusammen.

Einmal warenwir 6 Tage in den sm schlammigen Granatlöchern Flanderns-und kommen sdie Stiefel- voll Schlamm, die lueute ausgepumpt, in der Nacht gegen 5Uhr aus der vorde!eten Linie. Die Feldküche konnte nich"1 durch, weil die Straßen verstopft waren, um 4 Uhr fängt es vorn an zu trommeln. DerKommandeur, Hauptmann Vogt schickt den Befehl:" Sofort Abmarsch nach vorn in Bereitschaft, Reihenfolge: 11. Kompagnie usw. " Der Feldwebel! gibt gerade den Kaffee aus. Ich sage-fieben Sie erst Kaffee aus. Dannx verrechnen Sie die Kompagnie, die 2 ? Mann, die sich weigern, injstellung zu gehen, nehmen Sie fest!& " Da kommt schon wieder ein Bäte, die Kompagnie solle sofort antreten!Ich sage
dem L-eut-nant Steinbach: "Wenn aHles fertig, führen sid die Kom-
i
pagnie nach. Ich gehe zum Kommandeuf". Der Hauptmann Vogt istplit
seinen, Stabe schon auf dem Marsch nach vorn, er war sehr nervös. Ich erkläre ihm alles sumsonst l "(Ech werde Sie melden wegen Feigheit vor dem FeinAe. Weil Ihre Kompagnie zuerst eingesetzt werden soll, sind Sie nicht bald angetreten. " -"Ich mußdie Kompagnie fest in der
Hand haben, wenn es nach vorn geht. und die zwei Meuterer?"-"Bae Er-i
schießen Sie sie!"— Übernehmen sie die Verantwortung, Herr Hauptmann "ÄH, äh, äh, nein. &c. Haben Sie noch dtwas, Herr Hauptmann? "-"Nein. "

h"
Ich denke, das Regiment kennt mich besser. Ein "Frontschwein" 2 fällt nicht bald um. Wir kommen auf den Bereitschafts-platz und rücken nach zwei Stunden wieder in die Unterkunft ohne eingesetzt zu werden«
Bei der nächsten Stell-ung denkt der Hauptmann wieder an mich gibt den Auftrag, in den Morgenstunden einen Scheinangriff gegen den englischen Graben zu unternehmen. Die Engländer fordern Sperrfeu-;
erjan. Der Zug geht zurück und hat 5 Verwundete. Ich bin schon im ersten E englischen Graben, der unter Wasser steht auf 50 m dem Engländer gegenüber. Wir sehen uns von Angesicht zu Angesicht
und wechseln Handgranaten. Ich ducke mich mit meinem Burschen im Graphen und suches eine S. sichere Ecke. Überl/2 mJsteht Wasser im graben. Unsere Gummistiefel reichen ja bis an den Leib. Wir haben sie toten Engländern abgenommen. Auf der Höhe von Ypern lagen noch viele tote Engländer in voller Ausrüstung. Bei dichtem Nebel sind morgens öfter ins Vorfeiri gegangen, um Beute zu suchen, bis die Engländer den Lärm hörten und anfingen zu schießena) Ich ing nicht durch das Sperrfeuer zurück, sondern blieb in meinen Gummistiefeln im Wasser stehen vom frühen Morgen, bis die Dunkelheit einbrach. Dann kamen wir beide wohlbehalten zurück. Ich dachte dabei an den Hauptmann Vogt. +
Die Höhe 110
Die Höhe 110 in Isländern waipmit einem Betonbunker von militärischer Bedeutung. Sie war von den Engländern der 10. Kompagnie abgenommen worden. Mit der 4. Kompagnie lag ich am festlichen Hang der Höhe. Die Soldaten waren nur seicht eingegraben ohne Dckung gegen Artillerie. Ich lag mit dem Kompagniestabe in einem Betonbunker, der schoo-zum Nachbar-abschnitt gehörte. Er war übervoll. Draußen begann ein2
j
Beschießung mit mittleren Kaliber. Niemand konnte die Nase herausstecken, ohne zerrissen zu v/erden. Ich lauerte am Ausgang auf einen Angriff. Sobald das Feuer nachließ, sprang ich hinaus zujäem 2ug, wellcher am Hange lag. 6 Mann lagen tot. Bie anderen lagen da fahlgelb im Gesicht mit herausgequollenen Augen, gelähmt, unfähig ihr Gewehr zu laden, geschweige denn einem Angriff Widerstand zu leisten. Einer sagte nur:" „Unser" Kompagnieführer läßt sich nie bei uns sehen. S" Ich me hatte wieder einmal eine Vertretung bei der 4. Kompagnie. Ich schickte Meldung an das Btln. die ILeute seinen
jq. aj «iCqsi:TTOj:

+ Zusatz:
Da fällt mir der Gefreite Haseibach von. der 9. Kompagnie. 597 ein. Ich schicke ihn am Nachmittag mit einer4-Ieldung zum Batln. Er muß über freies Trichtergelänäe. Ich verfoge seinen Weg. Er bekommt englisches MG. -teuer und Fällt zu Boden. Ich denke, Öaß es aus ist. Doch siehe, Inder Dunkelheit kommter an. Er hatsich, als er besci sen wurde, in einen Trichter fallen lassen, So daß die Engländer glaubten, ersei tot. Als es finster wurde, setzte er seinen Weg fort.

4
durch, die schwere Beschießung so demoralisiert, daß ihr Kampfwert
/fiyl
gleich null ist. Die schweren MGs sollen /Batallon e. us zu den Engländern schießen, damit unsere Leute wieder etwas Mut fassen. Das geschah denn auch. Durch eig. e sumpfig" ?& ch schlL. rLre gefront, lag der englische g Graben in unserer linken Flanke. Dort standen ihre Artillerie-beobachter und leiteten das Feuer. Mit dem Fernglas schaute ich zu ihnen hinüber. Gleich hatte mich ein Scharfschütze erspäht und schoß nach mir nur ging die Kugel einen halben Meter vor mir inidie Erde und nur der Dreck spritzte mir ins Gesicht. Wir schössen auch hinüber, daß si?e ihren Stand verlassen mußten.



Hämorrhoiden
In dem nassen, schlammigen Flandern wurden meine Hämorrhoiden immer blutiger. Anfang Oktober kam ich in ein Lazarett von Seänn. Als der Rückzug der Truppe begann, kam ich nach Stettin. Am 11. November wurde ich entlassen. Der Stabsarzt riet mir, nicht zu m fahren, es sei die Revalution ausgebrochen und Offiziere seien vielfach ange-griffen worden. Ich hatte ja nach der Lazarettsntlas-sung Heimaturlaub oder Gnesungs"Urlaub zu bennspruchen. In Halle waren bei der Revolution Offiziere von Soldaten in die Saale geworfen und von einer Brücke aus erschossen worde. In Neiße wurden Offiziere abends aus dem Kasino verfolgt. Der Rückzug der Pronttruppen erfogte in bester Ordnung. In Feindesland war es notwendig, um vor den Bewohnern des feindlichen Landes w sicher zu sein. In der Heimat rückten die Truppen in ihre Garnisonen und die Truppenstäbe blieben eine lange Zeit, bis alles abgewickelt war. Auch der Rückzug, vor dem Waffenstillstand erfolgte in genau-
orüüüjy
em Planverfahren. Mein/hächte diee. Absetz -bewegungen in Belgien mit. - Er war vergessen worden, von derTruppe benachrichtigt zu werden. Als er frühen Morgen erwachte, x sah er den Bahndamm vor sich von den Engländern besetzt. Hinterisich sah er. wie die Zivilisten aus dnn Häusern kamen und schauten. Mit seiner Sanitatsflagge kam er unbehelligt davon.

Am 11. November 918 ging ich vor Abfahrt des Zuges austreten. Die o&ldaten sahen mich so sonderbar an. Ein Soldat sagte mir vor dem Zurückgehen:" Herr Leutnant gehen Sie nicht unten durc, man will ihnen die Achselstücke runterreißen. Ich ging acshalb quer über die Gleise. Im Eisenbahnwagen erzählte ich davon. Da hörte ich erst, daß ein Umsturz sei. Einige Stationen vor Berlin kam ein Feldwebel von den Maikäfern in den "Waggon und sagte, wir sollten uns die Achselstücke abmachena unjdie Waffen abgeben, sonst kämen wir in Berlin nicht durch. Wir tatenjes und steckten den cige-
i
nen Dolch und Revolver in den Koffer. Auf dem Bahnhof in Berlin war kein Bahnbenmter zu sehen, überall nur A-rbeiter- und Soldaten— rate. Um weiter zu fahren, mußte ich vom Anhalter Bahnhftf nach dem Schlesischen Bahnhaf. Ich konnte erst frühmorgens weiterfahren. Weil abends die Straßen gesperrtjwaren, ging ich in ein Hotel gegenüber vom Bahnhof übernachten. Wahrend der Nacht hörte ich immerTnfanterie-schüsse in derlStadt. Am anderen Tage nahm ich, eine Pferdedroschke, um it meinem Koffer zum Schlesischen Bahnhof zu kommen, unterwegs wurden wir öfter angehalten und am Koffer gerüttelt, ob ffen darin seien.

Bei Abffhrt des Zuges ging es durcheinander. Alles wollte nach Hause. Auf der Plattform, auf den Trittbrettern stände Soldaten. Sog?-auf den Wagendächern 1 riijr"ni lagen sie. Die Bahnbenmten waren macht los. Ohne Zwischenfälle kam ich in Lamsdorf an. Weil kein Omnibus ging stelefonierte ich den Getreidekaufmann Stenzel an, er möchte bei Linke eine Droschke für mich bestellen. "Ich schicke meinen Wagen, kam die Antwort. Eine Stunde später war die Droschke zur Stelle, und es ging nach Ranisch. Der Kutscher wollte mich bei Stenzel abladen. Da hieß ich ihn weiter nach Ranisch zu fahren. Bei Stenzel Wartete man auf den Leutnant Seifert und er kam nicht. Die Tochter von Stenzel hatte nämlich einen Leutnant Seifert aus Ostpreußen als Bräutigams Das ga. b Anlaß zdder Verwechselung. Nach Ablauf des Utägigen Urlaubs 2fuhr ich in Zivil nach Altenburg in Thüringen wegen meiner Entlassung. Dort traf ich den Regimentskommandeur Oberstleutnant von.. Hertel und seinen A jutantem Oberleutnant Nitzer, beide in uniform. Ich übernachtete ein-mal und erhielt meine Papiere.

Auf der Rückfahrt besuchte ich in Breslau meine Cousine Hruby auf der Herdainstraße. Sie hatten ein Haus mit 22 Familien als Mieter. Die Frau war Witwe geworden und hatte keine Lust, das Haus zu behalten, weil die Miete mit Papi bezahlt wurde und die Verwaltung viel Ärger bereitete. Ihre 20jährige Tochter hätte mich geheiratet, aber sie war evangelisch und doch ziemlich nahe verwandt. Ihre Mutter hatte ausgebildeten Kropf. Sie fuhr mit mir nach Ranisch, aber meine Mutter hat sie nicht freundlich aufgenommen.

Ich fuhr nach Pilzendorf zu meiner alten Schulstelle und hörte von den Plänen der Polen, Oberschlesien loszureißen. Der Schulrat wollte mich nach Tarnowitz haben, weil ich Offizier war und für den Selbstschutz geeignet schien, glaube ich. Ich meldete mich sofort in den Kreis Falkenberg nach Guschwitz, welches gerade frei war. Am 1. Janunr kam ich nach Guschwitz. Es war die höchste Zeit, denn am 1. März 1919 wurden sämtliche Versetzungen aus Oberschlesien gesperrt. Ich hätte die Insurgentenunruhen mit erleiden müssen und hätte nach der Abtrennung Ostoberschlesiens als Flüchtlingslehrer auf Wartegeld zu Mäuse gesessen. Vom 1. -20. Dezmber 1919 unterrichtete ich noch in Pilzendorf, ab 1. 1. 1919 in Guschwitz (Buchengrund)!



Guschwitz/Buchengrund/Goszowice, August 2015

Ich habe mich, als die Selbstschutzkämpfe in Oberschlesien nach der Abstimmung am 20. März 1921 entbrannten, auch zur Verfügung gestellt, aber nach der Erstürmung des Annaberges durch das bayerische Korps Oberland haben die Franzosen sich offen zwischen Insurgenten und Selbstschutz gestellt, sonst wären die Insurgenten in hohem Bogen aus Oberschlesien hinausgeflogen, denn das Städtchen Ujest vor Gleiwitz war vom Selbst snutz erreicht.

Die Polen breiteten die Abstimung vor mit einem ungeheuren Terror gegen Deutschgesinnte, sie drohten und versprachen jedem, der für Polen stimmte, eine Kuh und 4 Morgen Acker (Korfanty-Kuh, K. ein polnischer Redakteur und Propagandist).

Weil die Abstimmung 60 % für Deutschland ergab, hätte Oberschlesien deutsch bleiben müssen. Um das zu verhindern, setzten sich die Franzosen für eine Teilung Oberschlesiens ein. Das reiche, blühende Industriegebiet wurde sinnlos zerrissen durch den Vertrag von Versailles. Hitler kämpfte leidenschaftlich gegen die grausame Zerreißung Deutschlands durch den Schandvertrag von Versailles. Auf diese Weise war es Hitler leicht, bei jeder Wahl einen Stimmenzuwachs zu erhalten und an die Macht zu kommen.

Rotfront
Als ich im Januar 1919 durch das Dorf ging, saßen in der Dunkelheit die Rotfrontgegossen auf dem Teichgeländer und redeten, daß ich es hören sollte, "Der kann auch nicht grüßen. " Rotfrontführer war in Guschwitz der "Leutnant Köhler", ein Feldwebel vom Selbstschutz, der Unterschlagung gemacht und sich in Guschwitz festgesetzt und eine Wolf aus Guschwitz geheiratet hatte. Er arbeitete für die kommunistische Partei.

Das veranlaßte mich, einen Sportverein zu gründen. Im Sommer gab es Wettspieles Umzüge mit dem Kriegerverein zusammen veranstaltet, verbunden mit Kinderfest auf dem Truppenübung platz am Walde. Der Sportverein fand Anklang im Dorfe. Mit Freud machten auch Kriegsteilnehmer mit. Kommunistische Parteigänger -: m - f!. auch mit, brachen aber die Vereinsdisziplin durch j? Prügel leifi und wurden statutenmäßig ausgeschieden. Sie hatten sich ans-srb selbst isoliert und waren in der Gemeinde entmachtet. Ich hatte von dieser Seite Ruhe.

Der Sportverein hatte die Führung der Jugend bis zum 30. Januar 1933 , Hitlers Machtergreifung. Die Vereinsmitglieder gerieten sich mit der Hitlerjugend in die Haare. Ich löste den Verein auf und übergab Pauke, Trommeln und Querpfeifen der Hitlerjugend (Alfred Lakomy).

1933 war ich der Hitlerpartei nicht beigetreten und wurde jetzt vom Blockleiter umworben, von anderen (Bogon Richard, Gastwirt Hilger) offen, und von anderen Neidern im Stillen bekämpft. H. steckte sich hinter den Parteiapparat, um meine Versetzung zu erreichen. Ich wurde als Doppelverdiener der Regierung angezeigt durch die Partei.

Nur weil ich das Anwesen noch nicht übernommen hatte, und meine Schwiegermutter noch Besitzer war, wurde der Angriff abgeschlagen. Dann hetzte man die oberen Funktionäre auf meine Frau. Von H. besoffen gemacht, drohten sie meiner Frau mit Verhaftung in meiner Abwesenheit. Verhaftung hieß immer Konzentrationslager. Lehrer, die nicht der Partei angehörten, wurden bespitzelt und unter Druck gesetzt, denn Partei und Staat waren in einer Hand und waren allmächtig.

Im einem Dorfe bei Neustadt O. S. war der Mesner der Partei verhaßt. Die Partei wußte Rat. "Jemand" erbrach den Opferkasten. in der Kirche Man and ds. s Geld auf dem Felde des Mesners zerstreut. bxb. Der Mesner wurde mit Gefängnis bestraft. Es fand sich kein Rechtsanwalt, der es wagte, die Berufung gegen das Urteil zu übernehmen. Der Ortsgruppenleiter, der die Sache in Gang gebracht hatte, war Bürgermeister. geworden. Da meldete sich die Stimme des Volkes. Eines Morgens hing an der Haustür des Bürgermeisters ein toter Kater mit einem Zettel;
"Mein lieber Gemeindevater, wenn du nicht anständiger wirst, geht es dir wie diesem Kater. Ein der Partei mißliebiger Schneidermeister
in Steinau O. S. wurde durch Aufschriften an seinem Hause und Drohungen solange zugesetzt. , bis er sich erhängte.

