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Der holde Knabe trägt Seide aus Damaskus

Adventstrubel und Geschenkestress lassen vergessen, um wen sich das Weihnachtsfest eigentlich dreht: Das Christkind in der Krippe. Jetzt stehen Jesulein-Darstellungen im Mittelpunkt einer bemerkenswerten Ausstellung im Kloster Kirchheim. Sie ist am kommenden Sonntag während des Adventsbasars zu sehen.

Von unserem Redakteur Bernhard Hampp

Der erste Schatz wartet gleich neben dem Eingang zum spärlich beleuchteten Prälatensaal: Das „Gnadenkind Jesu zu Maria Kirchheim“, eine prunkvoll ausgestattete, hölzerne Jesuskindfigur, die einen Vogel in der Hand hält. Das Tier ist eine Anspielung auf die Geschichte vom ersten Wunder des kleinen Jesus, der einen Vogel aus Ton zum Fliegen gebracht haben soll.

Solche Erzählungen entstammen der Volksfrömmigkeit, ebenso wie die zahlreichen Jesulein-Plastiken in der Ausstellung. „Der Barock war die große Zeit der Jesulein-Verehrung“, sagte Edwin Michler, der die Schau gemeinsam mit seiner Frau Marlene zusammengestellt hat. Er weiß, was die prächtigen Kinder- und Babyfiguren so attraktiv machte: „Die Jesulein waren oft Trösterlein für die Nonnen in ihren Klosterzellen. Die Frauen hatten sich ja von der Welt verabschiedet.“

Jesulein mit Knollennase

Eine berühmte Nonne und Schriftstellerin, Margareta Ebner, die um 1300 im Kloster Maria Medingen nahe Dillingen lebte, soll die älteste heute noch erhaltene Jesuleinfigur umhegt haben. Davon erzählen die Schautafeln, die auch andere berühmte Jesulein-Darstellungen, wie die im Kloster Holzen, zeigen. „Mit der Knollennase und dem markanten Gesichtsausdruck ist dieses Jesulein der Kirchheimer Figur ähnlich“, sagt Edwin Michler.

Zu sehen sind auch ein zweites Kirchheimer Christkind, das Michler im Pfarrkeller entdeckt hat, und ein Jesulein-Wonneproppen aus der Wallfahrtskapelle Jagstheim. Daneben liegen einige sogenannte Fatschenjesulein, die streng in Tücher eingebunden sind.

Faszinierend, was die Michlers darüber hinaus zum Thema zusammengetragen haben. Ein Jahr lang durchstöberten sie Flohmärkte, Auktionen und Trödelläden und bargen wahre Schmuckstücke: Zum Beispiel ein französisches „Christkind im Paradies“ von 1750, das unter einer Glasglocke zwischen Blumen und Pflanzen hervorlugt. Das himmlische Kind begegnet den Ausstellungsbesuchern zudem auf Tüchern, ausgestanzten Glanz- und Andachtsbildern und in Kinderbüchern.

Bei manchen der erstandenen Jesuleinfiguren kam es vor, dass nur noch der Kopf aus Wachs oder Holz erhalten war. Dann setzte sich Marlene Michler an den Schneidertisch und fertigte aus Resten alter Messgewänder neue Prachtkleidchen für die holden Knaben im lockigen Haar. Einen Besuch in Damaskus nutzten die Michlers, um in einer Seidenweberei im christlichen Viertel kunstvolle Gewandstoffe für die Ausstellung zu erstehen. Nicht ausgestellt ist eins der Kirchheimer Glanzstücke – das Prager Jesulein von 1700. „Am Montag haben es die Restauratoren vom Landesdenkmalamt in Esslingen abgeholt“, sagt Edwin Michler. Die hohle Wachsfigur kann dank der letztjährigen Adventsbasar-Erlöse nun endlich repariert werden.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder Patienten, denen die Einnahmen aus dem Basar zugute kommen: Alte Schreine aus der Kirchheimer Klosterzeit, in denen Reliquien in edle Stoffe, Gold, Silber und Schmucksteine eingefasst waren. Sie sollen restauriert und möglichst bald der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Erschienen in Schwäbische Zeitung/Ipf- und Jagst-Zeitung am 18.11.2010
18.11.10 13:03
 


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