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Von Rittern, Mördern und Wasserleichen

Friedlich plätschert die Eger an dem verwunschenen Gemäuer vorbei. Das Stolchsche Schloss in Trochtelfingen, das auf das Jahr 1350 zurückgeht, wurde in den Jahrhunderten Zeuge vieler Schicksale und Geschichten. Eine davon erzählt die blutige Sage der Kapelle von Trochtelfingen.

Von unserem Redakteur
Bernhard Hampp

„Da brachten eines Abends auf von Ästen und Zweigen geflochtener Bahre Knechte die Leiche des Erstgeborenen ins Schlösslein. Stumm und das Kainszeichen auf der Stirne folgten die beiden anderen, und es fuhr wie ein entsetzlich grell leuchtender Blitz durch die Jammernacht des trostlosen Vaters, dass die Brüder den Bruder erschlagen.“ So liest man im Buch „Geschichten, Sagen und Legenden des Bayernlandes“, das 1845 in Nürnberg gedruckt wurde.

Der Bluttat vorausgegangen war laut der Sage das, was man heute eine Familientragödie nennen würde. Der Schlossherr Ritter Gerung von Emershofen verlor seine Frau, Margaretha von Holheim, bei der Geburt des ersten Sohnes Hans. Darauf heiratete er seine Jugendliebe, Wiltrude von Schopflohe, die ihm zwei weitere Söhne gebar, aber stets voller Hass gegen den Stiefsohn Hans war. Schließlich erschlugen die beiden Söhne Wiltrudes Hans und flüchteten. Die Mutter sah die beiden nie wieder, doch sie erfuhr von einem fremden Wanderer deren Schicksal: „Und nun fing er an zu erzählen, wie er als Pilger ins Morgenland gekommen, wie er dort unter den Maltesern zwei ritterliche Knappen kennengelernt, welche, als Büßende um einer schweren Sünde willen, vom Papst in den Krieg gegen die Türken gesendet, düster und in sich gekehrt, ohne Wappen und Namen, als die Tapfersten der Tapferen in einem Gefechte schwer verwundet worden seien.“ Daran, so der Pilger, seien sie gestorben. Die Mutter, voller Reue, ließ an der Eger dem heiligen Bartholomäus eine Kapelle errichten.

„Die Sage hat einen historischen Kern“, klärt der Bopfinger Heimathistoriker Axel Stolch auf. Er hat über die Geschichte seiner Ahnen, die das Schloss im Jahr 1641 kauften, geforscht. Dabei stieß er auch auf die Chronik der Familie von Emershofen aus dem 16. Jahrhundert: „Gerung und Conrad schlugen Hansen iren bruder zuo tod“, heißt es dort unmissverständlich. Und auch ein Bild der Kapelle sowie der Schluss der Sage finden sich dort: „Dernach ließ die selbig stiefmuttern Sant Bartholomess capeln machen die vor gemalt ist zuo Trochtelfing die noch statt.“

Die Kapelle gibt es zwar nicht mehr, aber Stolch weiß: „Sie stand am westlichen Ortsende, wo heute die Neumühle ist, die früher auch Kappelmühle genannt wurde.“ Die Ritter von Emershofen, so wird vermutet, waren etwa von 1300 bis 1525 im Ries ansässig. Das Schloss ist urkundlich wieder 1641 erwähnt, als es der Obristwachtmeister Heinrich Stolch für 1700 Gulden von Georg Freiherr von Stein zu Diemanstein kaufte. Noch heute ist das Stolchsche Schloss im Besitz einer Linie der Familie Stolch.

Deren Stammvater Heinrich Stolch, ein Major im Regiment des Johann Graf von Götz muss ein reicher Mann gewesen sein. Aber auch ein raubeiniger Kerl: So werfen ihm alte Gerichtsakten vor, er habe seinen Soldaten oft Lohn und Brot vorenthalten. „Woher er das viele Geld hatte, kann man sich denken“, sagt Axel Stolch. Auch sonst war der Schlossherr nicht zimperlich. Friedrich Meier, ein Küfer aus Aalen, gab zu Protokoll, er sei bei Aufhausen von Heinrich Stolch überfallen worden, der ihn mit gezückter Pistole bedroht hatte: „Wohin, du ausgerissener, leichtfertiger Vogel?“

Erstaunlicherweise kam es fast zu einer Neuauflage der Sage unter umgekehrten Vorzeichen: Denn Heinrich Stolch heiratete die Adelige Ursula Dorothea von Gaisberg aus dem Remstal. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn, Georg Heinrich. Weil der Vater früh starb, heiratete die Mutter den Rittmeister Liborius Ebers, der den Stiefsohn loswerden wollte: So schickte man Georg Heinrich zuerst lange Jahre zum Studieren, danach zum Militär.

Als er schließlich nach Trochtelfingen zurückkehrte, war ihm kein Glück beschieden. 1704 fand man Georg Heinrich Stolch ertrunken in der Eger. „Ob er sich selbstmörderisch ins Wasser gestürzt hat oder ob es ein Unfall nach der Frühmesse war, bleibt bis heute ungeklärt“, sagt Axel Stolch. „Er war sehr der Melancholie ergeben“, stellt das Trochtelfinger Kirchenbuch lapidar fest.



Der I. hiess Hans vnd was als keck als der vatter vnd von seiner keckheit wegen must er sterben vund erstachen selb die brüder in. das machet sein stieffmutter die was eine von schopfloch.

Chronik der Familie von Emershofen

(Erschienen in Schwäbische Zeitung, 24.12.2010)
28.12.10 09:45
 


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