Ganz vogelfrei waren die Geistlichen beider Konfessionen. In einem Dorfe bei Breslau wurde ein Pfarrer am hellen Nachmittage von gedungenen Banditen in seinem Pfarrhause ermordet. Das Recht und die Freiheit den Menschen wurden mit Füßen getreten. Ganz offen wurde verkündet: "Recht ist das, was dem Staate nützt. "

Um meine Frau ging es. Sie sollte in die NS. frauenschaft eintreten. Sie sollte, als sie eingetreten war, den Vorsitz übernehmen. Das tat sie nicht- 1935 trat ich in die SA-Reserve ein, damit ich vor den dauernden Angriffen sicher sein wollte. 1937 wurde ich in die Partei aufgenommen. In der SA- Reserve waren die Alten, welche so wie ich ohne Begeisterung für die Partei waren. Sie machten eben gezwungen mit. Alle Sonntage war jetzt Dienst, Exerzieren ohne Gewehr, ein Herumfummeln bloß, daß die Zeit totgeschlagen wurde Bei den Versammlungen mußten wir natürlich immer dabei sein und uns belehren lassen. Die Judenverfolgung wurde durch dauernde Hetze in den Versammlungen vorbereitet. Bei der Hetze gegen die Kirche saßen wir mit gesenkten Köpfen, durften aber unsere Missstimmung nicht an den Tag legen, sonst wären wir als Staatsfeinde sofort
in 77 D A/h gemaßregelt Worden. Dem alten Hauptlehrer Hiller welcher den Organistendienst nicht niederlegte, wie es die Partei verlangte, griff der Ortsgruppenleiter Pradel öffentlich an, spuckte vor ihm aus. Bei der Juden Verfolgung 1957 ließ man die SA. -Reserve zu Hause, weil sie nicht zuverlässig war. Ich mußte im Orte bei Versammlungen auch sprechen, wählte aber immer neutrale Themen z. B. die Vererbung oder die Zerreißung Oberschlesiens der Schandvertrag von Versailles etc. Dem Ortsgruppenleiter Pradel schmeckte meine Redeweise nicht und er forderte mich "bei einer Versammlung auf, abzubrechen und aus Hitlers Buch mein Kampf vorzulesen. ?, hielt ur. nicht linientreu.
Bei einer Großversammlung der SA in Wiesegräflich, Kreis Neustadt, hetzte der Brigade-Führer Ramshorn versteckt, aber scharf gegen Hitler. Er bereitete den Röhmputsch vor. Hauptmann Röhm war damals oberster SA-Führer und wollte Hitler stürzen. Es gelang ihm nicht, weil die Reichswehr der gewählten Hitlerregierung treu blieb. Röhm, Ramshorn, Heine und andere SA-führer aus Schlesien wurden damals auf Hitlers Befehl erschossen. , Bauernrevolte in Ranisch, Kreis Falkenberg-
Um die furchtbare Arbeitslosigkeit zu beheben, ließ Hitler Autobahnen bauen und auch Wasserläufe gerade legen. So wurde in Ranisch der alte Lauf der Steine durch den Arbeitsdienst reguliert. Die Kosten sollten aber die Bauern tragen. Das hatte man ihnen erst verschleiert, um ihnen die Sache schmackhaft zu machen. Als es zum Bezahlen kam, fand eine große Versammlung der Gemeinden statts welche zu bezahlen hatten. Der Saal des Gasthauses Goldener Stern in Friedland war bis zum letzte Platz gefüllt. Am Vorstandstisch saßen der Landrat und Kreisleiter Dr. Heintf, der Priäcdci s? Ortsgruppenleiter Kaufmann Scholz aus -uflrd S sämtliche Bürgermeister. Die Gemeinde Ranisch feierte an diesem Tage ihren Gelöbnistag. Der Bauer Michhalke aus Ranisch, welcher SA-führer und Feldwebel. hxac bei der Artillerie im Kriege gewesen war, sagte vorher: "Aber ihr Ranischer heut zeigt ihr mal, was ihr könnt!" Als erster Redner sprach der Ortsgruppenleiter Scholz aus Friedland. Da ertönten Rufe&&:" Der lump, der Ehebrecher, schmeißt ihn runter Es wurde keine Ruh, scrTe. r-. i i-im-r tolle-. Sch-ol- ;>. rle vqs Stuhle heruntergerissen. Der Landrat ließ den Rädelsführer festnehmen. Anls e-y vom Wachtmeister abgeführt wurde, riefen die Bauern; "Wir gehen mit, wir wollen auch einmal frei haben. " Der ganze Saal drängte zur Tür hinaus. Die Frauen wurden mitgerissen und kreischten. Der Verhaftete kam in das Büro des Amtsgerichtes, die Bauern alle mit. Mein Bruder schlug den Wachmeister mit dem Regenschirm. Der Wachmeister packte ihn am Kragen, aber weil er klein war, rutschte er nach unten weg.
Bei leerem Saal war die Versammlung natürlich für diesmal unmöglich geworden. Im englischen Rundfunk kam sofort:" Bauernrevolte in Schlesien. " Die Bauern gingen in das Gasthaus "Groß". Sie spendeten den Ranischern Lob und Getränke. Eine Woche später erschien die Gestapo in Ranisch und begann mit Einzelvernehmungen im Gasthaus Langer. Man wollte die Anstifter festmachen. Süindler wurde zuerst geholt. Er sagte nichts aus. Dann wurde Rieger vernommen. Er sagte nur: " Glauben Sie denn wirklich, wir seien so dumm und werden einander verraten. Da schlug der Geheime seine Akten auf den Tisch, und verschwand. Später hat man auf gütliche Weise die Bezahlung geregelt. Der Gasthausbesitzer in Julienthal war Kommunist. Er gab anscheinend die Nachrichten nach der Tschechei und von da gingen sie nach England.

Judenverfolgung
In Ellguth-Steinau, Kreis Falkenberg, war ein Landgut. Dieses hatten d i e ur Landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte eingerichtet. Die jüdische Jugend sollte vorgebildet werden für das Leben in Palästina. In der Nacht wurden die Zöglinge von einem Trupp ausgesuchter SA-Rowdys überfallen, aus den Betten gejagt und verprügelt. Die Bewohner von dem 2 km entfernten Städtchen Steinau wollen die Kiß-k;
handelten haben in der Nacht schreien hören. Wir hörten von den Judenverfolgungen in Neiße und Oppeln und sagten uns:" Das wird sich furchtbar rächen, " In Neiße schlugen die Landleute, welche zusehen mußten, die Hände zusammen, aber sie durften ihr Mißfallen nicht laut äußern, denn hätte man sie gleich mitgenommen. Da wurden Schaufenster der jüdischen Geschäfte zertrümmert, Möbelstücke auf die Straße geworfen und Juden mißhandelt. Schon Wochen vorher hatte man Leute belästigt, welche in jüdischen Geschäften Einkäufe machten. Beamte, welche S. jüdische Frauen geheiratet hatten, wurden bedrängt, wenn sie sich nicht scheiden ließen. Endlich wurde der Judenstern eingeführt, den Juden an ihrer Kleidung sichtbar zu tragen hatten, später verfolgte man auch Juden. weiche getauft waren (Halbjuden). Die Tötung und Vergasung der Juden hat man möglichst lange geheim gehalten. Ich habe die erste sichere Kunde davon in Rußland erhalten. Im September 1941 berichten mir Unteroffiziere meiner Nachschub-Kompagnie wie in einem Panzergraben bei Nowgorod Juden erschossen wurden. Die SS verhinderte dis Soldaten, der Erschießung zuzusehen.
Nach der „Kristallnacht" 1937 begann die Auswanderung der Juden nach Palästina, nach Frankreich, England und Amerika. Hitler baute ganz eilig die Wehrmacht auf.
Im Alter von 45 Jahren wurde ich angefragt, ob ich eine Offiziersübung machen wolle. Ich lehnte ab, denn als Friedensoffizier wäre ich verpflichtet gewesen, die Offiziere, die Auf den Truppenübungsplatz /Immer kameradschaftlich aufzunehmen. Das hätte allerhand Aufwand verursacht. Ich wollte auch nicht daran glauben, daß Hitler einen Krieg anfangen könnte. Er war doch Frontsoldat.
Wir Frontsoldaten haben niemals an die "Dolchstoßlegende" geglaubt, sondern wir haben mit eigenen Augen gesehen, daß Deutschland gegen die Überzahl der Feinde zu schwach war. Im 2. Weltkriege glaubten die wenigsten alten Soldaten an einen Sieg. Als die Landsturmregimenter im Herbst nach Polen ausrückten war es eher ein Trauermarsch, wenn ich damit vergleiche die lodernde Begeisterung von den Augusttagen 1914.

Überschwemmung
In den letzten Augusttagen JkSS 15;$ö wurde Neiße und die Dörfer unterhalb des Ottmachauer Staubeckens von Überschwemmung heimgesucht. Das Ottmachauer Staubecken hatte Wasser aufgespeichert, um den Wasserstand der Oder zu regulieren. Da setzten gleichzeitig starke Regengüsse ein. Die Freiwaldauer Biele, ein Gebirgsflüßchen kam mit einer Flutwelle von 2 m über normal durch die Stadt Neiße. Aus Furcht vor einem Dammbruch ließ man auch das Staubecken zu gleicher Zeit Laufen. Früh lief das Wasser durch die Straßen der Stadt. Bs füllte die Keller drang in den Lagerräumen ein. Das Cafe Irmer und zahlreiche Wohnungen stände n 50 cm unter Wasser. Viele kleine Häuschen in der Vorstadt an der Biele wurden weggerissen. Das Wasser drang in die prüfte der Jakobuskirche ein. Der Eisenbahnverkehr nach Neiße wurde unterbrochen. In einem Hause 2 flüchteten die Hausbewohner in der Nacht vor der eindringenden Flut in den 1. Stock. Im Erdgeschoß isai blieb das Stenrinlicht auf dem Tische stehen, dörfisch fiel um und das Bet-lj fing an zu brennen.
Auf den Dörfern an dem Neißefluß wurden Schweine und Kleinvieh in den 1. Stock gerettet? -1, Tf-rd-. uic. Kühe neben den Pontons der Pioniere durch die Fluten gezerrt. Die Straßen waren, an vielen Stellen überflutet. Dar Schaden war auf etwa 15 Millionen °-i_ geschätzt. Zwei Pioniere waren bei den Rettungsarbeiten ertrunken.


Hochzeit
Am 8. September 1920 feierten wir in Guschwitz unsere Hochzeit. Vorher hatten wir aus den Stall zwei Stuben eingerichtet, so daß wir eine Küche, 5 Stuben, eine Giebelstube und. den Laden für uns und. die Schwiegermutter zusammen hatten.
Die Trauung war um 8 Uhr, weil der Pfarrer von Psychod nicht anders Zeit hatte. Guschwitz war nämlich Filialkirche von P. Außer den Verwandten nahmen daran teil die Lehrer Müller (Guschwitz), Krach(Tillowitz), Metzner und Schinzel (Sabine) und ein Zahlmeister vom Truppenübungsplatz Lamsdorf. Nach der Trauung marschierten die Gäste mit Musikkapelle in Hilgers Gasthaus zum Tanz. Das Brautpaar blieb in der Wohnung. Um 12 Uhr wurde das Hochzeitsmahl in der Wohnung eingenommen. Gegen 4 Uhr nachmittag wurde fotografiert, darauf ging der Tanz im Gasthaus weiter bis 9 Uhr abends. Um diese Zeit gab es ein reichliches Abendessen, worauf die in Musikanten weiter zum Tanz aufspielten, bis etwa gegen 1 Uhr nachts Schluß gemacht wurde. Am nächsten Abend fanden güte Nachbarn und etwa bisher vergessene Freunde des Hauses zu einer kleinen Nachfeier im engsten Kreise ein.




Guschwitz/Buchengrund/Goszowice, August 2015
Schule
Die Schule des Dorfes war zweiklassig. Schulleiter war der Lehrer Müller. Er war 10 Jahre älter als ich. Er war verheiratet und hatte 5 Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Er war ein tüchtiger Bienenzüchter und betrieb auch S Landwirtschaft, denn zur 1. Lehrerstelle gehörte auch, den Obstgarten eingereächnex etwa 2 ha Land.

Wir besaßen Äse etwa 0, 5 ha Acker, 0, 75 ha Wiese und 0, 15 ha Obstgarten. Unser Garten grenzte an die Wiesen der Bauern, welche der Kotschinbach durchfloß. 200 m hinter den g Garten begann der Nadelwald. Das Land bewirtschafteten wir selbst. Wir hatten meistens 2 Kühe, 2 Schweine, Hühner, Gänse und Tauben. Im Juni standen wir einigemal um ;i Uhr morgens auf, fuhren mit einer Kuh inSdie Beresine, um mit dem Ruhrhaken die Kartoffeln zu behäuf ein. Um 7 Uhr ging ja schon die Schule an. Meine Frau führte in der Hauptsache den Laden. Fast immer beschäftigten wir eine Hausgehilfin. Die S Landwirtschaft. hatte einen Sinn während der Zeit, in welcher die Lebensmittel rationiert waren. In normalen Jahren lohnte sich die Arbeit wenig. In der größten Inflation hat die Schwiegermutter den Laden geschlossen. Die Papiermark stand auf einer Million. 1925 kam die neue Währung. ä Da hatten wir die Rentenmark. 1928 wurde die Scheune neu gebaut. In der Scheune wurde eine Remise eingebaut, welche als Warenlager
für ans Geschäft benutzt wurde. Körperlich war ich viel beschäftigt. Im Herbst wurde im Walde oder auf den Schießplatze Streu für das Vieh genäht. In der Schule hatte ich den 1 -4. , Müller den 5. -8. Jahrgang. Nach dem 1. Weltkriege wurde der Heimatkunde-Unterricht besonders gepflegt, Schulwanderungen neu eingeführt. Weil der Lehrer Müller wenig dafür zu haben war, fing ich an und machte mit der Oberklasse eine Fahrt mit der Bahn, einmal nach der Bischofskoppe mit Ziegenhals und Zuckmantel, einmal nach der Heuscheueij und Wartha. Damals machte man den Anfang mit der landwirtschaftlichen Berufsschule. Sie war erst freiwillig, dann Pflicht Den landwirtschaftlichen Unterricht mußte ich erteilen. Eine unbezahlte Nebenbeschäftigung war der Sportverein. Als Doppelverdiener. Lehrergehalt und Geschäft der Schwiegermutter haben mich die Leute beneidet. Wenn ich heute zurückdenke muß ich eingestehen, umsonst war alles. Mehr Wert haben Arbeit und Geld, welche in die Erziehung der Kinder gesteckt werden,

Hausbau 1 9x o

1928 hatten wir eine neueTflit Remise und. einen neuen Stall gebaut. A950 wurde der vordere Teil desas alten Hauses weggerissen und größere. 6 (°m x 11 m) gebaut wy w Erdgeschoß und ein Stockwerk. Die Neißer Ver einsbank, "bei welcher wir unser Sparguthaben hatten, machte Pleite, unser Geld wurde gesperrt. Wir erhielten es erst später nach der Sanierung der Bantf durch den Stant. Wir mußten Geld von Privatleuten und vom Großkaufmann Ludwig aus Löwen borgen. Der Kreisbaumeister fertigte die Zeichnung. Den Bau führte der Mauerpolier Franz Hoffmänn aus Guschwitz aus. Er war der Cousin
meiner Frau und ein alter, erfahrener Baumensch. Der Bau ging gut von statten. Im Alt-und Neubau hatten wir jetzt einen Laden(40 qm) 1 Küche, und 7 Zimmer -Wir hatten, so gebaut, daß wir im Alter oben gewohnt hätten. Einige Jahre vorher hatten wir im Hofe einen neuen Brunnen gegraben und Wasserleitung ins Haus gelegt und einen Brunnen im Gemüsegarten angelegt. Drei schöne Keller waren vorhanden. Dieselben hatten einen Eingang von der Wohnung und einen Eingang vom Laden her. An der Hofseite des Hauses war ein Weinspalier, an
dem Straßengiebel ein Rosenspalier. Im Hofe stand ein Nußbaum und ein Kirschbaum, an der Scheune ein Pfirsichspalier, die Obstbäume im Garten waren im besten Ertrag. Arider Straße-undlzu beiden Seiten des Laden-ganges war ein schmiedeeiserner Zaun, über dem Ladeneingang ein Rosenbogen. Das ladengeschäft ging gut. Ich konnte mein Gehalt hineinstecken. Aber niemand ist vor dem Tode glücklichzu preisen. Am 1. September hörten wir früh um 2 Uhr Flugzeuge dröhn und ich sagte zu meiner Frau: " Krieg mit Polen. " Am nächsten Tage kam durch den Sender Gleiwitz ein Gefummel. Dann hieß es, Polen wären in die Sendes-cation vorübergehend eingedrungen, es war nur ein vorgetäuschter Überfall, den die Hitlerleute fabriziert hatten. Während den Polenfeldzuges habe ich zuftinuse gesessen. Polnische gefangene kamen in das Lager Lamsdorf. Die in Ostoberschlesien geboren waren, wurden s. ls Voksdeutsche III nach kurzer Zeit in ihre oberschlesische Heimat entlassen. Das Gefangenlager Lamsdorf hatte als Kommandanten den 70 jährige Obersten von Kleint. Derselbe war sehr korrekt. Eine Sendung Kommißbrot für die Gefangenen war ver schimmelt. Er übergab sieden Bauern für das Vieh. Die Bauern wollten das Brot blank verfüttern, dachten aber nicht an die Beschaffenheit des Rindermagens, und so gingen im Dorf 5 oder 6 Kühe kaputt. Pfarrer Thomas übernahm die Seelsorge bei den Gefangenen. Die Gefangenen wurden

sonntags in die Dorfkirche von Lamsdorf geführt. Das paßte den Funktionären nicht. : Sie nannteN den alten Oberst einen Bucklinsky. Die polnischen Offiziere ux die Priester wu en herausgencHnmen und
- - anch Westfalen gebracht.
Oberst. Eritsch von der Heeresleitung paßte den Nazis nicht durch streng; katholische Geistesrichtung. Er wurde versteckt gemaßregelt.
- l? i;erhJLelt/di Eührung?e:LM
. j-jffder. Spitze seixer ruppe. bsi eixeB Sturmangriff. fe & (Er wollte f al-
Len) Als der Krieg gegen Polen ausbrach, melde te ich ä freiwiltig., beini. . Bezirkskommando Oppeln. Es geschah aus einem nachhall des vaterländischen Geistes, der uns 1914 getragen hatte. Beim Bezirksk, ommando war ich aber schon eingeteilt als Leutnant zur Verfügung (z. V.) zu einem Baubataillon, welches im Frankreichfeldzug eingesetzt werden sollte. So erhielt ich meine Einberuftung im April 1940 nach Hirschberg zu einem Baubataiollon, welches im Frankreichfeldzue eingesetzt werden sollte. So erhielt ich meine Einberuftung im April 1940 nach Hirschberg zu einem Baubataillon 601. Wir lagen in Hirschberg in der Neumannkaserne. Dort besuchte mich meine Frau eines Sonntags. Ich lebte da besser als zu Hause. Seit dem Polenfeldzug musste ich in der Schule zu Kleuschwitz vertreten. Der Weg über den Schelißplatz wwar meistens gestperrt, und ich musste über Schgadeberg mit dem Rade fahren. Daneben hätte man mir alle Part einrbeit aufgehalst, Winterhilfswerk, Sammlung von Altmaterinl und Schrott, Versammlungen etc. Nach dem Zusammenbruch hätten mich die Russen mitgeschleppt oder die Polen im Konzentrationslager Lamsdorf krepieren lassen. Der Lehrer Müller ist im Lager Lamsdorf umgekommen. Mir wäre es nicht besser ergangen. M. war in keiner Partei, aber er zählte eben zur führenden Schicht und musste dran glauben.



Alte Postkarte von Guschwitz/Buchengrund

Feldzug gegen Frankreich ;1940

Während des Polenfeldzuges besetzten zusammengewürfelte deutsche Truppen des. Westwall. Das war eine deutsche Verteidigungslinie an. der Westgrenze entlang. Sie war errichte-tlgworden, um die Franzosen während des Polenfeldzuges sich vom Leibe zu halten. Die Kampfkraft der Westlwallbesatzung war fraglich, aber die Franzosen griffen sich den Westwall an, ihre Politiker wie auch die englischen zögerten. Sie hatten ihre Maginotlinie viele Jahre ausgebaut. Von Norden nach Süden die ganze Grenze entlang lief ein Schützengraben mit doppeltem Drahthindernis. Wo eine Straße die Linie durchs ehalt t, waren Panzersperren aus Beton und Eisenschienen errichtet. Mächtige Betonbunker mit mit Panzerkuppein für MGs und Geschütze verstärkten die Iiisie> ünter der Erde lief es. Gleise, Welche die wichtigsten BuBiker" mit einander verbanden. "VerbaB-dplätze un-d Munitionsslager war eini unter der Erde angelegt. Die. Tage vor dem deutschen An-griff. wurden. die Bunker durch einen. Gürtel-voa Tllermifcaen gesichert. Etwa 6 m unter der Erde waren die Schlafräume für die Soldaten

Auf. einer eisernen Leiter stiegen Die Verteidiger hinauf inü-ie MG-kuppel. Die 2 französichen Soldaten lagen inn. den Dörfern in Quartieren bereit. Die Bmiker waren vos italienischeis. Arbeitera erbaut-. Es war ntcht schwer, "die Beschaffenheit derselben zu erkunden. Darnach stellte man Paszersgranaten. her, welche die Bus— ker. durchschlugen. Den. entscheidenden. Schlag hatte die, deutsche Luftwaffe mit ihren Sturzkampfbombern zu führen.
Enwaren Bombenflugzeuge, sie waren, eingestellt auf einen Sturz bis 500m über die Erde. Sie stürztein. aus 2 000 m auf das Ziel herunter und öffneten den Bombenschacht, bei 500m über der Erde schaltete sich das Flugzeug automatisch um zum wangredhten Kurs. Durch. das ungeheure Gedröhn zwangen sie jeden, Deekun-g zu nehmen. Sie hatten eine -große- Treffsicherheit und die Sprengwirkung war sehr groß«, Ss entstanden Trichter vor 5-4 m Tiefe.
Schlagartig wurden die S französischen Flugplätze im Morgengrauen von deutschen Stzikas zT-isammengeschlagen und die Mehrzahl der abgestellten Flugzeuge vernichtet. Fallschirmjäger landeten auf hollgB
dischen Flugplätzen und an Punkten, an denen deutsche Panzerdurchbrüche geplant waren. Ich habe französische Bunker. gesehen, welche von deutschen Panzergranaten durch-löcherte Panzertürme uncijseh-schlitze hatten. Die Panzer brausten nach denut ersten Durchbruch rücksichtslos vor und brachten die. französchen -Truppen in Verwirrung.

Bei Zusammenstößen zwischen deutschen und französischen Panzern waren die deutschen meistens im Vorteil durch die neuen Typen. Auf den Schlachtfelders sah ich die französischen Panzer vom ersten Weltkrieg liegen mit den kurzen Geschützrohren. Französische Zivilisten erzählten, französische Soldaten seinen von ihren Dorfquartiern erst gar nicht in Stellung gegangen. So groß mag der Schock der Panzerdurchbrüche gewesen sein. Viele französische Panzer wurden durch unsere Geschütze, in einem Falle hörte ich, auf 18 00 m Entfernung erledigt. Mehrere große Panzerschlachten fanden in der Gegend von Lenz statt. Ein großer Teil der französischen Zivilbevölkerung war auf der Flucht nach der sRanischen Grenze. Die Furcht vor den Deutschen hatte eine richtige Panik ausgelöst. Männer Frauen- und Kinder wanderten zum Teil zuFuß auf-den Straßen entlang.

Die deutsche Wehrmacht stieß auf den Straßen vor. Die Zivilisten abseits der Straßen gerieten unter zurückweichende französische Truppen und hatten auch Tote zu beklagen. Wir wunderten uns, daß die Zivilisten in der überwiegnden Mehrzahl flohen. Wir hielten es für Unsinn. Deshalb gab ich auch meiner Frau den Rat, bei einem Einmarsch der Russen nicht zu fliehen, sondern zu bleiben.

Aber Stalin wollte ja die deutsche Bevölkerung aus den deutschen Ostgebieten vertreiben. Deshalb gab er seinen Soldaten 5 Monate Plünderungsfreiheit und erklärte für diese Zeit die deutsche Frau als Freiwild. Wie Hitler gegen die Juden, so ging Stalin gegen die Bewohner der eroberten Gebiete mit aller Grausamkeit vor. In Ostpreußen waren von den Russen nackte Frauenleiber an Scheunentore genagelt, Furcht und Schreckten eilten den Russen voraus und folgten ihnen nach.

Zynisch behauptete Stalin seinen Verbündeten gegenüber, die Deutschen hätten freiwillig das Land verlassen. An anderer Stelle hieß es, die Einwohner hätten die russischen Soldaten mit ihren, Schmucksachen und anderen Dingen beschenkt. An anderer Stelle soll vom Russenterror die Rede sein ; nun zurück nach Frankreich.

In den französischen Dörfern standen stehengebliebene französische Fliegerabwehrkanonen. Sie wurden als Beute gesammelt. Am 15. Juni war der Waffenstillstand. Einige Tage vor dem Waffenstillstand V/Q. res. wir in Frankreich angekommen. Wir hatten Beute zu sammeln, 8. gesprengte Straßen fahrbar zu, machen, Beutegeschütze zu verladen, Züge zu beladen und entladen. Nebenher lief - - " - W - - . . . Ausbildung am Gewehr und MG. Die großen Öltanks mußten gegen englische Flieger durch Sandsackbarrikaden geschützt werden. :
14 " " " Bei den verschiedenen p. fträgen, S den Zustand der. Straßen zu erkunden, hatte ich Gelegenheit, Kriegsgräber und Schlachtorte vom ersten Weltkriege zu besuchen.
Die Kampfmoral der französischen Soldaten im 2. Weltkriege scheint nicht weit her gewesen zu s ein. eina ältere S "bsssere Frau erzählte die Franzosen hätten sich immer gerühmt, allerhand neue Errungenschaften für den Kriegsfall zu besitzen. Jetzt habe sich das Gegenteil heraus gestellt. Auf den vieles Kanälen in. Belgien lagen zahlreiche Kähne mit Kohle und Lebensmitteln für Kriegszwecke beladen. Sie waren vor dem Rückzuge des Feindes alle versenkt worden. Kur 2 Kähne waren nicht versenkt. Sie waren mit Stoffballen für Militäruniformen beladen. Wir hatten die beide Kähne auszuladen. Es war Heeresgut und wanderte zu dennS. - Armeeversorgungsämtern. Weil die Versuchung zu stehlen nahelag und verschin. deÄe Zahfemeiter undSTäbe sich Stoffe vom. den" Beutekähnen holten, lleß derK& Kompagnieführer mehrere Ballen aholen und vom Kompagnieschneider so zerschneiden, daß pro Kopf der Kompagnie 5s50m SToff K kam. Das konnte jeder in seinem Urlaubsgepäck mit nach Hause nehmen.

Lichtmeß
1941 lagen wir in Gent. Ich ging jeden Tag zur heiligen Messe in die nächstliegende Kirche und auch zur Kommunion. Am 2. Februar wurde Lichterprozession gehalten. Ehe ich mich versah, kam der Mesner mit einer brennenden Kerze auf mich zu. Ich wollte k ein Aufsehen erregen und ging in Uniformy mit der Lichterprozession durchaie Kirche. Der Hausherr war ein flämischer Universitäts-professor. Er und seine Tochter sprachen deutsch. Die meisten flämischen Geschäftsleute konnten deutsch. Gent ist die Blunenstadt. die Flamen waren den Deutschen nicht feindlich gesinnt.


Warthegau

Im Frühjahr 1941 wurden wir nach dem Osten verlegt. Die Juden sagten: "Es kommt zum Krieg mit Rußland." Wir wollten es nicht glauben. Hitler hatte doch eben einen Nichtangriffspakt mit Rußland geschlossen und die Getreidelieferungen von Rußland nach Deutschland waren in vollem Gange. -. Wir meinten, es könnte anch dem Balkan vorstoßen werden. Wir waren von jetzt ab Nachschubkompagnie 610 und waren dem Transportregiment 605 zugeteilt. In Posen, der Stadt mit dem Kaiserschloß (Posen war bis 1919 eine deutsche Provinz) luden wir Benzinfässer aus den Eisenbahnwagen aus. Wir rückten dann über die alte Reichsgrenze von 1914 vor nach dem Kongreßpolen. Welch krasser Unterschied! ln der ehemaliges deutschen Provinz Posen freundliche massive Ziegelhäuser, auf der altpolnischen Seite kleine Lehmbuden mit Strohdächern eng aneinandergebaut. Auf der deutschen Seite gute Straßen, auf der polnischen Seite Sandwege mit tiefen Gleisen.
Unser nächstes Quartier war Hinterberg (Zorogow). Es war ein kleines
Städtchen. Hier mußte die Kompagnie am 20. April 1941 Hitlers Geburtstag feiern. Die Kompagnie und der Bataillonsstab stellten sich auf dem Ring der Stadt (Marktplatz) auf. Der Kompagnieführer Oberleutnant Bosselmann hatte mir die Gedenkrede zugeschoben. Er brachte nur das Hoch auf den Führer aus. In dem Städtchen lag mitten der Marktplatz, dann gab es noch zwei getrennte Plätze für Viehmärkte. Die Stadt war ihrer Anlage nach nach dem Magdeburger oder dem deutschen Recht ausgesetzt ebenso wie Krakau, Warschau und andere Städte Polens von deutschen Kaufleuten erbaut. Durch den Zuzug der polnischen Landbevölkerung wurde aber ursprünglich deutsche Gründerschicht von der polnischen Zuwanderung aufgesaugt. Ich sprach also nicht über den "glorreichen Führer", sondern über die Deutschen als Kulturpioniere, deren Arbeit an der Entwicklung eines Landes willkommen ist, die aber dann abtreten müssen oder hinausgeworfen werden, denen man Kolonien und selbst uraltes deutsches Land wegnimmt.
In Hinterberg konnte ich das traurige Los der Juden mit eigenen Augen sehen. Den Juden war das Betreten der Straße verboten. Wer von ihnen auf der Straße angetroffen wurde, hatte von der SS Schläge mit dem Gummiknüppel zu erwarten. Oberleutnant Bosselmann lag in einem Qaurtier über dem Polizeirevier. Er hörte jedesmal die Schreie, wenn Juden mißhandelt wurden. Er fand es unerhört und meldete die Mißhandlungen nach oben. Ob jemand darauf reagiert hat, habe ich nie erfahren. Die Juden sah man auf dem Felde umherlaufen. Das war ihnen der einzige erlaubte Aufenthalt.
In einem anderen Städtchen wurden wir in einem Franziskanerkloster einquartiert. Bis Wände waren mit herrlichen Gemälden geschmückt. Ein deutscher Franziskanermönch Schwarz hatte sie gemalt. Sie waren deshalb unter militärischen Schutz gestellt. Einige Mönche hatte man zurückgelassen, um die Malereien zu hüten. Die anderen waren fortgeführt worden.
Is einem unserer Quartiere war die Kirche geschlossen, die Kirchentür zugenagelt, der Pfarrer weggeführt worden. In demselben Ort hatte die SS gemauerte Wegekapellen niedergerissen und den Weg damit ausgebessert. In einer solchen Kapelle zertrümmerten die Teufel eine Marienfigur. Daraufhin wurde die Eigentümerin vom. einem Nervenzusammenbruch erschüttert. Die Polen aber sagten: „Die Deutschen müssen sich sehr stark fühlen, daß sie schon mit den Heiligen Krieg führen.“ In einem Orte haben die Polen eine Marienfigur im Stroh versteckt.
In einem Dorfe vor Warschau traf ich einen Kriegsinvaliden von 1914-18. Er hatte das EK I und II vom ersten Weltkriege. Er war aus der Provinz Posen. Dort hatte er einen Motordreschkasten geführt, um auf den Dörfern zu drsschen. Nach dem Schema f wurde er von der SS nach Kongreßpolen getrieben.
Unser Vormarsch ging Kichtung Brest. Ein 80 km breiter sumpfiger Waldstreifen war zu durchqueren. Nadelhölzer von 15 m Länge wären als Knüppeldamm neben einander gelegt. Sie waren unter den schweren Fahrzeugen oft gebrochen und durcheinandergeworfen. In diesem Streifen hatte Polen absichtlich den Straßenbau vergessen, um im Kriegsfall dem Feind das Vorrücken zu erschweren.

Brest-Litowsk war die erste russische Grenzfestung. Sie war von den deutschen Truppen überrascht worden. Es war—k eine moderae S: Fcstung, sondern alte Ports, (anlte aber ein Garaisoa. Als wir mit dem Transportregiment 605 durchzogen, fielen immer einzelne Schüsse auf die Marschstraße. einzelae Flintenweitier und Partisanen hatten sich in den, aiten Ports festgesetzt. Die Kase-raen in Brest waren verlassen und brannten. Sie waren von den Partisanen in Brand gesteckt worden. Danach ging es durch den nördlichen Teil dei Prip jetsümpfe. Immer auf
der einzigen Straße entlang. An der Straße gdhaten die großen Bom-bentrichter. Hier müssen unsere Stukas den Rückzug der russischen Truppen bombardiert haben. Baranowitschi, Minsk, Berissow, Smolensk,
W anma, weiter Richtung Tula, aweiches voa der TOs Panzerdivision
angestsusrttwurde /S S~67ay—We-tSrußland, das Gebiet südlich voa Litauen.
Auf der Strecke voa Brest anch Minsk wurde die Marschsfräße immerfort von Russen gestört. Der Kessel voa Biniystock hatte immer M och Lücken, aus denen aoch längerelZeit Russen ausbrachenBai Prußana an cLsm kl einan Füßohen Rom ogan—otand eine dautoche mit Pferden :

. -+Zusatz
Mit dem Transportregiment 605 kamen Nachts gegen 2 Uhr anTSie schwersn lastvagsa. wa -n ir-it Benzin belades.. Die Spitze der Kolonne hielt am Ortsausgang an (ler Brücke über die Rosona. Der Verlauf der Front War uns nur schätzungsweise bekannt nach de Feuer der a. Artillerie vor uns. Auf einmal hörte das Artilleriefeuer auf und ich hörte :"Hurrah!&" Also mußtes die Russen unser Artilleriestellung gestürmt habes. Über der Brücke kam eis liieut-nant von der Artillerie sIch trug Ihn sach der Lage anner Front. -Er wich mir enas undging weiters Ezwollte sich drücken- Bas war. für mich genug. Bäwar eis großer Holzplatzauf der einen Seite... des. Baches. Schützt er gegen Panzer oder nicht? Auf der andern Seite des Baches war eine tiefliegende Wiese. Da bleiben die
— " . " "/. :. —7 ". "-, "- -Botche. s- . v/ - - -;:. P. an2e. r- im Schlamme de s/ü leckes oder auf deriw-ichen Wieses (
Ich sage also dem Hauptmann des Transportregimentes:" Die Lage ist hier tun. geklärt, -ich habe den Verdacht eines feindlichen Durchbruchs. Wir müssen, sofort sichers. Wir gehen auf der Wiese vor weges Panzergefahr« Die jungen Soldi ätjsn" yom Transportregiments wollten etwas erleben. Das "kam ihnen gerade recht. Mit Gewehr, Handgranaten und kleinem MG stürmten sie auf die sumpfige Wiese, welche ich eigentlich mit meinen alten Landstürmern besetzen wollte. Ich ließ deshalb meinen Zug zur Deckung der Wagen und ging selbst mit meinem Burschen vor, um zu erkunden. An einem Wasserloch stainden 2 Zivilisten. mit einigen Pferden. Ich fragte;"yb ist der Russe?-? "Hinter dem Walde. "
-Das konnte nicht stimmen. Ich ging mit meinem Burschen zurück. Kaum3E l sind wir am ersten Hauschen vorbei, so wird schon hinter mir her geschossen. Es sind allem Anschein nach Flintenweiber, B die sich — am Vortage eingeschlichen haben und dane BR die den Ausbruchsversuch unterstützen sollen. Auf der Brücke ist ein deutscher Panzer
, aufgefahren Er lag zur Reparatur in dem Städtchen Der Panzerfeldwebel sitzt stolz a ob en auf dem Panzer ohne Deckung. Da peitschen 2 cm Brandgeschosse auf dsn Ortseingang. Dem Panzerfeldwebel
wird der Oberschenkel zerschmettert. IPera Panzer fährt zurück.

Die mit Schindeln gedeckten Häuser fangen an zu brennen. Die Häuser- ziLfe beiden Seiten der Straße brennen. Die Benzinwagen müssen weg, wenn sie. nicht, in die Luft fliegen sollten. -. Aber die Leu—
, voni605: haben die Schlüssel von den Wagen. Nach einigem Durchein—ander
werden -dis Benzinwagen aus der Gefahren. zone gezogen. v/oöje 2p"üssische-;Panzer ufi-d 4 Iinstkraft nit Soldaten besetzt kamen im Morgengrauen angefahren. Ein deutsches Panzerabwehrgeschütz steht
am Wege hinter einem HügeMm Getreidefeld. Es ist gedeckt gegen Sicht und eröffnet das Feuer auf kürzeste Entfernun. g. Die Lastwa gen brenÄca. Die Russen springen ab. Die Tanks (Panzer) verlassen die Straße und bleibes, stecken. Die Leute von 605 beschießen die §ussen aus der Flanke. Dana waten sie durch den Bach und machen ihaer den Garaus. Ein Plintenweib fällt neben dem Offizier. Die FliÄten— weiber trugen Stiefel, einen blauen Rock, S eine graue Regenjacke und eiM weißes Tuch auf dem Kopfe. Unter der Schürze trugen sie
eine Maschinenpistole. So versuchten sie als harmlose Frauen im
Ort aufzutreten. S img günstigen Augenblick die Maschinenpistole hervorzuziehen. In Gefangenschaft gingen sie stolz wie die Reiher- Gegen Mittag kam eine Kompagnie deutscher Infanterie und gingen gegen die in den Ort eingedrungenen Russen vor. Bei diesen Säuberungen fielen noch 2 Offiziere der Infanterie und mehrere Soldaten. Die meisten Häuser in diesem Gebiet standen auf Pfählen, sodaß der Fußboden aus Bohlen bestand und etwa 70 cm über der Erde war. Man konnte unter dem Fußboden hindurchkriechen. Das hatte s einen Grund darin, / maÄ gegen eilfte plötzliche Flut sicher sein will. Der Übergang vom Winter zum Sommer erfolgt dort ganz plötzlich- Ende April- Anfang Mai- Dann wird alles überflutet. Es ist im Memelgebiet und im Warthegau dasselbe. Dann ragen nur die Straßendämme{aus dem Wasser und wenn die zurückkehrenden Zugvögel ruhen wollen, sitzen sie in großen Scharen auf. der Straße. In Weißrußland war die. Bevölkerung nicht feindlich gesinnt In Börissow vor Smolensk yrsstv. hielt der katholische Divisionspfarrer einen katholischen Gottesdienst für die Soldaten des Nachschubs.
Die Kirche des Ortes hatte den Bolschewisten. als Warenmagazin gedient. In den meisten Dorfern diente die Kirche als Getreidesilo. In B. strömten die Frauen und alten Männer herbei. Sie räumten die
"Kirche aus, sie brachten Heiligenbilder, Kreuze und Blumen herbei« Sie füllten die hintere Hälfte der Kirche. Die älteren leute wein-ten. Die 10 - 15 jährigen machten lange Hälse und schauten neugierig. Wir frugen die Leute, wo(sie - auf einma3 die Bilder ujad Figuren her— bringen. Stt Sie sagten, sie hätten sie versteckt gehabt. Die Bewohner Weißrußlands und der Ukraine hätten die Befreiung vom Bolschewismus dankbar empfunden und wären mit den Deutschen mitgegangen, hätte nicht -«rajseiner Religionsbekämpfung und an seiner Vernichtungstheorie gegen andere Völker festgehalten. Ich habe auch der Berliner Hitlerzeitung von der Stimmung unter der Bevölkerung der eroberten Gebiete berichtet. Als Antwort kam nur. Sie würden zu gegebener Zeit davon Gebrauch machen.
eines Tages brachten. Frauen ihre Kinder zu dem katholischen. Division. ageitlich. en zur Taufe. Darunter waren aber schon größere.


Katholischer Priester in Rußland
Mein Offizersbursche beherrschte die polnische Sprache. Er konnte sich mit den Bewohner jener Gegenden gut verständigen. la einem Ort an der Desna, einem Nebenfluß des Dnjepr, sprach er mit einem Zivilisten:
welcher katholischer Priester war. Der Priester lebte als Arbeiter unter den Bolschewisten. Er mußte öfter s einen Arbeitsplatz wechsein, um nicht als Priester entdeckt zuWeilen. Als die Deutsches heranrück—ten, hatte er sich mit 15 anderen Zivilisten in einer Höhle ver-ste9kt. Als sie sahen,. daß die deutschen S&ildat ein lha ein. nichts taten,. sejN sie herausgekommen. Seit dem die Deutschen sip-g-rükt waren, besuchte er die katholischen Familien, taufte und traute in den Häusern. Wo die Bolschewisten verschwanden, tauchte die Religion wieder auf.
Weihnachten 1942, als der Russe bei Bcßlchow durchzubrechen drohte, hatte der Bursche im Quartier einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Da brachten die Quartiergeber Christbaumschmuck aus ihren Schränken hervor. Sie hattes ihn die ganzen Jahre hindurch sorgsam aufgehoben. Im russischen Volk lebt und treibt die religiöse Würze]! immer noch, dena der Russe ist einfacher und mehr naturnä H als das 8 deutsche Volk.
An der Desna Die Desna ist ein Kebenfiuß des Dnjepr. Sie ist sehr fischreich.
Unser LandsturmmanaBT. ging an die Desna mit Handgranaten fischen
n, t/-
V eil /russiEsche Handgranate nicht genau kaunte skrepierte sie in
d-er-Luft hinter seinem Kopfe, er wurde noch auf einem iLastkraftwa— genJabtranspor. tiert, starb aber unterwegs. mS. Auf den Wiesen an der Desna standen im. Spätherbst hohe, runde Heuhaufes. Sie waren mit einem Holzzaun: umgeben. Ende Oktober gingen die Kühe des Dorfes noch auf die Weide y obgleich es schon gereift -war. Die Herde marschier-ts durch eine selchte Stelle des Flussss, voran die Leitkuh bis zum Bauch im Wasser. HiVrter derHsrde schwammen die Kälber, nur der Kopf ragte über daä(Was3er. Der Zaun hielt die Tiere von den Heuhaufen ab. Das Wiesnheu war für die Winterfütterung bestimmt. Es wurde mit Schi" ten über den zugefrorenen Fluß gefahren. Die Ställe waren einfache Sche inenfttit einem Loch im First des Strohdaches. Die Tiere waren
nicht angebunden. Hach unseren Begriff en hätten die Tiere erfriernn
müssen. Die russischen Pferde waren Klein, große Kopfe, struppiges Hanr, sehr widerstandsfähig„Ihre Abstammung vom Wildpferde war d?ut-
. lieh zulprkennen. Die kleinen Hufe marschierten barfuß.

Auf a, r D. s>a wurd. vi. i-Hol. g. fioSt. Is. „ „.
an. der Desna lagen riesige Kieferastämme.
Verbrannte Erde
Die Stadt Orscha am Oberlauf des Dnjepr liegt ganz tief im -S Flußtal. Die Russes hatte die, ganze Stadt verbrämt ohne Rücksicht,
ß=ab E te S, ob. die Menschen £ ihre Wohnung verloren oder nicht. Es kam ihnen nur darauf an, dem Feinde jede Unterkunft z nehmen. Ein riesiges Lager mit Emaillegeschirr war ausgebrannt, die Emaille waren durch Feuer alle vernichtet. Alte Leute m erzählten, nakn m daß die Russen vor dem Abzug alle Bewohner aus den Häusern gejagt -hätten. Bei Orscha war auch ein großes Getreidesilo. Nach der Ernte mußten die Kolchosbauern hier alles Getreide abliefern o. Das Silogelände war mit einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Zwischen den beiden Zäunen standen hohe hölzerne Wachttürme und Hundehütten für große Wachhunde. Scheinwerfer waren zur Beleuchtung angebracht. Aus den verkohlten und glimmenden Resten scharrten Frauen sich Körner heraus. Mit der Taktik der verbrannten Erde führten die Russen schon zur Zeit Napoleons den Rückzugskrieg.

Auf die Straße gesetzt
Eine Deutschrussin erzählte, ihr Mann sei zwei Jahre vor dem Kriege in der Kacht von den Bolschewisten abgeholt worden. Sie selbst habe man am Morgen aus der Wohnung gejagt. Da habe sie zwei Sunden auf der Straße gestanden wie irr und geweint. Dann sei sie bei Verwandten untergeschlüpft, denn sie mußte ja wieder in der Fabrik zur Arbeit erscheinen. Diese Frau erhielt nun von dem deutschen Ortskommandanten ihren Unterhalt.

Kolchose
Seit der Borlschewismus herrschte war das Priateigentum abgeschafft. Jedes Dorf bildete ein Staatsgut. a A-nnier Spitze stand ein linientreuer Kommunist als Verwalter. Eine. Kirchenglocke in seinem °rief die. Männer und Frauen morgens und mittags zur Arbeit. Wer zu spät
kam oder gar nicht erschien, erhielt Lohnabzug oder würde aus" der Wohnung gewiesen-oder in ein Straflager gebracht. Die Arbeits-Creu-de hatte man auf diese Weisedem Bauer genommen. Einmal wurden auf der Ktolchose Kartoffeln gesteckt. Die Arbeits-zeit ging zu ;
Ende. Da vergrugnb man die S übrigen Kartoaffeln und erklärte, die Kartoffeln seien alle ausgepflanzt.
, Miete bezahlen im eigenen Hause -. In. Tschernigow war eine deutschsprechende Frau als Kassiererin im Kino tätig. Ihr Mann war vor der Bolschewistenzeit Stadtbeamter-.

«F?
Sie hatten zwei Häuser. Jetzt gehörten tota beide Häuser dem Stant, sie mußten im eigenen Hause Miete zahlen. Die Häuser aus der ZaS -renzeit sind alle aus Holz gebaut und schön farbig gestrichen. Sie waren jetzt sehr heruntergewirtschaftet, seit sie Staatseigentum
waren.
In einem Dorfe hatten sich zwei Frauen während des Krieges selbst
ein Haus gebaut nur aus Lehm, das Dach aus S-Ingen und Stroh.

Klima
In Rußland ist der Sommer heiß und trocken. Man wird wird von riesigen Schwärmen großer Fliegen belästigt. Der Winter ist bis über 40 Grad kalt. Der Schnee ist bei dieser Kälte immer trocken, Als 1941 der Winter einsetzte, standen immer noch die Getreidepuppe:
. auf den Feldern. Ich glaubte durch die Kriegsereignisse seien die Getreidefelder so liegen geblieben. Dal(, hörte ich von Zivilisten, daß das Getreide immer draußen bleibt und im Winter auf dem Felde gedroschen wird. Die Mäuse hatten natürlich schon einen Teil
aus gedro sehen. Die Körner wurden mit Schlitten weggefahren, ebenso wie das Heu im Winter mit Schlitten von den Heuschobern auf der Wiese geholt wirds Dann sind auch die Flüsse zugefroren und die Fahrtigeht über das Eis,
Im Winter werden dort auch. die Hanffelder gemäht. Der Hanf ähnelt einer langstieligen Nessel.

Offensive im Schlamme stecken geblieben
Als Moskau im Herbst nicht eingenommen werden konnte, hatte von Brauchitsch als verantwortlicher Führer angeordnet, daß Winterstellungen vorbereitet werden und der Vormarsch eingestellt wird. Hitler war anderer Meinung und Von Brauchitsch mußte gehen. Ende September1941 sah ich Infanteriekompagnien vorbeiziehen. Es war immer nur noch ein müdes Häuflein. Ich hielt sie für abgekämpft
und ausgepumpt.
Nun verkündete Hitler am 29. September 1941 :" Die größte, Offensive, die die Welt je gesehen hat, beginnt Jetzt- n 5 Tage später setzte Regenwetter ein, das ganze Gebiet verwandelte sich in ein Schlaum bocken. Einzelne Divisionen kamen an einem Tage nicht weiter als 1, 5-5 km vorwärts. Neue Zugmaschine, die erst eingefahrenwerden sollten, waren in drei Tagen total kaputt. Der stolze Autopark war hinübers Ein riesiger Autofriedhof blieb übrig. Im Gebiet der Schwarzen Erde ist der Boden in der Oberschicht ganz feinkörnig ohne das geringste Steinkörnchen. In der heißen Sommersonne wird er hart wie eine Tenne. Jedes Auto kann querfeld fahren.

Bei Regenwetter verwandelt sich/h&ärteste Boden in Schmierseife und und die Autos versinken JSis an die Achsen und sitzen fests Die Offensive war im Schlamme stecken geblieben. Anfang Dezember begann einheftiges Schneetreiben. Bei der Vorbereitung der warnur Munition, aber keine Winterkleidung an die Front gekommen. Erfrierungen der Füße waren an der Tages-. Ordnung. An einem schneereichen Tag Anfang Dezember traf ich in der Gegend vorrizensk aus Buchengrund Johann
S&idel, Johann Kluske und Franz Rothkugel. Sie machten gerade eine Rast in der Nähe des Bahnhofes, wo wir mit Gefangenen arbeiteten. Die Straße war kniehoch mit Schnee bedeckt. Etwa am 18. Dezember
1941 begamiher Rückzug allgemein unter dem Druck der Russen. Die Motoren gefroren ein und viele Geschütze blieben auf der Straße liegen. Bei Mzensk hatte deutsche Artillerie rings um das Städtchen einen Verteidigungsigel gebildet. Einzelne Artilleristen flüchten in Hausschuhen vor den Russen. -So traurig endete die "größte Offensive" des "Großen Feldherrn" Adolf Hitler, der als ehemaliger Gefreiter
den Generalstäblern Befehle gab. -, - i - fe fl. bft. ufi> ds& S je y
Hinter uns lag än die Okay. fl. c6. na be noch nie einen Fluß gesehen,
dessen Bett so tief eingeschnittenl/ar. Der Oberlauf führte nicht viel Wasser, etwa wie die Wörnitz. DerFluß war mit Eis bedeckt. Wer das Plüßchen überqueren wollte, mußte mit einer langen leiter hinunter auf das Eis steigen und am anderen Ufer wieder mit einerpLangen Leiter hinaufklettern. Bis dahin wollte der Korpskommandeur zurückgehen. Hitler, der selbst an der Front herumfuhr. befahl anders. Es mußte eine Linie vor der Oka verteidigt werden. Der Boden war steinhart gefroren. Schanzarbeiten waren unmöglich. Eine Kälte bis 4-0 Grad hat den. deutschen Soldaten sehr zugesetzt. Die in der Heimat gesammelte Winterkleidung kam erwt Mitte Februnr an der F-ront an. Die russischen Soldaten waren in ihren Stepp-Jacken und Stepphosen mit Watteeinlagen viel besser aokagBLfen ausgerüstet. Sie waren auch viel erfahrener, wie man sich bei strenger Kälte verhält.
An meinem 51. Geburtstage ging ich gerade zum Feldbekleidungsamt nach einem Mantels Ich. mußte unterwegs in ein Haus gehen, sonst hätte ich mir die Hände erfroren.

Wir arbeiteten mit russischen Gefangenen am Bahnhofe. Die vom Verpflegungsamt zugeteilte Ration war minimal. Wir schickten deshalb ein Gefangenenkommando auf die Dörfer fechten, um Kartoffeln zu holen. Aber die Zivilisten hatten selbst nicht viel. Wir holten ungarische Pferde, die durch Tliegerbomben zerrissen worden, waren und kochten das Fleisch für die Gefangenen. An dem Orte war auch ein Stammlager für russische Gefangene. Dort schafften wir die er-
/.

+ Zusatz:
Die Straßen im Gebiet der Schwarzen Erde werden gebaut, indem man 75 cm lange Pfähle von etwa 10cm Durchmesser in die Erde rammt, ein PfahlnebeB. dem anderen, sodaß die ein regelrechtes Hozizpfla-ster "bilden. Jede andere Straßendecke würde schwimmen, wenn die
-Regenzeit kommt. & Es sind keine STeinpflasier, sondern Holz pflastei

Die Ostmedaille
Alle, die wir in dem kalten Winter 41/42 in Rußland waren, erhieltes. die Ostmedaiille. Die Soldaten nannteB. sie Gefrierfleischorden. Vielen mußte_ eine oder zwei Zehen abgenommen werden.

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krankten Gefangenen hin. Ais ich a"ber hörte, wie man dort mit dan Kranken verfuhr, lieä Lch nicht sobchnell mehr Kranäe ins Stammlager bringen. Der SS-Feldwebel soll bei einem Kranken nur gesagt haben:
"Mit dem machen wir nicht viel her. " er nahm ihn außerhalb des Lager und hat ihn an einer Mauer erschossen.

Bei Gluchow waren im November 1941 noch eine größere Anzahl Gefangene gemacht worden. Sie lagen noch einige Tage auf freiem Felde ohne Verpflegung, weil die Eisenbahn zerstörts war und die Wege grundlos waren. In der Nacht hörte man sie brüllen vor Hungers Eis. Transport dieser Gefangenen kam dann mit der Bahn an. Als sie aus-stiegen, war einer dieser gefangenen tot. Er hatte ein Brot unter seinem Mantel versteckt. Das wollte er nicht hergeben. Deshalb wurde -er von-den andern erschlagen. Wegen Zerstörung der Eisenbahn mußten die Gefangenen 15 km zu Fuß zurücklegen bis dahin, wo die Strecke wieder in Ordnung war. Die Gefangenen, welche im Straßengraben krank liegen blieben, wurden von der SS erschossen.

Viele leeren Häuser wurden hinter der Kampffront durch bolschewistische Jungpioniere durch ihren Kot verunreinigt, um die Quartiernot zu verschlimmern. Ich durchstöberte mit einem Unteroffizier eine leerstehende Schule. Nach beendetem Rundgang liegt im Eingang dampfender Menschenkot. Ein etwa 15, jähriger läguft gerade auf dem Hofe davon. -

In den russischen Holzhäusern wimmelte es von Wanzen. Wir schliefen einmal in einer Schule. Als Unterlage hatten wir grünes Haferstroh. In der Nacht ließen sich die Wanzen von der Decke herunterfallen. An Morgen waren wir alle rotscheckig.

Die Bücher in der russischen Volksschule enthielten viel mehr technische Lehrstoffe als die Lehrbücher der deutschen Volksschulen. Die deutsche Sprache wird in der russischen Volksschule auch gelehrt. In Rußland traf man viele deutschsprechende Menschen. Die meisten russischen und polnischen Juden können deutsch. ; 1 1/2 Millionen Wolgadeutsche zählte man bis zum 1s Weltkriege in Rußland.

Ein Kriegsgerichtsurteil
In dem strapazenreichen, kalten Winter 1942/42 war die Stimmung der Truppen auf den Nullpunkt gesunken und die Disziplin ließ nach. Ein 2. 2jähriger bayrischer Leutnant war mit Erfrierungen ins Lazarett gekommen. Er hat über das Hitlersystem geschimpft und wurde von Spitzeln bei der Partei angezeigt. Er kam vor das Kriegsgericht. Stantsfeindliche Reden und Wehrmachtszersetzung lautete die Anklage. Der Richter wollte dem Angeklagten helfen und fragte:"Nicht Na wahr. Sie haben die Äußerung in der Erregung getan?" Der Angeklagte
aber sagte:;2N "Nein, ich lehne das nationalsozialistische System nach wie vor ab. " Das Urteil lautete desBinlb:iLn. 2 Tod durch Erschießen. " Im Hofe des Gefängnisses von Smolensk wurde er erschossen. Das Erschießungskommando, 1 Feldwebellund 8 Mann wurde von einer Artillerienbteilung gestellt. Der Deliquent wurde an einen Pfahl gestell Die Augen ließ-er sich nicht verbinden. Die Artilleristen schössen zu kurz- und die Kugeln zerrissen den Bauch, sodaß änmdie Eingeweide:
her aushingen. Der Feldwebel gab dann mit seiner Pistole den Gnadenschuß in den Kopf.
Der Vater des Verurteilten war ein gut katholisch Beamter. Ich glaube, das Grab im Hofe des Gefängnisses gesehen zu haben. Offiziere, die schwere m-ikte ähnlicher Art zu verbüßen hatten, wurden degradiert und in eine Strafabteilung gebracht. Dort erfolgte ihre "Umerziehung—". 1945 mußten alle Soldaten der Front
eine Hitlerrede“ im Rundfunk hören. In derselben schrie der S:"Füh— rer histeri. sch, Daß er keine milden Urteile dulde und daßter strenge gegen die Richter vorgehen werde, welche dabei versagen. Die SS bildete überall hinter der Front Erschießungskommandos, die Fahnenflüchtige kurzerhand niederlegten. Gegen Ende des Krieges- wurden viele Soldaten wegen Feigheit vor dem Feinde Aufgehängt. Mit einem großen Schilde auf der Brust hingen sie an Straßenbäumen oder Later— nenMähleM. Die SS-Henker stärkten sich für ihr grausames Handwerk bei wüsten Gelagen mit Alkohol und Weibern. Das war das Ende eines teuflischen Planes, an dessen Anfang riie Absetzung Gottes stand und der mit der Vernichtung ganzer Völker enden sollte. Das "Tausendjährige Reich" nfete 12 Jahre bestanden. "Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. " Der einzelne Mensch wird einzeln gerichtet im besonderen Gericht. Das ganze Volk aber wird auf dieser Erde, wo es noch zusammen ist für seine Sünden bestraft. Siehe nur die brennenden. Menschen auf den As phal-ts fräßes. Dresdens, -in spinen Lazaretten, is. seinen He iinen für Kriegsverstümmelte, in seinen Bahnhofshallen. Siehe nur die Trümmerhäufen der einst kunstreichen Städte, jetzt Massengräber, denke nur an. die grausame Vertreibung der Millionen, an ihr unstillbares Heimweh, w n-el unschuldige Kinder fanden im Winter 1944/45 auf der Flucht den Tod, nur zugedeckt von. dem weißen Leichentuch des Sckin-eesi Wieviel hat die Ostsee verschlungen, als die Menschen zu Schiffe fliehen wollten und russischen U-booten zum Opfer fielen. Nicht zu melden wagt sich das Heer der Vergewaltigten deutschen Frauen. Nach Angaben des Br. Esser, " heut wohnhaft in Braunschweig sind nach den Vergewaltigungen der Russen im Kreise Neu— Stadt, Oberschlesien 2000 Abtreibungen vorgenommen worden.
Pfarrer fi (evang.) erhielt von einer Lehrerin aus Ohlau einen Brief, sie sei von russischen Soldaten 28 mal vergewaltigt worden. Der Sattlermeister Holzbrecher aus Friedland, Kreis Falkenberg, Oberschlesien hatte sich vor den anrückenden Russen nach Kleis -Schnellendorf, Kreis Falkenberg gefüchtet. Er war im Hause des Jmem Holit ner. Weil deutsche Sodaten im Dorfe lagen, hatte sich die 20 jährige Tochter des H. nett angezogen. Im letzten Gefecht, das bei dem Dorfe stattfand drangen russische Soldaten in das Haus ein, sie warfen die Tochter auf das Bett in der Nebenstube und vergewaltigte sie vor den Augen des Vaters und des H. Alles Flehen und Bitten war vergeblich. In einem anderes Orte wollte der Sohn seine Mutter vor einer Vergewaltigung schützen., wurde aber von den Russen erschossen. Das blutige Hemd seines Sohnes nahm der Vater mit sich, als er aus "der Heimat vertrieben wurde. Bei einer kommunistischen. Lobhudelei auf den Bolschewismus zeigte er das blutige Hemd seines Sohnes und erzählte, die erschütternde Begebenheit.
. Die Ratas
Im Jahre 1942 war die russische Luftwaffe noch schwach. Di erlang— samen russischen Flugzeuge, die als Erkundungsflugzeuge dienteny nannten die Soldaten Ratas oder auch Nähmaschinen. Sie warfen über dem e Eichenwalde, in dem ein deutsches Munitionslagei war, kleine Phosphorkugeln ab. So wie die Sonne darauf schien, fing der Pholph(r an zu brennen, und wir mußten sie mit Erde zudecken, damit nicht das Munitionslager in Brand gerate. la dieser Zeit. erschienen gegen bend 26 russische Pliefier. 6 deutsche Kampfflugzeuge stiegen auf und schössen isiganz kurzer zeit 22 russische Flieger herunter. -
Oberleutnant Marseiile, Sohn des Generalmajors Marseillaschoß im ganzen in Afrika und an der Ostfront 212. feindliche Flugzeuge ab. Dann fand erselbst den. Fliegertod.

In der Nacht kamen die großen Auttts mit Granaten in den Wald gefahren. Die gefangenen mußtes, sofort ausladen. Manchmal regnete -es und blitzte und donnerte. Innier Finsternis rissen jede Nacht etwa"5-6 Gefangene aus. Das war für sie sehr leichts Ebenso leicht war-es für sie durch großen Lücken der deutschen Front hindureh- zuschlüpfen -Sie berichtetes, von dem harten Los der Gefangenen. Ware-a russische Sodaten zuerst -scharenweise übergelaufen, so wehrten sich die Russenä jetzt verzweifelt, um nicht in Gefangenschaft zukommen. " - .
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Im Oktober1942 wurde ich zum Zentralersatzteillager (ZEL) bei Kursk versetzt. Dort führte ich eine Sammelkompagnie. Von dieser wurden alle Unteroffiziere und Mananschaften zusammengefaßt, welche Ersatzteile abholten und einige Zeit von der Truppe abwesend bleiben mußten. Das Lager unterstand einem Ingenieur Hauptmann Weber. Hier verlebte ich Weihnachten und Neujahr. Die Kompagnie veranstaltete eine Weinachtsfeier für ihrdLeute, an welcher auch. ein ungarisches Kommando, ein Fähnrich, etliche Unteroffiziere und Sodaten teilnahmen. Unteroffizier w-yo- führte einige Soldatenschwänke mit seinen 3san Leuten aufs Meine Weihnachtsansprache war bei den Hörern gut angekommen, fierngedanke. Weihnachten daheim, die Frau als PeEldwebel, Verpflegungsunteroffiziey Kammerunteroffizier, Unteroffizer vom Dienst, der Sodat, ders sein lieben hingibt zum Schütze der Seinen und für seine FreundC. Hauptmann Ws war sichtlich, erregt, ein Wehrmachtsinnpektor fühlte sich besonders angesprochen, weil ihm zwei Brüder gefallen waren. SS-Unteroffizier Geißler sagte, erjsei kein Kriecher, aber die Altsprache müsse er seiner Frau schreiben. Eine gut gedeckte Tafel und für jeden Äpfel, Nüsse, Pfefferkuchen und Getränke aus der Kantine sowie die humoristischen Darbietungen des Unteroffizier Bayer paßten zu den Getränken und bis 12 Uhr nachts wurde erzählt. Niemand fiel aus der Rolle. Etwas feuchtfröhlicher gestaltete sich der Silvesterabend. Das ZEL reichte
meine Beförderung zum Hauptmann ein, wie sie Altersmäßig schon eher fällig gewesen wäre, aber von Hauptmann Bosselmann absichtlich verhindert wurde, er war ein alter Etiquettenoffizier: von den alten Stäben des 1 Ja Weltkrieges, eigensüchtig und konnte nur Schmeichler um sich leiden. Die ehrlichen a. a älteren Landstürmer. schikanierte er mit seinem Ehrenbezeugungsdrill, daß. er sie zur Verzweiflung trieb und ihnen das Soldatenleben verekelte. Ich.
deshalb habe ihn diesem Sinne mehrere Male unterrichtet. Ich In. atte/tre4-—
ihm keinen Stein im Brett. Bei ihm wäre ich nie befördert worden. Er sagte, der Untergebene müsse sich den Gewohnheiten seines Vorgesetzten anpassen. - Am 4 Januar 1945 fuhr ich vom ZEL in Heimaturlaub. Auf der Fahrt zur Truppe sollte der Zug mich Auf dem Bahnhof des ZEL absetzen. Ich- sprach deshalb mit dem Lokomotivführer. Als ich von der Lokomotive zu meinem Wagen lief, der Zug setzte sich. schon in Bewegung, fiel ich auf einer überschneiten Eisplatte hin mit dem Arm auf eine Eisenbahnschiene und brach den linden Unterarm. Im Zuge schiente ein Unterarzt den Arm. Ich gab nur am

Bahnhof dfrs ZEL einen Soldaten eine Meldung mit H. g und fuhr weit nach Kursk. Dort wurde mir gesagt, das Lazarett würde geräumt, weil die Russen "bei der 2. Armee durchgebrochen seien. Der letzte Lazarettzug fahre in einer Stunde ab. Ich fuhr also mit dem letztes. Lazarettzug zurück. Von. Kursk über GomelL, Binlystock, Warschau, fzen-stochaUt Oppeln, Neiße ging es nach Pra-a enstein in Schlesien. Im Kloster der Barmherziges Brüder lag ich etwa 4 0-chen und wurde entlassen. Dann ging es einige Wochen las Offiziersgenesungsheim Krummhübel im Riesengebirge. Dort hatten, wir alle Tage taktisches Unterricht am Sandkasten und Kriegsspieiß. Am Nachmittag etwa 1 Stunde Unterricht, dannirei. Wir benutzten die Freizeit, um in den Bergen herumzusteigen. Von Krummhübel kam ich nach Glogau an der Oder "zum Kraftfahrersatzbataillon. Dort traf ich Karl Bielzer, Militärmusiker aus Buchengrund.
Der alte Festungswallgraben von Glogau war zu einer wunderbaren Promenade ausgebaut. Bei einem 1 5km-Marsch kamen wir in einen Gutshofs zur Rast. Eines von den Kindern des Gutsherrn sagte mir:
"Mein Großvater ist der. deutsche Kronprinz. " Der deutsche Kronprinz hatte im Kreise Öls mehrere Güter. Ton Glogau kam ich nach Kiort in Frankreich in der Gegend von Poitiers im Südwesten Frankreichs. Es war ein Nachschubbataillon. Ich übernahm die Führung einer Verwundetenkompagaie, die Genesenden kamen nicht mehr in die Heimat, sondern blieben in Frankreich Beim Küstenbataillon in Los Sables traf oei einer offiziers— Versammlung Major Heinelt (Lehrer in Weidengut, Kreis Palkenber. Mein Bataillonskommandeur war Major Virges(aus Montobaur) DcrSKomp&gnie-q unrtier war das Gymnasium von Uiort.
Von Niort besuchte ich Bordenun, dort war ein Unterseebootbunker. Wir. gingen auf ein Unterseeboot von75 m Länge. Auf demselben arbeiteten französische Monteure und Handwerker. In der Flußmündung Gironde mußten die U—boote etwa-70 km zurücklegen ehe sie ins offene Meer kamen. Da wurden sie von englischen Fliegern angegriffen. Später konnten sie gar nicht erst ausfahren. Bei der Genesungskompagnie mußteo-cn Sonntagvormittag nach dem Gottesdienst 1/2 Sbund« Unterricht halten zur Aufrichtung der Soldaten- Von diesem Unterricht mit Aussprach e faßten verschiedene Soldaten 2s Vertrauen zu mir. Einmal kam im Hofe ein
hstiiti Landsturmmänner etwa 45Jahre altsan mich/ena mochte einmal vertrau
lieh. mit mir sprechen. Er erzählte:

Als Schreinergeselle sei er auf Wanderschaft am Rhein gegangen. Er sei an Syphilis erkrankt, behandelt und geheilt worden. Jetzt habe ihm s eine Frau geschrieben, sie sei mit Ihrem Kinde beim Arzt gewesen. Er habe gesagt, es sei nicht schlimm, sie und das Kind müßten Spritzen bekommen. Aber, wenn der Mann in Urlaub komme, solle er sich beim Arzt einmal sehen lassen. Frau und Kind seien an S. erkrankt, meinte der Landsturmmann.

In Niort ließ ich mich wieder einmal wegen Hämorrhoiden behandeln. In dem Lazarett hatten Geschlechtskranke gelegen. Es war vor einer Woche geräumt worden, ein Syphilliskranker, der nicht transportfähig war, wurde zurückgelassen. Es war ein. Unteroffizier Hoffmann, von Beruf Kaufmann. Er hatte eine Frau und vier Kinder. An Ostern 1945 hatte er noch an eilaem Fußballwettspiel teilgenommen. Im Herbst 1945 lag er schon im Sterben. Die Spritzen haben bei ihm nicht angeschlagen. Er lag jetzt allein in einem Zimmer. Der Gefreite, der ihn öfter zu baden hatte, trug beim Baden Gummihandschuhe und Gummimantel. Wenn man an dem Zimmer vörbeiging, kam ein furchtbarer Gestank heraus. Der Kranke phantasierte immer von seiner Frau und seinen Kindern. Man hat seinen Tod erwartet.

Die Macquis
Die Macquis waren Heckenschützen, die während der Besatzungszeit in Frankreicn immer frecher wurden. In der Nacht kamen feindliche Flugzeuge und warfen an vereinbarten Stellen Waffen ab. Verpflegung stahlen sie in der Nacht von deutschen Verpflegungszügen oder Verpflegungsämtern. Überall waren ja französische Arbeiter und auch Bürokräfte beschäftigt. Die Arbeiter schoben einen Wagen mit Verpflegung auf ein unbewachtes Gleis, wo er in der Nacht ausgeplündert werden konnte. Jeden Abend zog ein. sie in" eiÄ andere s Waldstück um. ab. einer Stelle hatte ein Arzt die Führung. Er hatte auf Grund s eines Ausweises Bewegungsfreiheit. c?en /Yacdü o B Ein Zahlmeister, der nach Verpflegung fuhr, fiel T enssnL SL die Hände. Sie hielten ihn als Geisel gefangen. Man nahm ihm die Stiefel weg, daß er nicht fliehen konnte. Jeden Abend ging es in ein anderes Waldstück. Der Zahlmeister wurde im übrigen normal behandelt.
Ein Artillerist war von den Macquis mitgeschleppt und bewacht worden. Nach seiner Befreiung kam er in. einen Friseurladen und erkannte in dem Friseur den wieder, der ihn als Macquis bewacht hatte.

Als im Sommer 1944 die Amerikaner und Engländer in der Normandie gelandet waren, begann der Rückzug der Besatzungstruppen, sonst wäre ihnen der Rückweg abgeschnitten worden. Major Virges packte 18 Sack Kaffee aus aufgelösten Lagera auf die BatailloasautäS und andere wertvolle Sachen. Für mich hatte man auf den Autos keinen Platz mehr. Ich. war darüber nicht ungehalten, denn ich fühlte mich bei den Pferdegespannen sicherer als im Auto. Die Schwerkranken und Micht- eheilten kamen im Lazarettzug zurück. Mit den anderen und den (sferdebespanateÄ WagCÄ hatte ich mich in. Los Sables beim KüsteMbatailloa zu meldes. Mit Schußbereite:s. kmKmÄ Gewehren führe h. wir s. ach les Sables. IJnter, wegs wurden wiz auf der £ langen Fahrt nicht angegriffes. Mit dem Küstenbataillos zusam-[. _ men machten wir den Rückzug. Auf unseren Fahrzeugen w@. r Munitioa für lafanterie, Maschinengewehre, granatwerfer, Minenwerfer und Verpflegung. Wir marschierten aur inider Nacht. Am Tage war es unmöglich wegen der feindlichen Flieger, Viele voa Fliegera bombardierte Autoa sahen v-ir auf der Marschstraße liegen.
1 Ich marschierte einige Tage mit der Pferde-. koloane voraus, ohne
behelligt zuwerden. la Poitiers war ein großes deutsches Verpfle-, gungslager« Bas mußte offen gehalten werden für etwaige ITachzüg-ler. Ich schickte Offizierstellvertreter c-hotzmit einem M§ und 1$plana dahin. Durch-ziehende Truppenteile anhmen, was sie brauch£a koanten mit ohae Anweisung und Besch einigung« Dem Bürgermeister war gesagt worden, daß er das Lager- bääflwegzug des letzten Sol-, daten überaehme. (Hitlers Befehl lautete salles zu vernichten)! jk (nen £m Lager war die deutsche Wache, draußen standen die französi— schen Polizinten. Sie hielten die Volksmenge zurücks Das hinter un. 8 auf Lastwagen koMmende Batailloa anhm die deutsche Bewachung mit.
Zuerst stieß die Maschinengewehrkompagaie unter Oberleutanat Sommer zu unss eines S o antags vormittag wurden von den Posten der Feldartillerie, die ihre Geschütze im Park des kl einen. Städtchens unte rge stellt hatte, zwei französische Gymansiästen festgenommen, die ntit Revolver bewaffnet waren. Weil die Offiziere der Artillerie mit dem Auto unterwegs waren, brachte man die beiden Häftlinge zum Oberleutanat Sommer. Derselbe war überzeugter Natioanlsozinlist. Er sagte : "Icliweißjschoa, was ich machet Bei Dunkelheit marschieren wir weiter isfr hinter der Maschines-gewehrkompagaie. Auf einmal geht vor unserer Kompagaie eine Schießerei los. Ich fahre mit einem Fahrrad anch vora S und schieße weiße Leuchtkugela hoch, um das ;sg £ Gelände abzuleucteM.
Da ertönten vom Felde her Rufe:"lTicht schießes., deutsche KaBUBf meraden. " Später erfuhr ich, daß eine Gruppe voa. Oberleutnant Sommer den Befehlt hatte, die beiden Schüler laufen zu lassen und auf der Flucht zu erschießes. Ich hätte sie des Eltern zugestellt mit der Warnung, daß sie im nächsten Falle erschossen würden. Im anderen Falle hätte ichjsie auf unsere Wagen gesetzt und sie bei der Fahrt durch das Heckenschgützengebiet als Gei— sein mitgenommen. Die Artillerie hatte einem Bauern von der Weide zweiPferde mitgenommen, der Bauer bat mich um eine Beschei-nigung als Requirierschein. Ich stellte sie aus. eines Tages in der-Morgenfrühe ist der Nachtmarsch be ndet. Abseits därrStra— ße kommen meine Leute in einzeine Gehöfte. Maschinengesewehrfeuer- Ein Lastkraftwagen der Macq. uis war auf der Straße vorü-ber-gesaust und hatte inhas Gehöft der 9. Kompagme ie hinein— geschossen auf voller Fahrt. Die Kompa. gnie hatte noch keine Posten ausges. tellt. Elf Pferde tot, 4 Sodaten verwundet. Viele französische Kraftfahrer fuhre n für die deutsche Truppe. Deshalb war es nicht auf fällig, Zivilisten mit Lastkraftwagen zu begegnen.
Desgleichen brauste ein unbekannter Motorradfahrer an der mär— schierenden Truppe vruber und schoßmit einer Maschinenpistole in die Truppe. Der Husarenstreich mißlang aber; und er wurde erschossen. Bei der ein. quartierung iM. einem kleHinenptädtchen
gingen die Soldaten einkaufen. Es waren meistens Oberschlesier aus dem zuletzt polnischen Teile Oberschlesiens. Hitler hatte sie als Volksdeutsche Gruppe III eingeteilt. Die französischen Mädchen. bestellten sie für abends 6 Uhr. Da wollten sie rin cn Zivilkleider bringen und sie sollten fahnenflüchtig werden. und, owunderl Die halben Pollaken lachten die Mädchen aus, spielten auf-ihrer Ziehharmonika, und sangen deutsche Soldatenlieder. Die französischen Lockvögel zogen sich beleidigt zurück. Etwa 5m Tagevorher führte der Posten ein weibliches Wesen zu mir ins Quartier. Sie hatte hohe englinche Schnürstiefel u-ad eine graue Regenjacke. Ich hielt sie für eine englische Wehr—
machtshelferin oder eine amerikanische. Sie frug, ob iclienglisch. i -. .
spreche. Da ich es verneinte sprach sie Französisch mit mir. Ich solle morgen früh. um 8 TJhr nach Moulins kommen. Dort sei der amerikanisch. e Stab. Mit dem sollte ich verhandein wegen Kapitula-tion Ich sagte. zu. Abends um 9 Uhr marschierte ich umT n einem Troß weiter auf der alten Marschstraße.
Je niläher wir an. die Loire kämen., desto heftiger wurden die kleines Sachtgefechte der SpitzenkompagÄie mit den Macq. uis. Je-den Tag übernahm eine andere Kompagnie die Spitze. Die erste BrÜkke anider Loire war gesprengt. Also ging der Marsch zur nächsten Brücke. Als dießpitzenkompagnie dieselbe iwier Nacht gesen12 Uhr erreichte, ar sie von Macq. uis "besetzt, n Nun gingen die sbmknn Schießereien mit Maschinengewehren los. Unsere lange Ko— onse stand ohne Deckung auf der Straße. Nur gut, daß die Macq. is keine Soldaten waren. Sie machten den alilgemeinen Fehler, daß man "inker Nacht zu hoch. schießts Die Geschosse gingena. alle über unsere Köpfe hinweg. Als aber die Spitzenkompagaie Minen-werfer einsetzte & sprengten die Macquis die Brücke. Im nächaten. Quartier hielt man Rat General Nester hinter uns hatte slit 20 000 Mann kapi-fculiert. In -anserer Kolonne marschie-r-ten noch die-Bäckerei— und die Metzgereikompagnie. Die Kampf- division war langs"t im Elsaß. Ihre Nachhuten hatten einige Zeit die Brücken offen gfrhalten und waren dann auch abgerückt, Sa sodaß ;in kurler Zeit die Macq. uis sämtliche Brücken in der Hand hattens Die Mehrheit war für "Kapitulation. Die Weltkriegsoffiziere. wußten, daß Kapitulation am Ende jedes Aussichtslosen Kampfes steht. Oberleutnant Sommer und die Hitleroffiziere meinten, S : dasjgibt. ein böses Nachspiel. Hitler hatte General Nester in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Es wurde am nächsten Tage mit den amerikanischen St&ben wegen der Kapitulation verhandelt. St. Pierre- in der Gegend von Nevers wurde als Ort der Übergabe bestimmt. Die Offiziere sollten sich inider Schule des Ortes versammein. reh. wollte mich nicht von meinem Gepäck trennen, weil ich wußte, daß man e3 nie wiedersieht.
Ich. stand mit einigen ünteroffizieren und einem oberschlesischfen
Gefr. eiten aus Hindenburg: auf der -Brücke über ein kleine s Flüßchen. Der g Gefreite und ein Unteroffizier wollten im Wald
verschwinden und auf eigene Faust versuchen, -Die Heimat zu
erreichen. Ichriet ihnen ab. Es war der 1?. September- "Die
Deutsche Wagen-kolonne war mehrere Kilometer lang. Amerikanische Offiziere sausten mit ihre"Autos die. Kolonneentlang. Ich nahm meine Pistole auseinander und wa. rf TSie in das Plüßchens Die Träni nen traten mir in die- Augen. Dieanderen warfen ihre Gewehre, Seitengewehre und MuniÄition in den Pluß. Ich ging dann zu meinem Koffer und zog dieceiden bestel TTniformen übereinandei. Gegen Abend. verlangte irgend ein Konitrolloffizier von mir,
daß ich die Wagenkolonne nach t. r Nevers an der LOire führes
Wir führen die ganze Nach/t hindurch un-d kamen. vo. r Tagesanbruch in Nfivers an. Die Zivilbevölkerung lag aoch im Schlafe. Nach etwa 2 Stu den wurde es in den Straßen der Stadt lebendig. Sa erschienen die Macq. uis mit Gewehren, ich saß auf einem Wagen, die Zeltbaha über dem Kopf und dämmerte- etwas ein. Da kam schon ein Unteroffizier:" Mir habes sie die Uhr genommen, " -Also die Uhr ins Hosenbein, den Ehering
in den Mun-d. "Tach. eifteriY. eile tastet, in- msin. Hasdgelenk ab. Ich Macaürsle i c1 gehe an einen französischen Pf?1 -i pi. triii heran und frage, ob ich nictat
zur Polizei gebracht werden kaMLS. « Er sagt:" Warten Sie, i-pl 2 Minu— ten kommt der Poliz einutobus vorbei, da können Sie mitfahrens"Der
- Poliz einutobus nahm michjsluch wirka lieh mit zur Stadtpolizei. Oberleutfigjat Sommer kam etwas. später nach. Das FabrJüäkgebäude der Stadt war als Gefangenenlager für die Truppe eingerichtet. Hit_einem Lastwagen der Polizei fuhr en wir gegen Abend in den Fa—. brinkhof, wo. die gefangenen Soldaten lagen. Leiter des Lagers war
ein Zivilisfe. Er war Lehrer am Gymnasium skonnte fließend deutsch sprechen. Er war nicht. gehässig und hielt sich an die G-enfer Konven
tion. Er wie&suns-beiden Offizieren einen leeren Raum neben dem Büro an. Jeder hatte einen Strohsack, - Decke hatten. wir selbst. Wir konnten in derWerkkantine essen. Wir erhielten jeder eine Feldpostkarte und konnten nach Hause sehreiben. Durch das Rote Kreuz kam die Karte auch zu Hause "an. Am ersten Tage ging es gut. Am zweiten Tage kamen MacqLuis(kommunisti3che)ujad Zivilisten in die Kantine.
-Der;eine hatte sine Streichholzschachtel mit zwei Augen. Er behauptete sBliese Augen hätten deutsche Soldaten franzöaischen Kindern ausgestochen, Die Meute drängte SKich heran und-wir mußten das Essen-stffhen lassen und davon gehen. Weil die Bedienung immer ein j 1" tes Trinkgeld frrhielt, brachte sie was das Essen auf das Zimmers. Mi. b gierigen Augfen:; erspähten die Macq. uis unser. Gepäcks Zuerst hol-
- te;;man-meine St. iefelinb. Auf ~m eine Beschwerde h. in kamen sie wieder. zurück. " Da nnißte- yderZivilIcommandant gehen. Sein iralshf-olger war ein Macqisleutnant. Er war Seldwebel der französischen-Armee. Er wöanllte Korrekt fi. hand. eln, fürchtete aber die Macquis denn diese waren reine. Kommunisten, Die mit einer kommunistlsch. en Herr-
- schaft rechneten, -Es gab auflfa nationale MaKq. uis, ein Feldwebel der nationalen M. erzählte uns a, uf einem Bahntransport, daßjdie beiden Lager aich ffrtnd lich gegenüberstehen und nie oha-e Enndgrajinten ausgingen. Also versch. wanden meine_ Stiefel und verschdLedene Sachens Einmal. gegen abend steht Oberleutnant Lommer hinter dem Penster und schaut dem Treiben der Macquis zu. IchlLiefege aufjneinem StrcEhsack Eine Salve aus der Maschinenpistole schlägt än das Penstersims.

S. springt zur Seite. Die Querschläger schlagen auf den Fußboden. und schwirren in dem Zimmer herum. Alle Macquis kommen aus dem Hofe die Treppe heraufgeranat und schauen, ob sie getroff en haben,
Als s. och der Zivilkommandant die Leitung hatte, aren 2 Tage lang 6 Polizisten aeben was einquartiert, Die Räume waren nur durch Holzwände mit Glas getrennt. Später hörten wir, daß dadurch ein Anschlag der Macq. is verhindert werden sollte. In einem Offiziersgefangegangenenlager bei Kreuzanch war den Offizieren. verboten worden, sich Erdlöcher zu grabet. In der Nacht warfen die Macq. is p ten Ziegelstucke in das Lager. Als die Verletzten schrien und alles durcheinanderlief, schossen die Macqis mit MGs in das Lager, so daß es Tote und Verwundete gab.
Ana. ersten Tage kam ein ein amerikanischer Leutnant, stellte sich recht flegelhaft inider Tür- hin und höhnte im Siegerubermuti" v o ist jetzt der Blitzkrieg?" Dann wurden wir in den Hof heruntergeholt, um uns zu fotografieren. Im Hofe war eine große Menschenansammlung. Die Bauern kamen wegen Ihrer Pferde, weil die Kolonne bespannt
- war. J)er Berichterstatter sollte auch die unterkunft der Soldaten -inhen beiden KAllerräumen fotografieren. Die l. eute lagen wie die Heringe auf dem Zementfußboden. Das lehnte der Berichterstatter abs Leute aus der Menge fingen an zu johlen und zu pfeifen. Was die Kompagnie mitgebracht hatte an Bohnen und Erbsen, war be. ld verbraucht. Dann gab es für Offiziere und Mannschaften nur Suppe aus Kraut blättern und 150 g, Brot pro Sag, keine Kartoffeln, k ein. Fett.
Die Zahl der Offiziere war inzwischen auf 9 angestiegen. Jeden Samstag veranstalteten die Macquis einen B ierabend. Da kam immer, ein kleiner Zivilist, ein Jude. Er war in Beuthen und Gleiwitz gewesen. " Wie konnte aus dem Deutschland Schillers, Goethes und Heine s ein Hitlerdeutschland werden?" sagte er immer.
Bei dem Bierabend aufgeputscht, kamen die Besoffenen in das Offizierszimmer. gepoltert, jagten uns aus den Betten, durchwühl ten unsere Sachen. nahmenmit was ihnen gefiel, stellten einen Friseur an, der alln neun die Hanre kurz schneiden mußtes Schikane! Ich wollte mich alsletzter nicht hinsetzen, weil ich ja doch keine Haare mehr hatte. Da hält mir der Polack die Pistole an die Stirn. Einem Hitlerbild hatten die Macquis die Äugen ausgestochen. Ein junger Soldat dreht das Bild "nach a einer Anachauung pietät-voll. um. Die Macq. uis k w nahmen den Soldaten in die Sanitätsstube ae-ben unserem Räume und schlugen ihn mit Gummiknüppein lange Zeit, so daß wir immer die Schmerzensschreie und das Gestöne hörten. Einmal
H hattes die Macquis einen jungen Soldaten im Hofe in einem Kreise umstellt und schippten ihn mit IHrenSchuhen wie einen Fußball,
er konnte nichts anderes tun, als die Hände vor die Augen zu halten. Zur Bewachung waren mitunter auch Neger dabei. Sie waren gutmütig, in. betrunkenem Zustande aber unberechenbar.
Dijon
Im Oktober a[1 944 wurden wir in. ds-s Offizierslager nach. Dijon gebracht. Dijon war eine alte Festung, welche im Kriege 1870-71 hart umkämpft wurde. Unsere Unterkunft war das Port De Lamotte-Giron. Es lag auf einer Höhe und war von einem tiefes, ujad breiten Festungsgraben. umgebes. Von hier aus koantes mas bei g klarem Wetter den Moat Blanc sehen. skm Die Kasematten des Ports lageja um eine. n Hof herum. Sie trugen eine mehr als M meterdicke Erddecke. Deshalb waren-die Festungsgewolbe vor Kälte geschützt. Jeder Raum war mit 50 Offizieren belegt. Wir schlief en in dreistöckigen Draht-betten 6uf Strohsäckejft. Auf den F-stunjS äll. en konnten wir. herum
spazieren. Die Wachposten standeÄ vor dem Eingangstor Blä und jen-seits des Wallgrabens. Trat jemand zu nahe an den Wallgraben her-an, so schossen die Posten. Die Verpflegung war immer aoch täglich 150 g Brot, Kraut-, Mohren-, selten eine Kartoffelsuppe. Eine Ab-magerung ubi 50 und mehr Pfund setzte ein, Hungerendeme stellten sich allgemein ein. Geschwoll-ne Füße uni-d geschwosllene Köpfe waren die Anzeichen des Hungeras. Wir erhielten in diesem Lager ein halbes Jahr lang kein Briefpapsier, wial es angeblich an Papier mangelte. Man wollte die Heimat mürbe machen und ließ noch lange Zeit etwa abgegebene Briefe unbefordert liegen. Als wir in Dijon ankamen hielt ein französischer Oberst wohl aus dem ersten Weltkriege eine Wu. tschnaubende Rede. Seine Stimme überschlugjsich immer, als er behauptete daß viele seiner Verwandt ein. in Deutschland den Tod gefunden hätten. Wir hatten vo-a ihm kein Erbarmen zzuerwarten. Mehrere Offiziere kamen ins Lazarett unda und starben. Im ganzen waren 500 Offizsiere, darunter 50 generale im Fort un— tergebracht. Unter den OIfizeren waren ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer.
Aus der Stadt Dijon kam öfter ein katholischer Priester. Er hielt eine heilige filjesse und brachte Meßwein und Hostien für den katholischen Pfarreirmi-t, welcher als Gefangener unser. li0msm teilte. Der französische jrachte auch immer einzeine Brote im verborgenen mit, aber ganz g eh-eim, sqnst hätten die Macq. uis. -dazwischen. gefunkt.

Kriegsverbrecher werden gesucht Öfter kamen Zivilisten in den das Fort. Alle Offiziere mußten im Hofe antreten. Die französischen Besucher ginges dan-a «ib. der Front entlang iind suchten Dinch vermeintlich ein"Kiegsverbrecher:a. Ich kann mich nicht erinaera, daß sie einen gefunden hätten. G-aMZ abgesehen von diesen Schnüffeleien wurden Hauptaleutes Majoreun-d höhere Dienstgrade abgehest und vom Kriegsgericht verhört. Oberst Bauer, de:ranit uäs den Rückzug machte, wurde laut Kriegsgerichtsurteil erschoäsen,. weil er des Bdfehl gegeben habes soll, Mcquis zu erschießes. Das war nach einem Hitler-befehl gehandelt.
Ich wäre meinem Alter entsprechend (5 Jahre) aus Gefangenschaft ent-lassen worden, aber man suchte einen Offizier mit dem Namen Seifert, Mein Bild wurde aus. dem Soldbuch genommen, meine Unterschrift wurde A verlangt. Sie stimmte mit der ünterschrift des Gesuchten nicht überein und doch hielt man mich zurück. Es war aber besser so.
Oberleutnant Sommer Oberleutnant Sommer machte mit mir den Rückzug als Führer einer Maschinengewehrkompagnie mit. (Erschießung der beiden Gymnasinsten).
Er war 45 Jahre alt, in Zivil Direktor der Handelsschule i% Baut—
zen. Er konnte ohne Zigaretten nicht leben und schacherte von dem
wenigen Brot noch Zigaretten S ein. üm sich etwas Essen Nu verdienen, gin-g/Dei verschneiten Wegen mit nach der Stadt, um einen achlit-
teÄ mit Verpfegung flott zu machen. Dabei brach sein Herz zusammen, er kam ins Lazazarett und starb im besten Alter. Ich aber dachte an die beiden Gymansin ens
Rächtsanwalt Oberleut nant Dr. Zan. ge.

Unter mir lag Dr. Zange im Qett. Jede Tischgemeinschaft hatte sich eine Kaufmannswange aus Holzstäben geb telt. Damit wurde beim Brot-verteilen jedes Stück Brot gewoges. -Dann wurden die Stücke außerdem verlost-Ich. steckte immer m ein Brot unter den Strohsack. Venn ich. draußen jaerumlief, schnitt sich Dr. Zang des Öfteren eineSchnitte Von. meinem Brot ab. Ein ]Leutnant der Artillerie hatte es des öfter. en beobachtet. Er schlug Lärm, Beleidigungen flogen hinüber und herüber. Ohne mein Zutun kam der Pall vor den Ehrenrat. Ich legte kei&en Wert auf. ein Aufbauschen des Palles. Bei einem Appell hatte der deutsche
Lagerkommandant Oberst Bauer den PalL. &ehrenrühriges Verhalten einespffiziers scharf gerügt, - aber DR. ließ s eine juristische Schlau-spielen. Der Hauptmann S. fühle sich nicht besto&len. Oberst Bauer war froh-, die pein liche Sache nicht verhandeln zu müssen. Um meine Gesundheit zu erhalten, begann ich im Jjager mit kalten Ab
reibungen nach Szn Pfarrer Kaeipp. einmal fenbe ich mich bei 15 ßrad Kälte im Preien vor einem Bunker abgerieben. Das Wasser an den Ha&ren setzte Eis an. Nach der Abreibung kroch ich is voller naiform ins Bett und wickelte mich in Decken ein, daß der Körper wieder warm wurde. - -Zwei Studienräte erteiltes, Unt rricht in Englisch und ich anhm anj einem Kursus -für Anfänger teil, ebenso an einem Kursus für Buch-s führung. Es ga. b auch Kurse JPür Frazösisch, Russisch, Vorträge Politik und Wirtschaf t, über einzelMe Abschnitte des zweites Weltkrieges:
über Gesängsschulung, über Erziehung und Unterricht für Jun. slehrer
und anderes.

Beim Gottesdienst begleitete ein Quartett den Gesng. Der Küchengefreite aus Löwen in Schlesien spielte dabei Cello. Ein Veterinär schnitzte mit seinem Taschenmesser aus Brennholz die wunderschönsten Krippenfiguren. Präzise Uhren aus Bolz und die erstaunlichsten Geräte wurden mit einfachsten Mittein hervorgezaubert. Ein Oratorium wurde aufgeführt. Es war von einem Lagerinsassen komponiert worden. Der französische Kommandant, damals ein Oberleutnant der Reserve meinte, es sei doch schade, daß sich zwei Völker mit so hoher Kultur sich bekriegten.

Ein Fahnenjunker machte einen Fluchtversuch. Er war schon in der
Stadt und kam noch einmal zurück, um s eine aufgesparten Eßvorräte
zu holen. Beim zweiten Hinausgehen stieß er auf einen Posten, Er
verwundete den Posten mitseiner Pistole. Der Fah£ien-Junker erhielt aber auch zwei Brustschüsse. Er wurde vor das Kriegsgericht gestelltsIch glaube, er erhielt 6 Jahre Zuchthaus. Er kam auf die Strafinsel Re an der atlantischen Küste Frankreichs. Die meisten Offiziere hätten gern gearbeitet, um aur nicht hungern zu müssen, aber das wurde nicht gestattet, man fürchtete
_. - -e . -
wohl Fluchtversuche. Aus Langeweile fing alles an zu malen und zu zeichnen-. Beiwaruiem Wetter saß alles im Freies, und suchte s eine Hemden und Unterhosen nach Läusen ab. IJnsere Wasche wuschen wir selbst in kalten Wasser und auch das Wasser wurde abgeteilt, weil die Wasserversorgung sehr haperte. Etwa alle vier Wochen mussten wir nach demAppell im Hofe bleiben und die Unterkunft wurde durchsucht. Wir nannten das "Filzen". Dabei nahmen die Franzosen immer wieder verschiedene Sachen mit.

+ Zusatz:
In jenen schmalsÄ Tages erhielt ich das erste Päckchen vom. meiner Tochter Gretel mit Zwieback und Konservenbüchsen. Das war ein Hochgenuß. Im April 1945 kam ein Vertreter des Roten Kreuzes, ein Apotheker aus der Schweiz ims Lager Dijon. Im. Krankenrevier Wurdem ihm 50 der schli
sten Skelette vorgestellt. Nach seiner Abreise kamen zwei inder Schweiz abgestellte Güterwagen mit Mehl, Haferflocken, Nudeln, schokolade und Zigaretten für das Lager in Dijon an. Das war eine wunderbare Verpflegung. Darauf lieferten auch die Franzosen besser. Es gab dann täglich 250 g Brot.
Die Küche kaufte von da an mit unserm Geld öftar Obst, eßbare Ka-stanien, Melonen, Bananen. Wenn diese Waren anfingenn beim Großbänd-, ler zu verderben, gab er sis schnell an das lager ab. Hier wurde alles mit Freude abgenonunen. Viele erhielten dann auch (~ schon Pakete aus de r. Heimat. . " . —


Im März 1945 kamen wir nach Mulsanne etwa 80 km südwestlich von Paris. M. war ein französischer Truppenübungsplatz mit Wellblechbaracken. Dort waren wir 8000 Offiziere, denn die Amerikaner haben alle gefangenen Offiziere den Franzosen übergesn. In Mulanne waren auch gefangene SS-Leute. Sie waren nicht in Baracken, sondern lagen in ihren eigenen kleinen Soldatenzelten auf dem blanken Sande. Wir durften an ihr Lager nicht heran und konnten ihne auch nicht sprecen. Sie wurden hr streng gehalten, sie durften auch nicht Briefe schreiben. Die einzige Öffnung, durch welche sie ausbrechen konnten, war die Fremdenlegion. Der Not gehorchend sind viele von ihnen in die Fremdenlegion eingetreten.

In M. konja. te man nocüpehr Vorträge horen und aM noch mehr Ausbil— dungskursen teiinehmen. Zwei katholische -Priester aus der Diözese Köln hatten sich. freiwillig geMeldet, die gefangenen DiviSions— pfarrer abzulösen. Ss waren beide idenle männerseelsorger. EiÄer von ihnen war ein begeHsterter Fußballspieler. Er fand besonders bei den Protestanten Bewunderung. Da das Lager 1s H. nur mit doppeltem Stacheldraht ungeben war. wurden hier ab und zu Fluchtversuche gemacht. Sie mißglückten in dieser Waldlosen Gegend aber meistens. Einer verbarg sich tagsüber in einem Kartoffelfelde, wurde von dem (Tagdhunde eines Bauern aufgespürt, der ihm eine Schrotladung in den Ijsib. schoß.

Im Lager M. war auch Oberleutnant Sulzbach und Hauptmann Rau aus Nördlingen. Von ihnen erfuhr ich Näheres über die Stadt Nördlingen, wo sich meine Kinder aufhielten. Alle warteten sehnsüchtig auf ihre Entlassung, wenn ich aber an die Entlassung dachte, so glaubte ich vom Regen in die Traufe zu kommen.

Am 5. März 1947 wurde ich entlassen. Wieder gab es eine Gepäckrevision. Der Transport ging nach Tuttlingen in der französisch besetzten Zone. ". - " In der Heimat war ich nicht. Mit gemischten Gefühlen in einer abgetragenen Uniform, Feldmütze-, krummen Amischuhen il, Wickelgamaschen mit einem großen Rucksack und einem Holzkoffer schleppte ich mich vom Bahnhof Nördlingen zur Bäckerei Rehlen, wo meine Tochter Margarete Hausgehilfin war. Ich fand in dieser evangelischen Familie freundliche Aufnahme und wohnte gastweise etwa ein halbes Jahr daselbst mit voller Verpflegung.
Ich meldete mich beim Schulrat Stüler und wurde ab., 1. Juni 1947 an der Volksschule Nördlingen im Angestelltenverhältnis beschäftigt –

Eine Beterin für die armen Seelen
Im Lager von Di. foa las ich. folgende Geschichte voa de«. a. rMen Seelen;.
Es war anch dem ersten Weltkriege. Da wurde einem Srmen Dienstmäd-chen voa der Herrschaft geküadigt. Das Mädchen ging jeden Tag, wenn möglich, zur kirche und betete für dae armen Seelen. Asis sie wieder öinw aus der Kirche kam, stand ein junger Herr vor ihr und sagte:2 "Nicht wahr. Sie suches sine Stelle? Gehen sie auf die Rh einstraße Nr. 10, da sucht man eine HausgehilfinH Weil das Mädchen aber einer Familie an diesem Tage riie Wäsche waschen sollte, ging es erst am nächsten Tölge die neue Stelle suchen. Eine ältere vorifehme Witwe nahm sie
freund lich auf und sie" trat am selhen Tage iren Dienst an. Die Frau fragte: "Woher wissen Sie, daß ich ein DieÄstmäcchen b auche?"f)3S o w1 "Gestern früh, als ich aus der Kirche kam, stand ein jjunger Herr auf der, Straße und sagte zu mir&8n& :"Sie suchen eine STellung, Gehen Sie in die Rheinstraße 10. Da "braucht man ein Dienstmädchen. " &ie Frau sagte:"Gestera habe ich ja aoch ein Dienstmädchen gehabt.
Erst heut früh habe ich das alte Dienstmäcchen fartgjagt, weil es
rt/ heut morgen sinlos betrunken anch Hause gekommen ist und das ganze
Bett verunr einigtro. at. Wie sah denn der junge Mann aus?" Als das Mädchen die große Stube aufräumteslief sie schaell zur Frau und sagtet:" Frau, das war derselbe äerr, derfa. ort auf dem Bilde ist. " Die Frau voller 6taunen:"Das ist £ ja mein Sohn, der ist im Kriege gefallen. " Das Mädchen erzählte weiter:"Ich habe alle Tage für die armen sg Seelen gebetet, die der Erlösung am aächsten sind. " Da sag-r te die Frau, :" Da hast du m einen Soha aus dem Fegefeuer erlöst. "
Die Frau war dem Mädchen stets zugetan und setzte das Mädchen als
Erb

Durch diese Erzählung angeregt, betete ich von der Zeit an auch fleißig für die armen Seelen, die der Erlösung am nächsten sind.

Beim Wohnungsamt Nördlingen ging die Wohungsbeschaffung durch ein Fräulein Niklas. Diese Leiterin sagte mir, nachdem ich eine Wohnung hatte, offen ins Gesicht: „Wenn es mir nach gegangen wäre, hätten Sie in Nördlingen nie eine Wohnung bekommen."

Eines Morgens, als ich aus der Kirche kam, hielt mich ein Herr, der in der Kirche immer neben mir saß, an und fragte mich, ob ich eine Wohnung suche. Ich könnnte bei ihm eine Wohnung mieten. Der Herr war der Bahnvorsteher i. R. Bauer, Eselerstraße 8. Er ließ eine Küche einrichten und vermietete dazu noch ein Zimmer. Die Wohnungssuche war damals die schwierigste Angelegenheit. B. stellte uns leihweise von seinen alten Möbeln zur Verfügung: Bett, Schrank, Tisch, Stühle. Das Kloster Maria Stern übersah mir ein Elisabethpaket: eine Wolldecke, Bettbezüge und Wäschestücke.

Der alte Herr Rehlen schickte mich zur Sammelstelle der Stadt. Er habs dort einen fast neuen Anzug abgegeben, der mir passen würde. Schneidermeister Grün aber wies mich ab: „Die Sachen sind nur für Söhne der Stadt, nicht für Fremde. Bei Flüchtlingsobmännern war auch nicht viel zu erreichen. Meine 85-jährige Schwiegermutter wurde bei einer Federspende abgewiesen. Wenn man Glück hatte einen Bezugschein zu erhalten, so bekam man noch nicht immer die Ware, weil man nicht schmieren konnte.

Den Stoff zu meinem ersten Zivilanzug erhielt ich durch Vermittlung von Fräulein Sophie Rehlen, nachdem ich ein Jahr lang in der Uniform gelaufen war. In der Nördlinger Schule hatte ich die Ia und die Ic und ging mit beiden weiter. Es war ein leichtes Arbeiten. Die Schwestern von Maria Stern kochten für die Schulspeisung. Sie waren so freundlich und servierten uns Flüchtlingslehrern in einem Nebenraum die gleiche sehr bekömmliche Portion. Ich war damals nicht wählerisch. In der ersten Unterrichtswoche fand ich am Samstag eine vertrocknete Schnitte unter einer Bank. Ich habe sie ohne Bedenken gegessen.

Verwilderung durch den Krieg

Das Kriegshandwerk hatte die Sitten gelockert. Dazu kam die kommunistische Hetze gegen die Besitzenden. Durch kommunistische Drohungen erschreckt, holten die Bauern ihre aus dem Kriege geretteten Gewehre hervor und bildeten einen Selbstschutz. Sie gingen nachts Patrouille durch das Dorf. In Buchengrund war das nicht gemacht or-den. Die dunklen Elemente konnten ungestört arbeiten, Am Dorfausgang nach SaM ne zu Wohnte deij Weber Klein. Seine Tochter war in Oberschlesien verheiratet. Weg. n der Insurgentenunruhen kam sie mit ihrer Habe nach Buchengrund. Die Langfinger vermuteten reiche Beute. Mit geschwärzten Gesichtern unA Revolvern bewaffnet
drangen & sie nach Mitternacht durch den Stall in die Wohnung ein, sie hielten durch Brohen mit dem Revolver die Frauen und Kinder im Schach. Sie nahmen unter dem Strohsack _800. M hervor, durchsuchten den Sehr ank und verschwanden, als es hell wurde. Als sie das Haus verließen, kajB Klein die Treppe herunter. 2nm Die Einbrecher drohten,. jeden zu erachießen, der aus dsm Hause trete. Prau Bittner ging zur frühesten Morgenstunde über den Wiesasteig
. -auf. den Schieß-pla-tz und bege-gnete der Bande-. -Sie erkannte. die Personen, wollte aber derct dee Kamen verraten, welaja sie auf dem Sterbebette liege. Man hatte ihr wahrscheinlich gedroht.

1921
Die Baltikumtruppen waren ein. Freikorps, zu. dem vertriebene Balten deutsche gehörten. Sie hatten auf dem Truppenübungsplatz. MaishiÄenge-wehre, Gewehre, Handgranaten und Munition versteckt, damit es die
. interalliierte Kommisaion nicht entdeckte. Aus diesen Beständen. holten sich Kommunigten aus den umliegenden Dörfern Waffen und Mu— nition, Guschwitzer Leitermacher n fuhren in der ITacht inüen Wald nach Leiterbäumen. &n Wenn ein Pörster sie im Königliches Wald ver-
j folgte f anAmn sch. ossen sie mit abi. dem Man:chinengewehr und fuhren davon. "-.
Zu dieser Zeit nahm des Wildern überhand. An der Königlichen Gren-ze am sagenannten Steilabfall £ lauerten zwei Hilfeförster den wilderern auf. Sie standen hinter Baumen gedeckt, als- die Wilderer aus dem Walde im Mondenacheine ihre Treibjagd veranataILteten. Der
18 jährige August Grziwa wurde, von dem Förster Boaä tödlich getroffe
Ein Förster lief ins Dorf und holte einen Bauernwagen und der Sterbe de wurde in sein Elternhaun gebracht. Der Priester hat ihn noch ver-
sehen, bevor eratarbs -Die Beerdingung gestaltete sich zu einer kommunistischen Kundgebung. Aus Berlin kam ein kommunistischer Reichstagsabgeordneter. Die kommunistische
Ortsgruppes des Kreises wa. rs nahmen geschlossen an der Beerdigung teil. Sie gingen mit der roten Palme hinter den Leidtragenden her.
Der Pfarrer forderte den Faührer auf, zurückzubleiben, sonst könn er die Bee. rdi. gung nicht halten. Erst als sich der Vater des Toten an den Abgeordneren t. v/andte, blieben. die Kommunisten hinter dem Trauerzuge zurück. Sie oT em & Friedhofe auf der Straße stehen. Nach der Beerdigung hielt ihr Ab. eordnerer eine Bede. Er betonte, daßwegen eines Hasen ein Mensch i sein Leben lassen mußte. In Tillowitz standen zwei Omnibusse mit Bereitschaftspolizei einsatzb reit. Das blutige Hemd des Toten hatten Kommunisten auf einem Baus vor dem Forathause aufgehängt. Der Förster BoÄkS r ach Ostpreu-
ßen versetzt worden. In Tillowitz war etwas. «päter der Revierförster Gerlach von Wilderern erschossen worden.
In dieser kommunistischen Zeit wurden in Guschwitz Diebstähle am laufenden Band ausgeführt. Schweine wurden. gestohlen bei Kluske und Plitzko. Auch bei uns wurden Diebstähle versucht. Wir hatten immer einen Wachhund. Ein Wolfsspitz wurde une von den Diebes vergiftet. Er lag eines Tages früh tot im Gartes. am. einenm stürmischen Novemberabend höre ich im Hofe ein verdächtiges Geräusch. Ich. gehe in den Hof. Die Stalltür än ist zu. Ich arbeite weiter am Schreibtisch. Am nachsten Morgen steht die Gartentür off en. Die Radwer ist fort. Bei Plitzko ist in derselben Nacht das Schwe gesstohlen worden und auf unserer Radwer wegge-yahren worden. Bei Kluske fehlte die Ant. Bei den Schweinsdiebstählen war die Familie Grziwa führend.
Der alte Gi. war wegen Wilderns mit Zuchthaus bestraft. Er ging überall Sausschlachten und ka. nnte alle Schweinestälie und wußte, wo schlachtreife Schweine standen. Seine Söhne organisierten die Diebesbande. Das gestohlene Schwein ging zum großenfe. il mit dem ersten Zuge nach Oberschlesien zu Helfershelfern. Der Rest wurde brüderlich geteilt. . -
Es war im Jahre 1950. Gegen 1 Uhr morgens schlief ich der 5chla stube in der 1. Etage. Da höre ich einen Bums und wache auf. Ich warte einen Augenblick. Alles bleibt still. Ich schalte nach kur?e:
. Zeit das Licht ein und öffne dentoberen Fensterflügel, um frisc]« e Luft iincKiEmnmnMmnKnnitnn hereinzulassen Als ich morgens zur Set u le geh, sehe ich das Hoftor und scheunentor off en stehen. Das Ladenfenster am hofe war ausgeschlagen. Der Abdruck von einem Kinderschuh war Auf dem Fenstersims erkennen. In dieser fraglichen Zeit kam immer ein Heinrich Kutz in den Laden ns. ch Zigaretten. Er bezahlte immer mit einem Fünfzigmarkschein und wollte durchaus gewechselt haben. Er glaubte, die Schwiegermutter würde in der Nebenstube die Kassette holen, damit er einmal sieht, wddas Geld aufbewahrt wird. Darauf ließ sich. aber die Schwiegermuttern nicht ein, sonders sie ließ sich lieber das nächste Mal bezahlen. Hätte ich nicht das luLcht eingeschaltet, sohätten die Diebe das Fenster aufgewirbelt, B den Jungen hineingeschoben und Zigarren und Zigaretten herausho— len lassen. Ein bewaffneter Dieb hätte die Schwiegermutter in Schach gehalten, ein anderer die Trepps versucht zu bewachen. Das war für mich ein Grund, mir einen Waffenschein und 50. Schuß Munition für meinen. englischen Trommelrevolver zu besorgen. Der Revolver lag immer griffbereit inaCT Nachttischchen, mein Degen unter der Matratze.
Die Schwiegermutter schlief unter uns mit einem Kinde zusammen in der Stube neben dem Laden. Wenn stwas-vorfiel klopfte sie mit einem Besenstiel an die Decks, was man sofort hörtes Einmal schrie sie
fürchterlich in äer Nacnt. Ich sprang sofort aus dem Bett. Im HeMd, in der rechten Hand den entsicherten Revolver, in der linken Hand den blankan Degen. so stürzte ich die NTreppe hinunter in der Meinung, es handle sich wieder um Einbrecher. Es hatte aber nur ein Mann den Kopf zum Fenster hereingesteckt. Das Fenster K war nämlich zu ebener Erde. Man konnte es durch einen schmalen Gang zwischen unserem Haus und Rothku els Scheunengiebel ungesehen erreichen, Die Ladenfenster haben wir nach dem Einbruchsversuch mit Eisengittt-r versehen lasssn vom Schmied KuschMik in Tillowitz. Derselbe hat auch den Eisenzaun vor deM laden angelegt. Er hat ach ein Z eisen e -Grabkreuz mit Porzellantafel für meinen Vater und ein ebensolches für meins Mutter angefertigt. Sie stehen auf dem Friedhofe von Fried land in. dem Tsile nach Fleste zu. Beide Gräber waren mit Efeu pflanzt. . Im Jahre 1919 war Pfarrer Rezehulka in Psychod (Waldfurt). Er kam jeden Sonntag. nach Guschwitz Gottesdienst halten, manchmal auch unter der wache. Er hatte eine Magd, einen l6iecht, zwei Pferde und
bestellte den Pfarrer selbst. Nach Gusche-, 4. kam er immer mit seinem Pferdegespann gefahren und stellte den Wagen bei der Frau Klammeth6fi(Hof vom Bauer Bauch) «in. Er war von der Natur eines 0-rdens-geistlichen innerlich und einfach. Er hatte mich als Kaplan in Friedland zur ersten Kommunion geführt. . Die Erstkommunion war am 25. März. Dieser Tag war in Preußen kein


Gebotener Feiertag. Meine Eltern arbeiten auf dem Felde. Es war ja wochentags. Nach der Feier erhielten wir auf dem Pfarrhofe unser Kommunionbild und ich ging mit meinem Cousin Bruno Seifert zu meiner Tante, der Auszüglerin Martha Seifert auf der Oppelner Straße. Zur Feier des Tages gab en einen guten Kaffee und Semmeln. vom MeißnerBäcker, um le Uhr vormittags ging ich nach Hause nach Ranisch. Dort legte ich den Kommunionanzug ab und der Alltag ging weiter. Ob wir nachmittag noch einma. 1 zur Kirche gingen, kanjfl(ich nicht «agen. Zur Pfarrkirche Friedland gehörten damals 10 Dörfer und von dort konnte man nicht alle Kinder so leicht zusammentrommeln. Es wurde auch keine Fotografie g gemacht,. Ich war damals 12 Jahre alt.
. Pfarrer Rzehulka und die Kommunisten. -1920 £ fing- man an Genossenschaften zu gründen, um die Dörfer mit elektrischem Licht und Strom zu versorgen. Pfarrer R. setzte sich sehr für die Elektrifizierung ein, weil ihm das Überlandwerk versprochen hatt«, die Kirche gratis zu installieren. In Paychod Waldturt) hatte der Pfarrer in einem Garten an der Falkenberger Stein« einen kleinen Fischteich angelegt und junge Obstbäume gepflanzt. Eines ITachts haben kommunistische Rowdies den Fischteich durchstochen und die Obstbäume umgebrochen. Ein
Monteur des Elektrizitätswerkes hat dem Pfarrer den Rat gegeben, den Garten durch einen ungefährlichen Schwachstromdraht zu sichern. Nach einem Gewitterregen klettert der [ 6 jährige Sohn der Lehrerswitwe über den Pfarrzaun, um Pflaumen zu naschen. Als er auf dem nassen Zaune steht, erhält er einen elektrischen Schlag und kann nicht los«, dis Mutter kommt herbei gesprungen und bleibt auch kleben. Eine Klosterschwester rennt auf den Pfarrhof. Der Pfarrer ist mit der Bahn weggefahren. Der Transformator wird erst abgestellt, aber der Knabe ist tot. Es kommt eine Gerichtsverhandlung. Der Pfarrer verpflichtet sich, des. älteren Bruder des toten Kindes auf seine Kost«n studieren zu lassen. Die kommunistische Hetze «erhält neuen Auf trieb, und der Pfarrer läßt sich versetzen nach teuthen bei Liegnitz. Die Pfarrgemeinde Waldfurt macht dem Pfarrer keinen Abschied, aber Buchengrund verabschiedet ihn mit dem vier— stimmigen Liede "Nun zu guter Letzt geben wir dir jetzanuf die Wandrung das Geleite". Lehrer Müller sprach einige herzliche Abschiedsworte. Der Scheidenflie war überrascht und sichtlich gerührt. Der nächste Pfarrer Waloschek war mit seinem Berufe unzufrieden. Er sagte einmal zu dem Mesner Rolhkugel :" Hätte mich mein Vater doch lieber Schuster werden lassen!"


Frzykiek Prankowsky
Als ich Oktober 1915 beim Infanteriereregiment 25 in Neiße eintrat, trat auch ein gewisser Przyklenk aus Waldfurt bei meiner Kompagnie e in. Er war aus dem Missionsseninar Heiligkreuz bei Neiße ausgetreten und machte jetzt seinen Militärdienst. Hauptmann Weber setzte sich für ihn ein, daß er nur ein Jahr zu dienen brauchte, weil er von der Höheren Schule kam. Hach den ersten Gefechten meldete sich P. krank. Dann kam er zu einem Dragonerbataillon und schlug die Zahlmeisterlaufbahn ein. Nach einer Unterschlagung fiel seine Karriere ins Wasser. Nach dem ersten Weltkriege ging er in das Polenlager, nannte sich hochtrabend Przyklen - Frankowsky und machte mit Korfanty Arbeit für Polen. Er suchte auch den Pfarrer für Polen zu gewinnen. Sttener erteilte ihm eine deutliche Absage: "Ich bleibe deutsch.
Dieser P. führte die Polnische Propaganda im Kreise Falkenberg und- Neustadt an- wir sollten uns selbst in jeder Geschichte finden. "

Kindesmörderin
Vom Gastwirt Lakomy in Buchengrund n lebten 9 Kinder, drei Mädchen und 6 Jungen. Die zweite Tochter Mieke (Maria) hat schon als Schulmädchen mit Jungens sich herumgedrückt. einen armen Jungen aus dem Dorf ließ sie der S Vater nicht heiraten, da hatte die Jagd eine vernünftige Lösung gefunden. um die Tochter aus der Liebelei herauszureißen, mußte das Mädchen nach Breslau in Stellung gehen. Vor Weihnachten kam sie« mit einem Neugeborenen ins Elternhaus zurück. Der stolze Vater jagte die Tochter mit dem Kleinen aus dem Hause. In der Verzweiflung fuhr die junge Mutter nach Breslau zurück und warf das Kind in die Oder. Es gab eine Gerichtsverhandliung. Die Mutter zahlte viel Geld für einen Rechtsanwalt, um für die Tochter ein mildes urteil zu erreichen. Später heiratete dis Gestrauchelte ihren. taubstummen Cousin aus Oppeln und hatte noch einige Kinder. Sie starb in jungen Jahren an Unterleib« krebs,
+50 Jahre früher t im Jahre etwa 1900 ereignete sich in3uchengrund die gleiche Tragödie« Auf dem zweiten Gasthause war ein Gastwirt Hilger langjähriger "Schulze, ein stolzer Mann. Seine Tochter verliebte sich in den Bauernsohn Kluske aus Buchengrund. Dem Vater war die Partie zu gering und er setzte seinen harten Kopf gegen die leidenschaftliche liebe der Tochter. Das Kind, das aus diesem Verhältnis geboren wurde warf die Tochter in den Abort. Wegen Kindesmord kam die junge Mutter ins Gefängnis. Im Gefängnis besuchte sie der Bräutigam und ein weiteres Kind war in Aussicht. Jetzt willigte der gedemütigte Va. ter ein. Diese Frau hatte in ihrer Ehe noch 11 Kinder geboren. Ein Sohn war der Franziskanerpater Paul Kluske. Er ist in Krakau in den Orden eingetreten, weil es im Hitlerdeutschland gesperrt war. Er ist heut in Rochus bei Neißes K. hat während des Krieges als "deutscher Reichsbürger dem Kloster is. Krakau manchen. Sturm abgewehrt. Aus- Dankbarkeit hat ihn s ia. Prior beurlaubt, als dis Hitlerherrschaft zusammenbrach und die Polen die Deutschen vertrieben. K. hat seinen väterlichen Hof seiner Familie erhalten können. Er hat es auch erreicht daß die in Buchengrund verbliebenen Deutschen nicht im ganzen ins Lager Lamsdorf kamen. .

Lehrer Müller

Der Lehrer Müller war seit 190. erster Lehrer und Schulleiter in Buchengrund. Er war auch Organist an der Filialkirche Buchengrund. Er stammte aus Leijtnerwitz, Kreis Leobschütz. Ein Bruder war Stadtpfarrer in Leobschütz, ein Bruder Jesuit in St. Paolo, Südamerika. M. M hatte die Tochter des Hauptlehrers S. Hooke in Lamsdorf geheiratet und war sehr vermögend. Die täglichen Zinsen seines Kapitals betrugen 1 Taler, so sagte er immer. Im Ersten Weltkriege war er Offizier. In Buchengrund betätigte er sich nebenher als Gemeindeschreiber, Organist Kriegervereinsvorsitzender, Bienenzüchter, Obstzüchter und Landwirt.

Zur Schulstelle gehörten etwa !6 Morgen Acker und Wiese. Sein Vorgänger Kasparek hielt sich auch ein Pferd. Das ersetzte bei vielen Landlehrern damals das heutige Auto. Während der Inflationsjahre 1919- 1925 wurde die Landwirtschaft wieder eifrig betrieben. Unter Hitler machte er den Enrteirummel nicht mehr mit, da, er schon ein Höchstgehalt hatte und nichts mehr zu fürchten hatte. Nur die -Volkswohlfahrt hatte man ihm aufgehalst. Wenn der Ortsgruppenleiter Koamalla gegen ihn zu Felde zog, habe ich gebremst oder auch gewarnt. Seit meiner Einberufung 1940 war er allein an der Schule f- 1945 blieb er von den Russen ungeschoren.

Mit den Polen begann seins Leidenszeit. Er glaubte seine gerettete Habe an Möbeln, Kleidern und Honig schützen zu müssen. Den beutelüsternen Polen war er im Wege. Im Walde war es ihm gelungen, mit seinen Bärenkräften russische Sodaten von Vergewaltigungen zweier junger Mädchen zu verteidigen.

Auch gegen die polnischen Plünderer machte er von seinen Kräften Gebrauch. Ein polnischer Spitzel schwindelte ihm vor, die Deutschen kämen wieder nach einer Übergangszeit zurück. Er wiegte ihn in Sicherheit und hatte schon den Termin bestimmt, an welchem er ins Lager Lamsdorf kommen sollte. Als wieder einmal ein polnischer Plünderungstrupp kam, stellte er Btadcb dessen Fahrräder auf die Straße und warf die Polen aus dem Hause.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr kam die polnische Geheimpolizei und zerschlug ihn fürchterlich mit Gummiknüppeln. Die Tochter Erika schrie zur Giebelstube hinaus um Hilfe. Die Nachbarn hörten die Hilferufe, wagten aber nicht, sich zu zeigen. Der elend Geschlagene wurde auf einen Bauernwagen geladen und nach Tillowitz in den Keller des Doktorhauses gesperrt.



Tillowitz/Tulowice, August 2015

In Tillowitz haben Leute gesehen, wie er furchtbar zugerichtet an einem Wagen zog. Dann marschierte er mit anderen Leidensgenossen zunnminen durch Buchengrund nach dem polnischen Konzentrationslager Lamsdorf. Durchs Dorf mußten die armen Opfer Hitlerlieder singen. Seine Tochter Erika kam auch in das Lager Lamsdorf. Sie schaute einigemal durchs Barackanfenster wie die Männer beim "Morgensport", zu Tod gepeinigt wurde.



In der "Hölle von Lamsdorf“ sind die Schrecken des Lagers von Überlebenden geschildert worden. Lehrer Müller ist im Lager umgekommen, ebenso wie Lehrer Wagner aus Bauschdorf und einige andere Lehrer des Kreises Falkenberg.


Nietzel Agnes

Als ich am 1. Januar 4919 in Guschwitz meine Lehrerstelle antrat, wurde mir als Aufräumefrau die Nietzel Agnes zugeraten. Ich bewohnte eine Giebelstube de a Sch für Solil Ti?!. d- Holz. !7, sir 5- roch-“-s ßl. Die war Witwe. Er war wegen Wilderns mit Zuchthaus bestraft. In der Kommunistenzeit 1919-25 war er in den Wald im Grunde se. a jagen und hatte einen Wipfel geh. ol3en, um ihn nach Hause zu schleppen. Da explodierte eine Handgranate und verletzte ihn schwer. Aus Rache für den beim Wildern erschossenen Grziwa hatten die Genossen eine Handgranatenfalle aufgestellt. Sie war für die S Försters bestimmt gewesen.

N. ist später an Brustkrebs gestorben. Seine Tochter war. zu jener Zeit eine fromme, r eine UH. d reinliche Frauensperson. Sie singyWena GclenenAffit war, täglich aur Kommunion. Sie erzählte, wenÄ «ie inMilde gehe, höre sie oft deutlich eine - . Stimme sprechen; Das Kreuz wird dich zum Himmel tragen. " Bann habe- sie große Schmerzen. Oft höre sie eine andere Stimme. Dann sei sie überglücklich und könnte laut aufjubeln und singen. Ich hatte die Überzeugung, daß sie in inniger Verbindung mit Gott lebe. Sie. war anspruchslos, immer froh und heiter.
Bei der Austreibung soll sie sich an den Bergmann Bielzer angeschlossen haben. B. war Witwer. Die beiden sollen einander an der Hand geführt haben wie zwei Kinder, Ich wollte IT. noch einmal im Altersheim Dinkelsbühl besuchen, nur um zu sehen, ob sie in ihrer gottverbundenen Lebensweise bis zu ihrem Ende ausgehalten habe.



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